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Bankenaufsicht Richtig regulieren

 ·  Wie löst man mit Regeln für Probleme von gestern jene von morgen? Zu ausgefeilte Regeln können Menschen dazu verführen, sich möglichst eng daran zu halten - und zu glauben, sie seien gegen alle Gefahr gefeit - das gilt auch für die Bankenaufsicht.

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Nach der Finanzkrise ist es nahezu weltweit Konsens, dass die Rahmenbedingungen für die Banken verändert werden müssen. Damit nicht noch einmal die unerfreuliche Situation eintritt, dass eine ganze Wirtschaftsbranche mit unvorstellbar großen Geldbeträgen vom Steuerzahler gerettet werden muss. Es ist eine große Aufgabe, eine bessere Regulierung zu schaffen, und es ist noch nicht klar, ob die Politik sie bewältigen wird. Denn wie und wie weitgehend diese Regeln sein sollen, ist äußerst umstritten. So könnte es tatsächlich passieren, dass höchst komplizierte aufsichtsrechtliche Fragen der Finanzwirtschaft zum zentralen Thema eines Bundestagswahlkampfes werden.

Jenseits aller Detailprobleme um Eigenkapitalausstattung, Liquiditätsvorschriften und Organisation der Aufsicht sind auch ganz grundsätzliche Fragen zu klären. Wie löst man mit Regeln, die schließlich als Antwort auf die Probleme von gestern konstruiert werden, die noch unbekannten Probleme von morgen?

Wir wissen sehr wenig über die nächste Bankenkrise. Eines aber ist sicher: Genauso wie die letzte wird sie nicht sein. Jede Regel, die zur Vermeidung der vergangenen Krisen geholfen hätte, kann - zumindest theoretisch - auf eine vollkommen anders geartete Krise in der Zukunft sogar verschärfend wirken.

Wenn man beispielsweise jetzt ein sehr engmaschiges Netz von Regeln für die Banken entwirft, birgt das die Gefahr, dass die Menschen glauben, die Regulierung hätte alle Probleme im Griff. Das kann sie dazu verführen, hohe Risiken einzugehen. Fast so wie Menschen, deren Auto beim Rückwärtsfahren piept, wenn ein Hindernis im Weg ist. Die gucken beim Rückwärtsfahren nicht mehr so sorgfältig - und rammen dadurch vielleicht sogar öfter ein Hindernis, als sie es ohne diese Sicherheitstechnik getan hätten.

Der britische Regulierer Andrew Haldane, Experte für Finanzstabilität bei der Bank of England, hat aus diesen Überlegungen eine interessante Schlussfolgerung gezogen. Er sagte unlängst bei einer Notenbanker-Konferenz im amerikanischen Jackson Hole, man brauche für die Banken ganz einfache Regeln statt einer Regulierungsflut. „Keep it simple!“ Damit wollte er keinesfalls einfach einer Forderung der Bankenlobby Nachdruck verleihen, die Angst vor zu viel Regulierung und den damit verbundenen Kosten hat. Er wollte auch nicht der ökonomischen Binsenweisheit Tribut zollen, dass von allzu komplizierten Regelungen für die Wirtschaft vor allem immer eine Zunft profitiert - die Berater.

Nein, es ging ihm um die Frage nach der besten Regulierung angesichts einer ungewissen Zukunft und begrenzter Möglichkeiten der menschlichen Erkenntnis. Je komplexer nämlich ein Umfeld ist, so Haldane, desto gefährlicher können komplexe Kontrollversuche werden. Allzu ausgefeilte Regeln und Auflagen verführten Menschen tendenziell dazu, sich möglichst eng daran zu halten - und dann zu glauben, sie seien gegen alle Gefahr gefeit.

Was ist der Ausweg? Man muss versuchen, die Kernprobleme zu identifizieren, um dann einfache Regeln aufzustellen, mit denen man sie löst. Vieles dreht sich bei den Banken sicherlich um das Auseinanderfallen von Entscheidung und Haftung. Es muss also ausgeschlossen werden, dass Banken darauf spekulieren können, im Notfall vom Staat gerettet zu werden. Es müssen Wege gefunden werden, wie man Gläubiger von Banken angemessen beteiligt, wenn die Banken pleite sind. Und es muss verhindert werden, dass Banker hohe Risiken eingehen, um viel Geld zu verdienen, und längst weg sind, wenn es schiefgeht. Wer einfache Regeln findet, mit denen dies gelingt, reguliert richtig.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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