Lange hat der marode Baukonzern mit den Banken gerungen. Nun ist es sicher: Holzmann wird nicht weiter bestehen. Und das ist gut so.
Schon vor zweieinhalb Jahren stand der Bauriese bekanntlich vor dem Ende. Nur die Rettungsaktion von Bundeskanzler Schröder bewahrte die Holzmänner vor der Insolvenz. Letzten Endes brachte das Eingreifen dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern nur eine künstliche Lebensverlängerung und keine Genesungskur. Die Mitarbeiter verzichteten auf ihren Lohn, leisteten unentgeltliche Überstunden und verlieren nun doch ihren Arbeitsplatz.
Sinnvoller wäre es also gewesen, schon viel früher einen radikalen Schnitt zu machen. Die Krise am Bau dauert schon seit vielen Jahren. Die Wettbewerber müssen sich an den Mark anpassen. Für viele Beschäftigte wäre dies schmerzlich gewesen. Doch jetzt, zweieinhalb Jahre später, hätte sich mancher schon eine neue Existenz aufgebaut haben können, statt von einem wackligen Arbeitgeber abzuhängen.
„Unvorhersehbare“ Überraschungen
Verwunderlich im Fall Holzmann ist, wie sich die Geschichte wiederholt. Schon 1995 meldete der Holzmann-Konzern einen Fehlbetrag von 360 Millionen Mark. 1997 hatten sich die Verluste auf 1,5 Milliarden Mark ausgeweitet. Statt die erwartete Trendwende anzukündigen, musste der Vorstand 1999 die Gewinnerwartung herunterschrauben. „Unvorhersehbar hohe Belastungen“ in Höhe von 2,4 Millionen Mark waren plötzlich aufgetaucht. Vor knapp zwei Wochen dann ein ähnliches Szenario. „Unvorhersehbare Sondereinflüsse“ brachten für 2001 statt der erhofften Gewinne Verluste von geschätzten 199 Millionen Euro. Die Finanzschulden liegen dem Vernehmen nach bei 1,6 Milliarden Euro.
Die Zahlen sprechen eindeutig gegen eine Zukunft des Traditionskonzerns. In der Zerschlagung des Unternehmens liegt eine größere Chance als im Festhalten an überholten Strukturen. Auch Schröder scheint dies zu wissen und verhält sich dieses Mal still.
Weitreichende Folgen für die Baubranche
Schlimmer sind die Folgen, die in der gesamten Branche nachhallen. 15.000 Arbeitsplätze in kleineren Unternehmen hängen am Holzmann-Konzern, schätzt Holzmann-Vorstandsmitglied Jörg Eschenbach. Sie gehen für den Konzern in Vorleistung und sind von einer Pleite des Unternehmens direkt betroffen. 1,3 Milliarden Euro Schaden würde die Insolvenz anrichten.
In dem Gezerre um die Abwicklung des Unternehmens geht es bei den Banken um viel mehr als um die Weiterführung der Geschäfte beim zweitgrößten deutschen Bauunternehmen und die Absicherung der eigenen Kredite. Im Dunkeln bleibt, welche Absichten die Finanzinstitute noch damit verbinden. So mag es Zufall sein oder nicht, dass die Deutsche Bank in dem Moment die Aktienbewertung ihrer Mitbewerber Commerzbank und Dresdner senkte, als diese sich vom Holzmann-Rettungsplan abwendeten.
Nicht zu vergessen ist der gewaltige Schuldenberg der Kirch-Gruppe, der ebenfalls auf den Banken lastet und wo sie um einen Ausgleich der Interessen ringen. Schon das vergangene Jahr hat vielen Bank mit dem Enron-Debakel enorme Ausfälle gebracht. Wieder auf faulen Krediten sitzen zu bleiben, könnte manchen ebenfalls in ernste Schwierigkeiten bringen.