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Baumarktkette Praktiker droht weitere Hauptversammlung

 ·  Nach der turbulenten Hauptversammlung der Baumarktkette Praktiker Anfang Juli kehrt keine Ruhe ein. Die Wiener Fondsmanagerin de Krassny lehnt das Finanzierungskonzept ab. Sie spricht von „Knebelbedingungen“ - und fordert eine neue Hauptversammlung.

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Um in der Sprache der Heimwerker zu bleiben: Bei der angeschlagenen Baumarktkette Praktiker gibt es welche, die bohren, und welche, die mauern. Nur wer auf dieser Dauerbaustelle welche Rolle spielt, da scheiden sich die Geister. Die Kette mit 20 000 Mitarbeitern und 400 Geschäften muss dringend saniert werden, der Umsatz schrumpft, die Schulden drücken, aber seit einem Jahr liefern sich Eigentümer und Management einen Machtkampf. Noch dazu fehlt Praktiker ein ordentlich bestallter Vorstandschef: Der Vertrag des amtierenden Chefs Kay Hafner, für diese Position eigentlich nur interimistisch aus dem Aufsichtsrat gekommen, endet an diesem Montag - ein Nachfolger steht nicht fest.

Eine Schlüsselfigur in diesem Machtkampf ist die Österreicherin Isabella de Krassny. Sie steht für zwei Großaktionäre von Praktiker, die österreichische Privatbank Semper Constantia und den zyprischen Fonds Maseltov, die insgesamt 15 Prozent der Anteile an der Baumarktkette halten. Erbittert streitet de Krassny mit Praktiker-Vorstand Hafner und dem Aufsichtsrat um Kersten von Schenck über die rechte Strategie.

Wer ist die streitbare Dame? Geboren als Isabella Schärf, war die 53-Jährige lange Analystin bei einer Investmentgesellschaft von Österreichs Raiffeisen-Banken und Vizechefin der Anlegerschutzvereinigung. Lang bevor sie in Deutschland bekannt wurde, war sie schon eine berüchtigte Aufmischerin der Hauptversammlungen österreichischer Unternehmen. Ihr späterer Ehemann, der französische Industrielle Alain de Krassny, für dessen Bank Semper Constantia sie jetzt tätig ist, soll sie auf einer solchen Veranstaltung kennen und respektieren gelernt haben.

De Krassny nimmt kein Blatt vor den Mund, auch nicht am Wochenende. Obwohl es Samstag ist und der Apfelstrudel im Ofen steckt - de Krassny hat fünf Kinder - findet die Investorenvertreterin Zeit, sich über die vertrackte Lage bei Praktiker zu empören, die sie für typisch deutsch hält: „In Österreich setzt man sich in diesen Fällen gemeinsam an den Tisch und sucht nach einer gütlichen Lösung“, klagt de Krassny. „In Deutschland starren alle nur auf Paragraphen und hören nur auf Berater.“ Die Rechnungen der Anwälte und Consultants drohten Praktiker zu erdrücken, empört sie sich.

Ihre Kritiker werfen de Krassny vor, sie fahre bei der Baumarktkette einen Zickzackkurs mit ständig wechselnden Allianzen. Ihren Auftritt im grünen Seidenkleid auf der jüngsten Praktiker-Hauptversammlung schildern Teilnehmer als überemotional und konfus.

De Krassny weist all dies von sich: „Unsere Strategie ist klar, und wenn man sieht, was in diesem Unternehmen angerichtet wird, kann man nur emotional werden.“ Praktiker müsse endlich wieder ein vollständig und dauerhaft besetztes Management haben, fordert sie. „Ich verstehe das Zögern des Aufsichtsrats nicht.“ Ihr Wunschkandidat ist der frühere Obi-Manager, Andreas Sandmann. „Er hat Obi seinerzeit in nur einem Jahr saniert“, schwärmt die Österreicherin, „und das traue ich ihm auch bei Praktiker zu.“ Außerdem hat sie den schillernden Investor Clemens Vedder angelockt, der bereit ist, 30 Millionen Euro in Praktiker zu stecken. Doch wer genau in Vedders und de Krassnys Truppe steckt, was die Geldgeber wollen und versprechen, das sei zu unklar, fanden Vorstand und Aufsichtsrat von Praktiker. Sie schmetterten das Sanierungskonzept der Österreicherin ab. Der eigene Plan des Vorstands, gegen den mehrere Aktionäre geklagt haben, sieht einen teuren Kredit eines amerikanischen Finanzinvestors über 85 Millionen Euro zu einem Zinssatz von 16 bis 17 Prozent vor.

Auf der jüngsten Hauptversammlung stimmte de Krassny für den Plan, da der Vorstand mit dem Gang zum Insolvenzgericht drohte. Jetzt streitet sie vehementer denn je dagegen: „Der Kredit wird unter Knebelbedingungen gewährt.“ Bei geringsten Vertragsverstößen könnten die Geldgeber die gesamte Kreditsumme fällig stellen und Praktiker ruinieren. „Damit versperrt sich Praktiker ohne Not den Zugang zu anderen Investoren.“ Jetzt fordert sie wieder eine außerordentliche Hauptversammlung.

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Jahrgang 1978, Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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