http://www.faz.net/-gqe-6m7ja

Bargeldloses Bezahlen : Die EC-Karte verdrängt die Kreditkarte

Kein Geld in der Tasche: Das Bezahlen ohne Bargeld wird immer alltäglicher Bild: dpa

Ob im Café, am Bahnhof oder an der Tankstelle: Oft wird in Deutschland nur die EC-Karte akzeptiert, die Kreditkarte hat dagegen das Nachsehen. Der Grund für die mangelnde Akzeptanz der Kreditkarte sind die Kosten.

          Es gibt keine offiziellen Statistiken, wie sich der Absatz von Geldclips entwickelt hat, aber er dürfte stark abgenommen haben. Auch die Zahl der Zeitgenossen, die in ihrer Hosentasche Bündel aufgerollter Geldscheine – von Haushaltsgummis zusammengehalten – herumtragen, die dürfte schrumpfen. Die gibt es nur noch im Film. Für die meisten von uns gilt: Geld hat man zwar, aber immer seltener dabei. Das liegt einerseits daran, dass es zwar Geldautomaten an jeder Ecke gibt, meist aber nicht an derjenigen, an der man selbst gerade steht. Andererseits kann man sowieso überall mit Karte zahlen, wozu also noch nach Bargeldversorgungsstationen Ausschau halten? Erst recht, wenn man oft in fremden Städten oder in anderen Ländern unterwegs ist, in denen man sich nicht auskennt.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Bezahlen ohne Bargeld wird zwar in immer mehr Ländern rund um die Welt immer alltäglicher, so listen Statistiken auf. In Amerika ist es schon seit Jahren selbstverständlich, auch bei kleinen Beträgen. Selbst hierzulande werden inzwischen 40 Prozent aller Einkäufe mit Karte bezahlt. Vor fünf Jahren waren es erst 33 Prozent, Anfang der 90er Jahre sogar nur 6 Prozent. Während das Plastikgeld bisher eher bei teuren Kleidungs- und Möbelkäufen zum Einsatz kam, zücken Kunden ihre Karten jetzt auch immer öfter an der Supermarktkasse oder in Drogerien. Im Schnitt werden 60 Euro abgebucht. „Die Leute bezahlen aber sogar eine Packung Kaugummi mit Karte, ohne mit der Wimper zu zucken“, staunen Kassiererinnen. Doch wer sich darauf verlässt, dass er immer und überall bestimmte Karten einsetzen kann, der kann im Ernstfall ganz schön verlassen dastehen.

          So ist die Kreditkarte das Zahlungsmittel, das weltweit in vielen Millionen Geschäften und von Millionen Geldautomaten akzeptiert wird. Allein die zwei größten internationalen Kartenanbieter Visa und Mastercard kommen auf 52 Millionen Verkaufsstellen und 2,6 Millionen Geldautomaten. Vorsicht aber: In Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Großbritannien und zunehmend auch Deutschland braucht man beim Kreditkarteneinsatz die Pin-Nummer. Wer die nicht mehr weiß, sollte sich rechtzeitig eine neue schicken lassen.

          Die Händler tragen die Kosten

          In Deutschland dagegen funktionieren Kreditkarten längst nicht überall. „Nur fünf Prozent der Handelsumsätze in Deutschland laufen daher insgesamt über Kreditkarten“, hat das EHI Retail Institute ermittelt. Viele Kaufhäuser, die nicht zu großen Ladenketten gehören, lehnen Kreditkarten rundweg ab. Ebenso der Möbelgigant Ikea. Auch die Ticketautomaten der Bahn nehmen sie nicht für alle Tickets an. Die meisten Kellner in Restaurants und Kneipen winken ebenfalls ab. Also lieber mal die Kreditkartenaufkleber an den Türen checken oder eine andere Bezahlkarte in Reserve bereithalten.

          Der Grund für die mangelnde Akzeptanz der Kreditkarte hierzulande sind die Kosten. Den Kunden kostet es nichts, seine Karte in der Eurozone einzusetzen. Nur für den Auslandseinsatz außerhalb der EU zahlt er meist zwei Prozent des Umsatzes. Aber die Händler müssen für jeden Kreditkartenkauf etwa 3 bis 5 Prozent der Verkaufssumme an die Kartenunternehmen abdrücken. In Einzelfällen auch mehr. Dazu kommt eine Pauschale von 10 bis 25 Cent pro Transaktion und die Gerätekosten. Die Kartenfirmen garantieren den Händlern dafür, dass sie den abgebuchten Betrag auch wirklich bekommen. Hat der Kunde zu wenig Geld auf dem Konto oder hat ein Betrüger die Karte genutzt, dann bleibt die Kreditkartenfirma auf dem Schaden sitzen – nicht das Geschäft. Bei anderen Bankkarten ist es umgekehrt.

          Bargeld ist gut für die Gesundheit

          Mittlerweile ist die Kreditkarte aber auch international nicht mehr das gängigste Zahlungsmittel. Die Debitkarte – also Bezahlkarten, die keinen Kredit gewähren, sondern das Geld sofort vom Konto abbuchen – hat ihr inzwischen den Rang abgelaufen. So wie die deutsche EC-Karte, die sich inzwischen Girocard nennt. Mit der EC-Karte kommt man hierzulande deutlich besser durch. Weil ihre Abrechnungskosten deutlich geringer sind und nur rund ein Zehntel der Kreditkarten-Kosten betragen, bieten Millionen Geschäfte, Cafés, Restaurants und Tankstellen die Zahlung per EC-Karte an. Oder auch per Lastschrift.

          Dafür geht die deutsche Karte im Ausland gelegentlich nicht. Dabei gibt es internationale Kooperationen mit Marken wie Maestro (von Mastercard) und V Pay (von Visa), die eigentlich genau dafür sorgen sollten. Schuld sind die Banken: Wegen etlicher Betrugsfälle haben viele die Bezahlkarten für den Einsatz in bestimmten Ländern gesperrt. So funktionieren neue Postbankkarten nicht in Russland, den Vereinigten Staaten, Thailand oder Brasilien. Und die der Deutschen Bank streiken außerhalb der Eurozone flächendeckend. Wer ins Ausland will, muss erst die Service-Hotline der Bank anrufen und die Sperre aufheben lassen. Er sollte aber auch bedenken, dass er mit EC-Karte für jeden Auslandseinsatz 1,50 Euro bezahlt. Bei Einkäufen unter 75 Euro ist das Bezahlen mit Kreditkarte da billiger.

          Ab und zu sollte man aber auch noch Bargeld zücken. Das ist gut fürs Konto und für die Gesundheit, sagen Studien der Universität New York: Nicht-Kartenzahler kaufen nämlich weniger verschwenderisch ein. Vor allem im Supermarkt, da greifen Barzahler deutlich seltener zu Chips und Eis und öfter zu Obst und Gemüse.

          Weitere Themen

          „Özil ist austauschbar geworden“ Video-Seite öffnen

          Horeni aus Russland : „Özil ist austauschbar geworden“

          F.A.Z.-Sportredakteur Michael Horeni kommentiert, was der verdiente Sieg der Deutschen über Schweden in letzter Minute bedeutet. Dabei bewertet er auch Löws Verzicht auf Özil – und die Folgen für die WM.

          Topmeldungen

          Fußball-WM im Liveticker : Ronaldo verschießt Elfmeter

          Cristiano Ronaldo leistet sich einen Fehlschuss, der teuer werden könnte. Nach Stand der Dinge wäre Portugal aber noch Gruppensieger und im Achtelfinale Gegner Russlands. Spanien träfe auf die unangenehmen Uruguayer. Verfolgen Sie die Spiele im Liveticker.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.