Home
http://www.faz.net/-gqe-75i71
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Bankhaus Wegelin Wie ein Steuerskandal eine Schweizer Privatbank zerstört hat

Eine Schweizer Privatbank hat gestanden, ihren Kunden in Steuerfragen bei Rechtsverstößen geholfen zu haben. Nun ist der Großteil der Bank verkauft, der Rest wird abgewickelt. Die anderen Schweizer Banken sind gewarnt.

© dpa Vergrößern Die Zentrale der Bank Wegelin in St. Gallen.

Es war ein Ende mit langer Vorankündigung. Dass die einst so renommierte Bank Wegelin - das älteste private Geldhaus der Schweiz - sich unter dem Druck amerikanischer Steuerfahnder selbst auflösen würde, hatte sie schon vor einem Jahr angekündigt.

Damals fegte die Nachricht wie eine Schockwelle durch die Finanzzentren in Zürich und Genf: Nachdem in den Vereinigten Staaten drei ihrer Manager wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt wurden und auch der gesamten Bank ein ruinöses Strafverfahren drohte, entschlossen sich Wegelin-Chef Konrad Hummler und seine Mitgesellschafter in einem Verzweiflungsakt zum Notverkauf.

Das Europageschäft wird unter dem Namen „Notenstein“ von der Raiffeisen-Gruppe weitergeführt

Für geschätzt 300 Millionen Franken (250 Millionen Euro) wurde der größte Teil des Geldhauses von der Raiffeisen-Gruppe übernommen. Die führt Wegelins lukratives Geschäft mit wohlhabenden Privatkunden seitdem unter in einem noblen Institut mit dem Namen Notenstein-Bank weiter.

Mit einer wichtigen Ausnahme: Das „vergiftete“ Geschäft mit Kunden aus den Vereinigten Staaten, die Steuern verstecken wollten, wurde ausgegliedert und noch unter dem Namen Wegelin weitergeführt.

Geschäftszweck dieser Wegelin-„Bad Bank“ war vor allem die eigene Abwicklung bei gleichzeitiger Erleichterung der weiteren Ermittlungen der amerikanischen Staatsanwaltschaft gegen potenzielle Steuerbetrüger. Dabei ist mit dem in Banken- und Justizkreisen längst erwarteten offiziellen Wegelin-Schuldeingeständnis nun der wichtigste Meilenstein in Richtung Abwicklung erreicht worden.

Wegelin-Teilhaber Bruderer: „Dieses Verhalten war in der Schweizer Bankenindustrie üblich“

Für die Wegelin-Teilhaber Otto Bruderer und Konrad Hummler war der Flug nach New York zur Teilnahme an der Verhandlung des Bezirksgerichts von Manhattan vermutlich die traurigste Geschäftsreise ihrer Laufbahn. Bruderer gab namens der Bank das Schuldeingeständnis, zwischen 2002 bis 2010 Amerikanern geholfen zu haben, Steuern vor dem heimischen Fiskus zu verstecken. Und zwar in Kenntnis der Tatsache, dass die Gelder dieser Kunden nicht wie vorgeschrieben bei deren amerikanischen Finanzämtern deklariert waren. Bruderer erklärte vor dem Gericht in Manhattan, die Kundenberater hätten im Auftrag und mit Wissen der Bank gehandelt. Mehr noch: Wegelin sei sich der Verstöße nach amerikanischem Recht bewusst gewesen.

Besonders brisant ist die weitere Behauptung von Bruderer, dass „dieses Verhalten in der Schweizer Bankenindustrie üblich (common) war“. Dies spielt auf die Tatsache an, dass die Banken in der Schweiz sich bisher nicht um die Steuerkonformität der angelegten Vermögen kümmern mussten, viele hieraus unter dem Schutz des Bankkundengeheimnisses aber ein Geschäftsmodell für Ausländer machten. Reine Steuerhinterziehung ist - im
Gegensatz zum Steuerbetrug - in der Alpenrepublik kein Straftatbestand. Erschwerend wertete die Staatsanwaltschaft in New York, dass sich Wegelin aktiv um amerikanische UBS-Kunden bemüht habe, als gegen die Großbank von 2008 an ermittelt wurde. 2009 zahlte die UBS dann insgesamt 780 Millionen Dollar und lieferte mit Billigung der Regierung mehr als 4500 Kundendaten nach Amerika.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Verbraucherschutz Niedrigere Dispozinsen per Gesetz

Heiko Maas will Banken zu mehr Transparenz und Wettbewerb im Bereich der Dispozinsen zwingen. Mahnungen der Regierung hätten nichts geholfen. Mehr

27.09.2014, 23:18 Uhr | Finanzen
Verschleierte Verluste und versickerte Kredite

Die Bank Espírito Santo ist Portugals größte Privatbank und ein traditionsreiches Familienunternehmen. Jetzt hat die Muttergesellschaft die Insolvenz beantragt. Was genau dahinter steckt, ist selbst für Finanzexperten schwer zu durchschauen. Mehr

30.07.2014, 11:43 Uhr | Wirtschaft
Zahlungssystem Swift Ein Banken-Ausschluss macht Russland Angst

Russlands internationaler Zahlungsverkehr käme zum Erliegen, wenn seine Banken aus dem Swift-System verbannt würden. Die Wirtschaft träfe das hart. Mehr Von Markus Frühauf

23.09.2014, 17:46 Uhr | Wirtschaft
Wut auf die Regierung

In Brasilien haben Demonstranten erneut die Verteilungspolitik der Regierung angeprangert. Es wurden Polizeiautos zerstört und Banken angegriffen. Mehr

13.06.2014, 09:46 Uhr | Sport
Horrende Gebühren Nachträglich geänderte Hauskredite können teuer werden

Wer einen Immobilienkredit abschließt, sollte lieber zweimal hingucken. Denn viele Banken und Bausparkassen berechnen schon bei kleinen Änderungen des Vertrages deftige Zusatzgebühren. Mehr Von Anne-Christin Sievers

23.09.2014, 14:52 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.01.2013, 11:17 Uhr

Die EZB steht dumm da

Von Philip Plickert

Die EZB kauft angeschlagenen Ländern wie Italien und Frankreich Zeit. Doch die Regierungen liefern nicht und die Konjunktur lahmt. So wächst der Druck auf die Notenbank, noch mehr zu tun. Mehr 27 45


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Die Maklerschwemme

Immobilienmakler haben’s auch nicht leicht. Es gibt immer mehr davon - ihre Anzahl hat sich verdoppelt. Ihre Blüte hat erstaunliche Parallelen zum Aufstieg der Immobilienportale im Internet. Mehr 2