20.10.2011 · Anscheinend weisen die 13 getesteten deutschen Banken eine Kapitallücke von nur 5 Milliarden Euro auf. Die genauen Ergebnisse will die Europäische Bankenaufsicht EBA am Wochenende auf dem EU-Gipfel vorstellen.
Von Hanno Mußler, Markus Frühauf, Werner MusslerDeutsche Bankaufseher sind zuversichtlich, dass bei den 13 am Blitzstresstest der Europäischen Bankenaufsicht EBA teilnehmenden deutschen Banken eine Kapitallücke von lediglich 5 Milliarden Euro festgestellt wird. Dann wären wohl fast alle deutschen Banken in der Lage, bis zur Jahresmitte 2012 diese Lücke durch den Abbau von Risiken oder durch das Einbehalten von Gewinnen zu schließen. Zumindest wird derzeit davon ausgegangen, dass der Bankenrettungsfonds Soffin nicht in großem Stil wird deutsche Banken rekapitalisieren müssen. Zuvor hatten amerikanische Banken wie die Citigroup den Kapitalbedarf der 13 von der EBA getesteten deutschen Banken auf 30 Milliarden Euro geschätzt.
Die EBA legt sich auch noch nicht fest. Sie will die angekündigten Ergebnisse ihres „Blitz-Stresstests“ zur Ermittlung des zusätzlichen Kapitalbedarfs europäischer Banken nicht mehr vor dem Wochenende veröffentlichen. Gleichwohl heißt es, der Kapitalbedarf der 87 getesteten europäischen Banken laufe auf 70 bis 100 Milliarden Euro hinaus.
In Brüssel heißt es, die EBA werde die Testergebnisse ohne vorherige Veröffentlichung direkt der Eurogruppe vorlegen, die an diesem Freitag als erste über das weitere Krisenmanagement im Euroraum berät. Auch die mit der Vorbereitung der Treffen befassten Beamten sollen vorher keine Informationen erhalten. Damit bleibt unklar, ob die Bankenaufsicht die stille Einlagen wie von deutschen Aufsehern gewünscht und anders als beim Stresstest im Sommer als Kernkapital akzeptiert. Nur dann wäre mit dem für deutsche Banken günstigen Ausgang zu rechnen. Zu hören ist weiter, dass Banken eine harte Kernkapitalquote von 9 Prozent zum Ende des ersten Halbjahrs 2012 erreichen müssen. Gleichwohl trauen sich Banker nicht einmal hinter vorgehaltener Hand zu sagen, ob sie den Test bestanden hätten. Zu unsicher erscheint ihnen auch, ob nicht von der Politik die Kernkapitalhürde noch höher gesetzt wird.
Die EBA hat in diesen Tagen abgefragt, wie stark sich das Kernkapital der Banken verringert, wenn sie ihre Staatsanleihen zum Marktwert bewerten. Im Gegensatz zu anderen europäischen Banken haben die 13 getesteten deutschen Banken - Deutsche Bank und Commerzbank, die genossenschaftlichen DZund WGZ sowie die Landesbanken LBBW, West LB, Bayern LB, Deka, Helaba, Landesbank Berlin, HSH Nordbank und Nord LB den Vorteil, dass sie relativ viele Bundesanleihen halten.
Da Bundesanleihen wie auch skandinavische und britische Staatsanleihen im dritten Quartal an Wert gewonnen haben, können sie hohe Kursgewinne mit Kursverlusten bei Staatsanleihen finanzschwacher Euroländer verrechnen. Zudem hätten die deutschen Banken schon in den Halbjahreszahlen auf griechischen Staatsanleihen höhere Abschreibungen vorgenommen als andere europäische Wettbewerber. „Die Differenz zwischen Buch- und Marktwert ist in der Regel nur noch gering“, sagte ein Bankenvertreter.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.397,64 | +1,52% |
| Dow Jones | 12.597,50 | +1,15% |
| EUR/USD | 1,2529 | −0,10% |
| Rohöl Brent Crude | 107,48 $ | +0,21% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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