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Bau Der Bau bleibt eine Krisenbranche

 ·  Am Bau ist immer noch kein Ende der Krise in Sicht. Wegen der schlechten Auftragslage fürchtet der Branchenverband für 2005 den Verlust von mehr als 30.000 Stellen. Geld wird im Ausland verdient.

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Am Bau ist immer noch kein Ende der Dauerkrise in Sicht. Wegen der schlechten Auftragslage fürchtet der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) auch in diesem Jahr wieder den Verlust von mehr als 30.000 Stellen.

Die Umsätze der gesamten Branche werden nach einer am Dienstag in Berlin veröffentlichten Prognose um 3,5 Prozent zurückgehen. Für die Bauwirtschaft, die seit einem Boom in Folge der Wiedervereinigung in Schwierigkeiten steckt, wäre dies das elfte Krisenjahr in Folge.

Beschäftigtenzahl seit 1995 halbiert

Seit Beginn der Krise hat sich die Beschäftigtenzahl nahezu halbiert. Im Jahr 1995 waren in der Branche noch mehr als 1,4 Millionen beschäftigt; im Jahresdurchschnitt 2004 waren es nach vorläufigen Berechnungen nur noch 767.000 Beschäftigte. Innerhalb eines einzigen Jahres fielen damit 47.000 Arbeitsplätze weg. Der Umsatz ging nach diesen Berechnungen im vergangenen Jahr um 5,5 Prozent auf nur noch 78,6 Milliarden Euro zurück. Die Talsohle wird nach Einschätzung des Verbandes frühestens 2006 erreicht.

Daß der Verband vom “zehnten Krisenjahr in Folge“ spreche, liege jedoch nur an dem hohen Vergleichsniveau, daß nach dem Mauerfall aufgebaut wurde. Insgesamt kehre die deutsche Bauwirtschaft nur auf ihr Normalniveau zurück. Dies werde sich auch in den kommenden Jahren nicht ändern: Die Analystin rechnet auch in Zukunft mit Änderungsraten in der Bauleistung, die zwischen plus und minus 2 Prozent im Jahr pendeln.

Verdient wird vorwiegend im Ausland

Den börsennotierten Einzelwerten gehe es jedoch besser als der Branche als ganzes, sagt die Analystin: So verdienten Hochtief und Bilfinger ihr Geld nur noch im Ausland, hätten die Kapazitäten in Deutschland nach unten angepaßt und nähmen hierzulande nur noch Aufträge an, die profitabel seien. Beide seien in der Lage, auch auf diesem Niveau Geld zu verdienen. Interessanter und daher beliebter bei Investoren seien jedoch die ausländischen Bauwerte wie Lafarge und Holcim. Sie hingen unmittelbarer an der weltweiten Baukonjunktur als die deutschen Werte. Auch die Zementhersteller profitierten stärker vom Aufschwung in Osteuropa und Asien.

Bei der traditionellen HDB-Pressekonferenz zum Jahresauftakt wurde die Baukrise auch in der Besetzung offensichtlich. Verbandspräsident Ignaz Walter mußte seine Teilnahme wegen „wichtiger Bankengespräche“ kurzfristig absagen. Die Augsburger Firma Walter Bau - drittgrößter deutscher Baukonzern - kämpft derzeit ums Überleben. Verbandsvize Helmut Echterhoff, der Walter vertrat, hielt sich mit Kommentaren zur Lage des Unternehmens zurück. Auf die Frage nach einer möglichen Insolvenz sagte er: „Ich glaube nicht, daß das sehr starke Auswirkungen auf die Branche insgesamt hat.“

Abbau von mindestens 25.000 Stellen

Insgesamt wird im laufenden Jahr mit Umsätzen von 75,8 Milliarden Euro gerechnet. Mit großer Sorge erfüllt die Branche, daß die Auftragsbüchern zuletzt so leer waren wie noch nie. Im dritten Quartal 2004 - neuere Zahlen gibt es nicht - war darin ein „historischer Tiefstand“ von Aufträgen für 19 Milliarden Euro vorgemerkt. Die Auftragsbestände sind wichtig, weil sich daraus die Entwicklung der nächsten Monate ablesen läßt.

Der Hauptverband ist mit seiner Prognose pessimistischer als andere Verbände. Die Bundesvereinigung Bauwirtschaft beispielsweise rechnet im kommenden Jahr nur noch mit einem Rückgang der Bauinvestitionen um ein Prozent. Allerdings erwartet auch sie den Abbau von mindestens 25.000 Stellen.

Als wichtigste Gründe für die schlechte Entwicklung nannte Echterhoff die Kürzung der Eigenheimzulage, die Überkapazitäten auf dem Markt für Büroimmobilien sowie die Finanzschwäche bei Bund, Ländern und Gemeinden. Weiter führte der Verband eine schlechte Zahlungsmoral der Deutschen Bahn sowie die Verzögerungen von Straßenbau-Projekten durch die verspätete Einführung der Lkw-Maut an.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, Dow Jones - VWD
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