Home
http://www.faz.net/-gqe-cr2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Bankgeheimnis Kirch will Schadenersatz von Breuer

Die Deutsche Bank hat schon eine Niederlage gegen ihn eingesteckt, jetzt will Leo Kirch angeblich auch den früheren Vorstandschef Breuer für Aussagen zur Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe persönlich haftbar machen.

© dpa/dpaweb Leo Kirch und Rolf Breuer

Nach seinem Etappensieg im Rechtsstreit mit der Deutschen Bank will der gescheiterte Medienunternehmer Leo Kirch mit einem Revisionsantrag jetzt auch Anspruch auf Schadenersatz vom früheren Bank-Chef Rolf Breuer einklagen.

Der Antrag sei beim Bundesgerichtshof eingereicht worden, erfuhr die dpa am Donnerstag aus Kirch-Kreisen. Eine Schuld Breuers sei eindeutig erwiesen. Nach der geltenden Rechtslage müsse bei einem Verstoß gegen die Verschwiegenheitspflicht nicht nur die Deutsche Bank als Organ haften, sondern auch Breuer persönlich. Die Deutsche Bank lehnte einen Kommentar ab.

Mehr zum Thema

Streit um Aussagen Breuers

Der Streit dreht sich um Aussagen Breuers über die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe, die nach Einschätzung der Kirch- Seite den Zusammenbruch des Medienimperiums eingeleitet hatten. Das Oberlandesgericht (OLG) München sprach Kirch Mitte Dezember in zweiter Instanz grundsätzlich Anspruch auf Schadenersatz von der Deutschen Bank zu. Ein Anspruch gegen Breuer selbst wurde abgewiesen. Seine Verschwiegenheitspflicht habe sich nur aus seinem Dienstvertrag mit der Deutschen Bank ergeben, hieß es in dem Urteil.

Das OLG ließ einen Revisionsantrag der Deutschen Bank zum Urteil gegen sie nicht zu. Gegen diese Entscheidung könnte das Kreditinstitut noch Beschwerde einlegen. Gegen die Abweisung der Klage gegen Breuer war dagegen nach Angaben der Kirch-Seite ein Revisionsantrag möglich.

Komplizierter Rechtsstreit

Beide Seiten stellen sich in jedem Fall auf einen langen und komplizierten Rechtsstreit ein. Denn in weiteren Verfahren muß geklärt werden, ob Kirch durch die Äußerungen Breuers tatsächlich ein nachweisbarer Schaden entstanden ist und auf welche Höhe sich dieser dann beläuft. Leo Kirch will rund sechs Milliarden Euro einfordern. Breuer hatte Anfang 2002 in einem Fernseh-Interview in den USA gesagt: „Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, daß der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen.“

Unterdessen will dem „Stern“ zufolge Kirch-Insolvenzverwalter Michael Jaffé Auskunft von mehreren früheren Unions-Ministern der Regierung Helmut Kohl (CDU) über ihre Beratertätigkeit für den Medienunternehmer Leo Kirch. Mehrere Politiker hätten einen dreiseitigen Fragenkatalog von dem Verwalter erhalten, schreibt das Magazin in seiner neuen Ausgabe. Darunter seien die Ex-Postminister Christian Schwarz-Schilling (CDU) und Wolfgang Bötsch (CSU) sowie der einstige Verteidigungsminister Rupert Scholz (CDU).

Jaffé verlange Aufklärung über die Kirch-Beraterhonorare, die die Politiker nach ihrem Ausscheiden aus der schwarz-gelben Regierungskoalition erhielten. Wie der „Stern“ weiter berichtet, soll Kohl und dem früheren Finanzminister Theo Waigel (CSU) das Schreiben in den nächsten Tagen zugestellt werden. Sie sollen jeweils rund 600.000 Mark im Jahr erhalten haben.

Quelle: dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
AfD im Flügelstreit Es droht das Schicksal der Republikaner

Bernd Lucke stemmt sich gegen rechtspopulistische Strömungen innerhalb der AfD. Doch wird sich der Ökonom und Euro-Gegner im Machtkampf durchsetzen? Es gibt erstaunliche Parallelen zum Aufstieg und Niedergang einer früheren Protestpartei. Mehr Von Norbert Wessendorf

01.07.2015, 08:06 Uhr | Politik
Kein Bezug zur Realität Trump sorgt mit rüden Aussagen für Wirbel

Donald Trump, Immobilienmogul und Präsidentschaftsbewerber der Republikaner, sorgt nicht nur mit Scherzen für Schlagzeilen, sondern auch mit rüden Äußerungen gegen Mexiko. Mehr

19.06.2015, 10:54 Uhr | Politik
Prozess um Schadenersatz Claudia Pechstein geht das Geld aus

Seit sechs Jahren kämpft Claudia Pechstein um ihre Unschuld. Dabei ist die Eisschnellläuferin weit gekommen. Doch im Prozess um Schadenersatz sind ihre finanziellen Mittel nun erschöpft – vor der letzten Instanz. Mehr Von Michael Reinsch, Berlin

01.07.2015, 10:36 Uhr | Sport
Pakistan Fabrikbrand-Opfer fordern Schadenersatz von Kik

Vier Betroffene eines Fabrikbrands in Pakistan im Jahr 2012 wollen den deutschen Textildiscounter Kik vor dem Landgericht Dortmund auf Schadenersatz verklagen. Hintergrund des Streits ist ein verheerendes Feuer in einer Textilfabrik in Karachi, in der unter anderem auch Jeans für Kik produziert wurden. Mehr

13.03.2015, 18:17 Uhr | Wirtschaft
Was Sie heute erwartet Ewig streiten wir mit Griechenland

Greichenland hat eine sehr alte Kultur. Und ein weniger altes Schuldenproblem. Aber das scheint ja noch werden zu können. Mehr

23.06.2015, 07:18 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 01.01.2004, 19:02 Uhr

Griechenlands Entscheidung

Von Carsten Knop

Was ihre Entscheidung konkret bedeutet, wissen weder die Griechen noch der Rest Europas. Sicher ist: Das Einigungsprojekt wird an der griechischen Frage nicht scheitern. Mehr 18


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden