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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Baukonzern Koch wird Chef von Bilfinger Berger

 ·  Nun also doch: Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch wird Chef des Baukonzerns Bilfinger Berger. Der Aufsichtsrat des Unternehmens berief Koch am Freitag zum Nachfolger von Herbert Bodner. Die Aktie des Unternehmens verlor nach Bekanntwerden der Personalie an Wert.

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Der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) wird neuer Vorstandsvorsitzender des Baukonzerns Bilfinger Berger. Das teilte das Mannheimer Unternehmen am Freitag nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit. Bilfinger Berger ist nach Hochtief der zweitgrößte deutsche Baukonzern. Die Aktie des Unternehmens verlor nach Bekanntwerden der Personalie zeitweilig bis zu 4,4 Prozent an Wert.

Hessens langjähriger Ministerpräsident zieht zunächst in den Vorstand des Baukonzerns ein und wird ab Juli kommenden Jahres dann das Führungsgremium leiten. Koch sei bereits zum 1. März 2011 als Vorstandsmitglied bestellt worden, teilte der Mannheimer Konzern mit. Koch wird den langjährigen Bilfinger-Chef Herbert Bodner beerben, dessen Vertrag dann ausläuft.

Roland Koch war Ende August nach mehr als elf Jahren aus seinem Amt als hessischer Ministerpräsident ausgeschieden. Er hatte im Mai überraschend einen Wechsel in die Wirtschaft angekündigt. Seit seiner Rücktrittsankündigung war er mit einer Reihe von Spitzenjobs in der Wirtschaft in Verbindung gebracht worden. Auch über den Wechsel an die Konzernspitze von Bilfinger Berger wurde bereits seit Wochen spekuliert.

Koch: „Eines der spannendsten Unternehmen, das ich kenne“

Er freue sich sehr auf seine künftige Aufgabe, erklärte Koch. Bilfinger Berger sei eine „erste Adresse der deutschen Wirtschaft und zugleich eines der spannendsten Unternehmen, das ich kenne.“ Der Aufsichtsratsvorsitzende Bernhard Walter erklärte, die „immer wieder bewiesene Führungskraft“ Kochs sei die beste Voraussetzung dafür, die Entwicklung des Konzerns fortzusetzen.

Roland Koch tritt mit der Übernahme des Chefsessels beim Bauunternehmen Bilfinger Berger ein schwieriges Erbe an: Er muss sich um die Aufklärung des Einsturzes der Kölner U-Bahn kümmern, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen. Kochs Vorgänger Herbert Bodner war vorgeworfen worden, er sei dabei anfangs zu zögerlich gewesen.

Koch nimmt mit dem Schritt auch allen Spekulationen über eine schnelle Rückkehr auf einen anderen politischen Posten den Wind aus den Segeln.

Mit Kritik muss der selbst als Polarisierer bekannte ehemalige Politiker aber auch nach dem Wechsel leben. Die Oppositionsparteien im hessischen Landtag stoßen sich daran, dass Koch so schnell nach Ende seiner Amtszeit ausgerechnet zu einem Unternehmen wechselt, dass unter seiner Ägide millionenschwere Aufträge vom Land Hessen bekommen hat. So ist Bilfinger Berger am Bau der Nordwestlandebahn des Frankfurter Flughafens beteiligt, für die sich das Land in Kochs Regierungszeit immer stark gemacht hat. Die hessischen Grünen wittern deshalb ein „Geschmäckle“. Die Vorsitzende von Transparency International, Edda Müller, sagte der „Berliner Zeitung“, es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass dies „eine Belohnung“ für früheres Wohlverhalten sein könne. Spitzenpolitiker sollten mindestens drei Jahre lang nicht in Positionen der Wirtschaft arbeiten, die vorher in ihrem Verantwortungsbereich gelegen hätten. „Bilfinger Berger kauft sich nicht die Wirtschaftskompetenz von Herrn Koch ein, sondern die politischen Kontakte und die Durchsetzungsfähigkeit“, sagte der Wirtschaftsprofessor Max Otte.

Koch verteidigt Wechsel

Roland Koch hat seinen Wechsel derweil gegen kritische Stimmen verteidigt. „Ich glaube, dass wir in Deutschland eher eine bedauernswert geringe
Tendenz zum Wechsel zwischen Wirtschaft und Politik haben. Ich glaube, dass darunter beide Seiten leiden“, sagte er am Freitag in einer Telefonkonferenz. Der Erfahrungsaustausch sei durch nichts zu ersetzen. Koch versicherte, er habe während seiner Zeit als Ministerpräsident „in keinem einzigen Fall etwas mit
Entscheidungen für oder gegen die Firma Bilfinger Berger zu tun“ gehabt. In seinem Fall seien die Voraussetzungen so, dass man einen Wechsel „sehr gut
verantworten“ könne.

Er sei zwar von 1999 bis 2003 Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafenbetreibers Fraport gewesen. Aufsichtsräte vergäben aber keine Aufträge an Unternehmen: „Ich kann mich nicht erinnern, je mit einem solchen Fall zu tun gehabt zu haben.“

Koch folgt mit dem Wechsel dem Beispiel anderer prominenter Politiker, die vor ihm in die Wirtschaft gewechselt waren, wie etwa Altkanzler Gerhard Schröder (SPD). Der hatte unmittelbar nach seiner Wahlniederlage 2005 den Aufsichtsratsvorsitz bei der von Gazprom dominierten Ostsee- Pipeline übernommen und musste dafür heftige Kritik einstecken. Auch der ehemalige Außenminister Joschka Fischer (Grüne) startete eine zweite Karriere in der Wirtschaft, die wesentlich höhere Gehälter offeriert (siehe auch Bild für Bild: Politiker in der Wirtschaft).

Der Baukonzern Bilfinger Berger

Bilfinger Berger ging 1975 aus der Fusion von drei Baugesellschaften hervor. Deren historische Wurzeln reichen teils bis ins Jahr 1880 zurück. Das in Mannheim ansässige börsennotierte Unternehmen ist das zweitgrößte deutsche Bauunternehmen nach der Hochtief. Bilfinger Berger hat das schwankungsanfällige
Geschäftsfeld aber bereits reduziert und sich verstärkt auf Dienstleistungen konzentriert.

Weltweit arbeiten rund 61.000 Menschen in rund 50 Ländern für Bilfinger Berger, davon 24.000 in Deutschland. Im vergangenen Geschäftsjahr setzte der Konzern rund 10,4 Milliarden Euro um. Etwa die Hälfte davon wurde mit Dienstleistungen in den Bereichen Immobilien, Infrastruktur und Industrieservice erwirtschaftet. Dort reicht das Leistungsspektrum von der Beratung über die Entwicklung und Planung, aber auch Finanzierung oder Wartung eines Projekts. Der Gewinn des Konzerns ging deutlich von 200 Millionen Euro auf 140 Millionen Euro zurück.

Auch bei einigen hessischen Großbauten spielt Bilfinger Berger eine maßgebliche Rolle: So betreibt der Konzern die Commerzbank-Arena in Frankfurt und baut an der neuen Landebahn des Flughafens mit. In Kritik geraten ist das Unternehmen wegen möglichen Pfuschs beim Bau der Kölner U-Bahn, durch den das Stadtarchiv einstürzte.

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Von Johannes Pennekamp

Die SPD und noch mehr die Grünen haben höhere Steuern für Top-Verdiener angekündigt - und finden sich dabei besonders ehrlich. Was sie gerne verschweigen: Zu den Top-Verdienern im Land zählen nicht nur Millionäre mit Sportwagen, sondern auch schon leitende Angestellte, Handwerksmeister und Beamte. Mehr 1 7


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