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Bankenregulierung Ackermann warnt vor hohen Kreditzinsen

08.09.2009 ·  Der Deutsche-Bank-Chef Ackermann befürwortet strengere Bankenregeln. Die Institute wollen aber keine staatlich verordnete Boni-Obergrenze. Der Wettbewerb um Mitarbeiter sei wieder im vollen Gang - und Vergütung Sache der Unternehmen.

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Die Bankenbranche wehrt sich gegen staatlich verordnete Bonus-Obergrenzen. „Grundsätzlich ist es nicht Sache des Staates, was ein Unternehmen seinen Angestellten an Gehalt zahlt“, sagte der Präsident des Bankenverbands BdB, Andreas Schmitz, am Dienstag auf einer Branchenkonferenz in Frankfurt. Leistungsabhängige Bezahlung sei ein wichtiges Führungsinstrument für jedes Institut.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sieht nach über zwei Jahren Finanzkrise zwar grundsätzlich Veränderungsbedarf an den Vergütungssystemen. Er hält Prämienzahlungen - deren teils exorbitante Höhen in der Vergangenheit die Öffentlichkeit erzürnt hatten - aber für unerlässlich zum Anheuern von Top-Bankern. „Der Krieg um Talente ist wieder im vollen Gang“, sagte er. Talentierte Mitarbeiter zu verlieren, wäre fatal. Widerspruch erntete er damit von seinem österreichischen Kollegen Andreas Treichl, dem Vorstandschef der Erste Group Bank. „Ich wäre froh, wenn es im Investmentbanking etwas weniger Talente geben würde. Das würde uns eine Menge Ärger ersparen“, sagte er.

Viel Vertrauen verspielt

Die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer hatten am Wochenende schärfere Bonus-Regeln angekündigt. Exzesse bei der Bezahlung von Bankern gelten als eine Ursachen der Finanzkrise. Schmitz räumte ein, dass mit den Boni in Millionenhöhe viel Vertrauen in die Banken verspielt worden sei. „Zu oft sind nur scheinbare Erträge belohnt worden, und zwar auch dann noch, als dieser Schein sich endgültig als Illusion erwiesen hatte.“ Besonders in den Vereinigten Staaten drohe der Reformeifer in dem Punkt wieder zu versiegen. Ein Londoner Investmentbanker, der nicht genannt werden will, bringt die Situation auf den Punkt: „Für Super-Banker gibt's auch wieder Super-Boni - wir reden hier von fünf Millionen und mehr.“

Unterstützung bekamen Schmitz und Ackermann vom Co-Präsidenten der Investmentbank Morgan Stanley, Walid Chammah. „Wir sind gegen absolute Obergrenzen für Gehälter.“ Nötig seien vielmehr nur allgemeine Richtlinien für Vergütungen von Bankern. Diese könnten verhindern, dass sich die Finanzzentren gegenseitig ausspielen.

„Misserfolg darf nicht honoriert werden“

Die Bankenbranche - national wie international - will die Boni stärker am langfristigen Erfolg ausrichten als an kurzfristigen Zielen. „Den Chancen für den einzelnen Geldbeutel sollten entsprechende Risiken gegenüberstehen“, sagte Schmitz. „Erfolg muss, Misserfolg aber darf nicht honoriert werden.“ Ein Ansatz wären Bonus-Malus-Regelungen. Dabei wird ein Teil der Leistungsprämien einbehalten, um sie in späteren Jahren mit eventuellen Verlusten zu verrechnen.

Es gab auf dem Bankenkogress auch andere Themen: Josef Ackermann warnt vor höheren Kreditzinsen und einem geringeren Kreditangebot als Folge strengerer Eigenkapitalregeln für die Banken. Bei der Verschärfung der aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen müssten auch die Auswirkungen auf die Volkswirtschaft berücksichtigt werden, sagte der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größtem Kreditinstitut. Es müsse darauf geachtet werden, wo und wie viel Kapital nötig sei, um die Stabilität des Finanzsystems zu sichern. Generell höhere Kapitalanforderungen verringern die Kreditvergabekapazitäten der Banken und verteuern die Kreditkonditionen.

Basler Vorschläge werden unterstützt

Grundsätzlich unterstützt Ackermann die vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht präsentierten Vorschläge für strengere Bankenregeln. Auch Stephen Green, Verwaltungsratschef der britischen Bank HSBC, hält neue Regeln für notwendig, um die Lehren aus der Krise zu ziehen. Der Baseler Ausschuss, in dem die Zentralbanken und Aufsichtsbehörden aus den 27 führenden Wirtschaftsnationen vereinigt sind, will die Anforderungen bezüglich Eigenkapitalausstattung und Verschuldung von Banken bis Ende des Jahres 2010 reformieren, damit das Finanzsystem widerstandsfähiger gegen künftige Krisen wird. Auch die Finanzminister der 20 führenden Industrienationen (G-20) wollen die Kapitalregeln für die Banken deutlich strenger formulieren.

„Die Banken hatten grundsätzlich zu wenig Kapital und einen zu hohen Verschuldungshebel“, räumte Ackermann ein. Er begrüßte auch die Forderung des Baseler Ausschusses nach einer höheren Qualität des Bankenkapitals: „Wir benötigen besseres Kapital.“ Den Worten von Ackermann zufolge wird künftig die enger gefasste Kernkapitalquote für die Banken an Bedeutung gewinnen. Die Kernkapitalquote misst das Verhältnis von Kernkapital zu Risikoaktiva (im Wesentlichen Kredite und Wertpapierpositionen). Bislang mussten die Banken eine aufsichtsrechtliche Mindestquote beim Kernkapital von 4 Prozent erfüllen. Das Kernkapital umfasst in dieser Definition (Tier-1) neben Aktienkapital auch Mischformen wie Nachranganleihen oder stille Einlagen. Der Baseler Ausschuss will künftig nur noch hartes Kernkapital wie Aktien oder Gewinnrücklagen akzeptieren.

Weber: „Ende der Finanzkrise auszurufen, wäre verfrüht“

Nach Einschätzung von Ackermann ist das Gröbste der Finanzkrise für die Bankenbranche überstanden. Ähnlich äußerte sich HSBC-Chef Green. „Das Ende der Finanzkrise auszurufen, wäre gewiss verfrüht“, sagte Bundesbankpräsident Axel Weber auf der Konferenz. Die Lage habe sich jedoch erheblich verbessert. Das Finanzsystem seit nicht zuletzt wegen der geld- und finanzpolitischen Stützungsmaßnahmen stabilisiert worden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei es aber noch zu früh, die geldpolitischen Maßnahmen zurückzunehmen. Weber hält vor dem Hintergrund der günstigen Preisperspektiven das aktuelle Leitzinsniveau für weiterhin angemessen. Die von der Liquiditätsausweitung durch die Notenbanken ausgehenden Preisrisiken seien in der gegenwärtigen Lage erheblich zu relativieren. „In der Summe sind die Inflationssorgen unbegründet“, sagte der Bundesbankpräsident.

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Von Holger Steltzner

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