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Baumwolle Zäher Streit um das weiße Gold der Armen

16.12.2005 ·  Im erbitterten Streit um Baumwollsubventionen sind die Amerikaner zwar bereit, den westafrikanischen Ländern zollfreien Marktzugang für ihre Baumwolle zu gewähren. Doch an ihren Subventionen lassen sie nicht rütteln - eines der am heftigsten mit Emotionen aufgeladenen Themen der Verhandlungen.

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Im Streit um ihre Baumwollsubventionen lehnen die Vereinigten Staaten in der Welthandelsrunde eine Einzellösung für diesen Sektor weiter ab. „Wir können es nicht erlauben, daß diese Runde zu einer bloßen sektorspezifischen Verhandlung verkommt“, sagte der stellvertretende Handelsbeauftragte Karan Bhatia am Freitag bei der Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) in Hongkong. Er reagierte damit auf die Klagen westafrikanischer Länder, die die amerikanischen Subventionen von fast 4,0 Milliarden Dollar für den ruinösen Preisverfall bei Rohbaumwolle verantwortlich machen.

Bhatia sagte, auch Amerika sei für den Abbau von Subventionen. Der Subventionsabbau - nicht nur bei Baumwolle - müsse aber Teil eines Gesamtpakets zum Abbau von Handelsschranken sein. Er stellte die Berechnungen der Afrikaner über jährliche Verluste durch die amerikanische Subventionen in Höhe von 450 Millionen Dollar in Frage und sagte, daß es wahrscheinlich nur 40 Millionen seien. Auch stellten die Baumwollbauern nur sieben Prozent aller Landwirte Afrikas.

Oxfam: Leere Versprechungen

Der Handelsbeauftragte Robert Portman hatte den Westafrikanern am Donnerstag zollfreien Marktzugang für ihre Baumwolle angeboten. Die Entwicklungshilfeorganisation Oxfam kritisierte dies als „leere Versprechung“. Afrika exportiere keine Baumwolle in die Vereinigten Staate, sagte ein Oxfam-Sprecher. Das Problem der Afrikaner sei nicht der Marktzugang, sondern die Subventionen.

Die Baumwollfrage ist eines der am heftigsten umstrittenen und mit Emotionen aufgeladenen Themen der Verhandlungen. Benin, Burkina Faso, der Tschad und Mali fordern ein Ende der Unterstützungszahlungen an die Baumwollbauern in den Industrieländern, da die afrikanische Baumwolle dadurch auf dem Weltmarkt praktisch chancenlos ist.

Kühl reagierte auch die Europäische Kommission auf den Vorschlag: „Ein Schritt in die richtige Richtung, aber es muß ganz klar mehr kommen“, hieß es. „Die Baumwollsubventionen sind besonders skandalöse Handelspraktiken. Amerika trägt durch die unfaire Unterstützung seiner Baumwollfarmer dazu bei, das Einkommen von rund 15 Millionen Menschen in Westafrika zu mindern“, sagte die deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) am Donnerstag in Hongkong.

Baumwollsubventionen für unzulässig erklärt

Die Vereinigten Staaten subventionieren den heimischen Baumwollanbau mit rund 4 Milliarden Dollar jährlich - mehr als das Bruttoinlandsprodukt jedes einzelnen der afrikanischen Baumwollstaaten. „Von diesem Geld profitieren gerade einmal 25.000 Baumwollfarmer in Amerika“, kritisierte die Ministerin. Dank der Staatshilfe können die amerikanischen Baumwollbetriebe ihren Rohstoff billiger auf dem Weltmarkt anbieten als die Afrikaner. Ein Schiedsgericht der Welthandelsorganisation in Genf hat die Baumwollsubventionen im April für unzulässig erklärt. Die Europäer betrachten einen Durchbruch in der Baumwollfrage aber auch als Mittel, die Ausrichtung der Welthandelsgespräche auf Hilfe für die armen Länder zu dokumentieren.

Dank des staatlich finanzierten Anbaus sind die Vereinigten Staaten der größte Baumwollexporteur der Erde: Rund 40 Prozent der Baumwollausfuhren weltweit stammen von dort, 20 Prozent der globalen Produktion. Die Weltbank hat berechnet, die geförderten amerikanischen Baumwollausfuhren raubten den vier afrikanischen Baumwolländern 150 Millionen Dollar eigener Exporterlöse jährlich, 10 Prozent ihres derzeitigen Gesamtexportvolumens. Deshalb fordern die Afrikaner, 80 Prozent der Subventionen bis Ende 2006 zu streichen, die restlichen 20 Prozent bis 2009.

„Baumwollfrage als Geisel“

"Die Amerikaner aber nehmen die Baumwollfrage hier in Hongkong sozusagen als Geisel - sie verknüpfen mit ihr das gesamte Paket der Agrarfragen", kritisierte die EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel. Die Agrarsubventionen aber sind Kernpunkt der Verhandlungen in Hongkong, äußerst vielschichtig und kaum zu lösen - womit auch das Baumwollproblem stockt. Dies war einer der Gründe, warum schon die Ministerrunde in Cancun 2003 scheiterte.

Die Europäer führen ins Feld, daß sie selber zwar nicht die Summe, wohl aber die Art der Unterstützung der Baumwollpflanzer in Griechenland und Spanien geändert hätten. "Ein normaler Mensch kann sich kaum vorstellen, daß in Europa noch Baumwolle angebaut wird", sagte Entwicklungshilfeministerin Wieczorek-Zeul. Für einen weltweiten Marktanteil von knapp 2 Prozent zahlt die EU allerdings rund 800 Millionen Euro jährlich. Floß das Geld bislang in eine Unterstützung des Preises, gehen nun allerdings 65 Prozent dieser Summe direkt an die Landwirte - die künstliche Reduzierung der Marktpreise europäischer Baumwolle ist damit verringert worden.

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