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Düsseldorfer Hypothekenbank : Bankenverband übernimmt Bank in Not

  • -Aktualisiert am

Die deutschen Privatbanken übernehmen die Düsseldorfer Hypothekenbank mit ihrem Einlagensicherungsfonds Bild: dpa

Die Finanzkrise ist zurück in Deutschland. Die Düsseldorfer Hypothekenbank soll nicht insolvent gehen. Sie gilt zwar als „nicht systemrelevant“, gilt aber als wichtig für den deutschen Pfandbriefmarkt.

          Der Bundesverband deutscher Banken wird in den nächsten Tagen die in Liquiditätsnot geratene Düsseldorfer Hypothekenbank für voraussichtlich 1 Euro vom nicht stützungsbereiten Eigner, dem texanischen Finanzinvestor Lone Star, übernehmen. Das Ziel des privaten Bankenverbandes ist, die Insolvenz der Düssel-Hyp mit einer Bilanzsumme von derzeit 11 Milliarden Euro abzuwenden und die Bank auf eigenes Risiko fortzuführen. Dies erscheint dem Bankenverband günstiger, als ein Übergreifen der Krise auf den gesamten Pfandbriefmarkt zu riskieren. Außerdem müssten institutionelle Sparer der Düssel-Hyp in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrages vom Einlagensicherungsfonds der privaten Banken entschädigt werden. Dies will man vermeiden – auch um den Ruf des Finanzplatzes Deutschland nicht zu schädigen.

          Die Düsseldorfer Hypothekenbank ist eine kleine Bank mit 70 Mitarbeitern und 700 Millionen Euro an neu vergebenen gewerblichen Immobilienkrediten im Jahr. Die Düssel-Hyp gilt als nicht bedeutend für das gesamte Finanzsystem („nicht systemrelevant“), aber als wichtig für den insgesamt 500 Milliarden Euro großen deutschen Pfandbriefmarkt. Dort legen vor allem Pensionskassen und Versicherer das Geld der künftigen Rentner in Pfandbriefen an, die von gewerblichen Immobilienfinanzierern wie der Düssel-Hyp verkauft werden. Nach ihrer jüngsten Bilanz von Ende 2013 muss die Düssel-Hyp noch 500 Millionen Euro an Hypothekenpfandbriefen, also hauptsächlich mit grundpfandrechtlich gesicherten Immobiliendarlehen gedeckte Wertpapiere, und 3,5 Milliarden Euro an öffentlichen Pfandbriefen, also mit Forderungen gegen die öffentliche Hand besicherte Wertpapiere, zurückzahlen.

          Für den Fall der Insolvenz von Pfandbriefschuldnern wie der Düssel-Hyp würden zwar diese Deckungswerte dazu dienen, die Ansprüche der Pfandbriefgläubiger weiterhin zu erfüllen. Aber zuletzt ist eine Pfandbriefbank vor mehr als 100 Jahren insolvent gegangen. Dabei soll es offenbar bleiben. In der Finanzkrise wurden gewerbliche Immobilienfinanzierer mit hohen Kosten für den Steuerzahler verstaatlicht, darunter allen voran die Hypo Real Estate mit mehr als 100 Milliarden Euro Staatsgeld. Offensichtlich wollte man nicht testen, ob die Deckungsstöcke ausreichen.

          Zunächst sind die Eigentümer gefordert

          Bevor der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin Staatshilfe zur „Bankenrettung“ bereitstellt, sind die Eigentümer und dann die Feuerwehrfonds der Bankenverbände gefordert. Die Mittel des Bundesverbandes der deutschen Banken sind dem Vernehmen nach derzeit auf rund 5 Milliarden Euro an zugesagten Mitgliedsbeiträgen begrenzt. Für die Düssel-Hyp sollte das ausreichen. Dabei ist es schon das zweite Mal, dass der Einlagensicherungsfonds die Düssel-Hyp übernimmt. Im Jahr 2008, elf Jahre nach Gründung durch den heute 92 Jahre alten Wolfgang Schuppli, musste die Düssel-Hyp schon einmal aufgefangen werden. 2010 kaufte sie dann der texanische Finanzinvestor Lone Star. Ende 2013 gab sie dann als letzte deutsche Bank ihre vom Soffin erhaltenen Staatsgarantien für Anleiheemissionen zurück. Kurzum: Die Düssel-Hyp schien auf dem Wege der Besserung, obwohl im ersten Halbjahr 2014 noch ein Verlust von26 Millionen Euro anfiel.

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