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Veröffentlicht: 16.03.2015, 17:23 Uhr

Düsseldorfer Hypothekenbank Bankenverband übernimmt Bank in Not

Die Finanzkrise ist zurück in Deutschland. Die Düsseldorfer Hypothekenbank soll nicht insolvent gehen. Sie gilt zwar als „nicht systemrelevant“, gilt aber als wichtig für den deutschen Pfandbriefmarkt.

von Hanno Mussler
© dpa Die deutschen Privatbanken übernehmen die Düsseldorfer Hypothekenbank mit ihrem Einlagensicherungsfonds

Der Bundesverband deutscher Banken wird in den nächsten Tagen die in Liquiditätsnot geratene Düsseldorfer Hypothekenbank für voraussichtlich 1 Euro vom nicht stützungsbereiten Eigner, dem texanischen Finanzinvestor Lone Star, übernehmen. Das Ziel des privaten Bankenverbandes ist, die Insolvenz der Düssel-Hyp mit einer Bilanzsumme von derzeit 11 Milliarden Euro abzuwenden und die Bank auf eigenes Risiko fortzuführen. Dies erscheint dem Bankenverband günstiger, als ein Übergreifen der Krise auf den gesamten Pfandbriefmarkt zu riskieren. Außerdem müssten institutionelle Sparer der Düssel-Hyp in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrages vom Einlagensicherungsfonds der privaten Banken entschädigt werden. Dies will man vermeiden – auch um den Ruf des Finanzplatzes Deutschland nicht zu schädigen.

Die Düsseldorfer Hypothekenbank ist eine kleine Bank mit 70 Mitarbeitern und 700 Millionen Euro an neu vergebenen gewerblichen Immobilienkrediten im Jahr. Die Düssel-Hyp gilt als nicht bedeutend für das gesamte Finanzsystem („nicht systemrelevant“), aber als wichtig für den insgesamt 500 Milliarden Euro großen deutschen Pfandbriefmarkt. Dort legen vor allem Pensionskassen und Versicherer das Geld der künftigen Rentner in Pfandbriefen an, die von gewerblichen Immobilienfinanzierern wie der Düssel-Hyp verkauft werden. Nach ihrer jüngsten Bilanz von Ende 2013 muss die Düssel-Hyp noch 500 Millionen Euro an Hypothekenpfandbriefen, also hauptsächlich mit grundpfandrechtlich gesicherten Immobiliendarlehen gedeckte Wertpapiere, und 3,5 Milliarden Euro an öffentlichen Pfandbriefen, also mit Forderungen gegen die öffentliche Hand besicherte Wertpapiere, zurückzahlen.

Für den Fall der Insolvenz von Pfandbriefschuldnern wie der Düssel-Hyp würden zwar diese Deckungswerte dazu dienen, die Ansprüche der Pfandbriefgläubiger weiterhin zu erfüllen. Aber zuletzt ist eine Pfandbriefbank vor mehr als 100 Jahren insolvent gegangen. Dabei soll es offenbar bleiben. In der Finanzkrise wurden gewerbliche Immobilienfinanzierer mit hohen Kosten für den Steuerzahler verstaatlicht, darunter allen voran die Hypo Real Estate mit mehr als 100 Milliarden Euro Staatsgeld. Offensichtlich wollte man nicht testen, ob die Deckungsstöcke ausreichen.

Zunächst sind die Eigentümer gefordert

Bevor der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin Staatshilfe zur „Bankenrettung“ bereitstellt, sind die Eigentümer und dann die Feuerwehrfonds der Bankenverbände gefordert. Die Mittel des Bundesverbandes der deutschen Banken sind dem Vernehmen nach derzeit auf rund 5 Milliarden Euro an zugesagten Mitgliedsbeiträgen begrenzt. Für die Düssel-Hyp sollte das ausreichen. Dabei ist es schon das zweite Mal, dass der Einlagensicherungsfonds die Düssel-Hyp übernimmt. Im Jahr 2008, elf Jahre nach Gründung durch den heute 92 Jahre alten Wolfgang Schuppli, musste die Düssel-Hyp schon einmal aufgefangen werden. 2010 kaufte sie dann der texanische Finanzinvestor Lone Star. Ende 2013 gab sie dann als letzte deutsche Bank ihre vom Soffin erhaltenen Staatsgarantien für Anleiheemissionen zurück. Kurzum: Die Düssel-Hyp schien auf dem Wege der Besserung, obwohl im ersten Halbjahr 2014 noch ein Verlust von26 Millionen Euro anfiel.

Das Genick gebrochen hat der Düssel-Hyp nun ihr hohes Engagement an Anleihen der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria. Die Düssel-Hyp hatte Ende 2013, wie in der vergangenen Woche berichtet, Hypo-Anleihen im Nennwert von 348 Millionen Euro. Dieser Bestand ist nach Informationen dieser Zeitung unverändert und hat die Bank nun in Liquiditätsnot gebracht. Denn Anfang März hat Österreich verfügt, dass die notverstaatlichte Hypo Alpe Adria bis Mai 2016 keine Zinsen und Rückzahlungen mehr auf Anleihen leistet. Ein Schuldenschnitt zwischen 30 und 50 Prozent droht.

Ein Desaster für Lone Star

Auch viele andere deutsche Banken sind betroffen. Zuletzt meldete die Nord LB, sie besitze 380 Millionen Euro an Hypo-Anleihen. Am Montag gab die HSH Nordbank zu, sie besitzte 220 Millionen Euro an Hypo-Anleihen und müsse darauf Wertberichtigungen vornehmen. Die Helaba hat in Hypo-Anleihen einen zweistelligen Millionenbetrag investiert, die Nord LB 380 Millionen Euro. Obwohl sie Wertberichtigungen darauf vornehmen muss, arbeitete die Nord LB aber 2014 mit Gewinn. Die Verluste der Düssel-Hyp dagegen weiten sich nun aus. Die Bank hat nur rund 250 Millionen Euro hartes Eigenkapital, mit dem sie die Verluste abfedern kann. Deshalb war absehbar, dass die Düssel-Hyp in Schieflage gerät (F.A.Z. vom 12. März).

Eigner der Düssel-Hyp ist nach wie vor Lone Star. Der im August 2014 vereinbarte Verkauf an ein Konsortium rund um den deutschen Investmentbanker Patrick Bettscheider ist nicht abgeschlossen. Im März hat Bettscheider seinen bei der Bankenaufsicht gestellten Kaufantrag dem Vernehmen nach zurückgezogen. Weil Lone Star nicht bereit oder fähig war, eine Liquiditätsgarantie für die Düssel-Hyp abzugeben, sprang am Sonntag, wie in einem Teil unserer Montags-Ausgabe berichtet, der Einlagensicherungsfonds der privaten Bank ein. Er stellte zunächst eine Garantie für die Hypo-Anleihe bereit, will die Düssel-Hyp aber bald ganz übernehmen.

Dies ist ein Desaster für Lone Star, denn mehr als einen symbolischen Euro wird der Finanzinvestor wohl kaum mehr bekommen. Zudem ist der Ruf geschädigt. Erfolgreicher war Lone Star beim Verkauf der Corealcredit Bank an die Aareal Bank kurz vor Weihnachten 2013. Die Aareal Bank zahlte 348 Millionen Euro für die früher als Gewerkschaftsbank AHBR firmierende Corealcredit. Lone Star hatte die ABHR im Jahr 2006 zu einem negativen Kaufpreis („Mitgift für spätere Verluste“) im Jahr 2006 übernommen. Darüber hinaus versucht der Finanzinvestor, sich von seiner dritten Bankbeteiligung in Deutschland, der IKB, zu trennen.

Investmentbanker Bettscheider, der sich vergeblich um die Düssel-Hyp bemühte und darüber im Nachhinein heilfroh sein dürfte, ist unterdessen woanders zum Zuge gekommen, und das ausgerechnet in Österreich. Er steigt dort in die notverstaatlichte Bank Kommunalkredit ein.

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