Die Tarifparteien im privaten und öffentlichen Bankgewerbe sind am Freitagmorgen nach vierzehnstündigen Gesprächen ohne Ergebnis auseinandergegangen. Die Arbeitgeber kritisierten die Gehaltsforderungen der Gewerkschaft Verdi als überhöht. Diese bezeichnete das Angebot der Banken als „völlig unzureichend“ und kündigte an, die Streiks in der Branche auszuweiten.
Erstes Angebot der Arbeitgeber
Es war der dritte Termin der diesjährigen Tarifrunde. Wann diese fortgesetzt wird, blieb zunächst offen. Das erste Angebot sah laut Verdi eine Gehaltserhöhung in drei Stufen über eine Laufzeit von 30 Monaten vor, was auf Jahressicht einen Anstieg um 1,3 Prozent bedeute. Das liege deutlich unter der Inflationsgrenze und entspreche einem Reallohnverlust für die Beschäftigten.
Den Angaben von Verdi zufolge sah das Angebot konkret eine Gehaltserhöhung um 2 Prozent ab Juli 2012 sowie ein jeweiliges Plus von 1,1 Prozent ab Juni 2013 und Januar 2014 vor. Damit liege es „weit unterhalb der Abschlüsse in anderen Branchen und würde die Bankbeschäftigten noch weiter abkoppeln“, kritisierte das Verdi-Bundesvorstandsmitglied Beate Mensch. Auch weiteren Forderungen, die Verdi in die Tarifverhandlungen eingebracht habe, seien die Arbeitgeber bislang nicht zufriedenstellend entgegen gekommen.
„Völlig inakzeptabel“
„Die Dimension des Gehaltsangebotes und die Verbindung dieses unzureichenden Angebotes mit dem Gesamtpaket ist völlig inakzeptabel und entspricht nicht den Vorstellungen der Beschäftigten“, sagte Mensch. Die Tarifkommission habe beschlossen, dieses Angebot abzulehnen, da sie es als unzumutbar empfinde. Verdi wird die Bankbeschäftigten jetzt dazu aufrufen, ihre Streiks auszuweiten. Maßnahmen dazu würden in den nächsten Tagen getroffen.
Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Ulrich Sieber, erklärten zum Angebot der Banken, es werde „sowohl den Möglichkeiten der Unternehmen als auch den Interessen der Beschäftigten gerecht“. Auch in anderen Fragen, wie bei den zuletzt strittigen Themen betrieblicher Gesundheitsschutz und Anlegerschutzgesetz, seien konstruktive Lösungsvorschläge unterbreitet worden.
Zahlreiche Forderungen
Verdi fordert in den Verhandlungen für die rund 230.000 Mitarbeiter der privaten und öffentlichen Banken 6 Prozent mehr Gehalt. Die Gewerkschaft hält dies auch deshalb für gerechtfertigt, weil große Banken zumindest im klassischen Bankgeschäft wieder gute Ergebnisse erzielen, die sich bislang jedoch nicht auf die Gehälter der Beschäftigten spiegelten.
Darüber hinaus fordert Verdi, dass Auszubildende unbefristet übernommen werden. Außerdem besteht die Gewerkschaft auf einem besseren Gesundheitsschutz sowie tarifvertraglichen Regeln zum Schutz vor übermäßigem Leistungsdruck. Auch geht es ihr um eine Verlängerung der Vorruhestandsregelung und eine Erhöhung der Auszubildendenquote. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll nach Vorstellung der Gewerkschaft zwölf Monate betragen.