14.06.2005 · Kein Zusammenschluß mit einer Großbank: Die Deutsche Post hat nach neuen Avancen von Deutsche Bank-Chef Ackermann an die Postbank einen Verkauf ihrer Tochter abermals ausgeschlossen.
Die Deutsche Bank ist nach Aussage ihres Chefs Josef Ackermann bereit zur Übernahme von Geldinstituten im In- und Ausland. Ackermann deutete in einem Zeitungsinterview außerdem an, weiter an einem Kauf der Postbank interessiert zu sein.
Offensichtlich stößt er damit nicht auf fruchtbaren Boden: „Die Deutsche Post wird die Mehrheit an der Postbank behalten", sagte ein Sprecher des Bonner Konzerns am Dienstag. Es gebe deshalb keinen Anlaß für Spekulationen um das Institut. Zum einen habe Post-Chef Klaus Zumwinkel mehrfach wiederholt, daß das Institut nicht zum Verkauf stehe. „Es gibt auch bei uns im Haus keine Pläne für einen Zusammenschluß mit einer anderen Großbank", fügte der Sprecher hinzu. „Daß wir ein Übernahmekandidat sein sollen, das paßt überhaupt nicht in unser Bild.“ Das Institut wolle im Gegenteil eigenständig wachsen.
Ackermann hatte dem „Handelsblatt“ gesagt, „wir sind bereit, in allen Märkten, in denen wir schon vertreten sind, und auch in neuen Märkten Banken zu übernehmen, etwa in den potentialstarken Schwellenländern". Dies schließe „selbstverständlich“ Deutschland ein, zitiert die Zeitung den Bankchef.
In den vergangenen Jahren war die Deutsche Bank bei zwei großen Übernahmeversuchen im Heimatland gescheitert. Zunächst platzte die Fusion mit der Dresdner Bank, im vergangenen Jahr floppte der Kauf der Postbank. Nach dem Zusammenschluß von Unicredit und HVB hat sich der Druck auf den Branchenprimus nach Meinung vieler Analysten aber noch einmal erhöht.
Gemessen am Börsenwert von knapp 42 Milliarden Euro übertrumpft Unicredit einschließlich HVB jetzt die Deutsche Bank. Über eine Konsolidierung am deutschen Bankenmarkt wird seit längerem diskutiert, wobei vor allem die Postbank und die Commerzbank als Übernahmekandidaten gelten.
Strategisch eine gute Transaktion
Ein Kauf der Postbank, der im vergangenen Jahr gescheitert war, wäre strategisch eine gute Transaktion gewesen, sagte Ackermann weiter. Die Pläne seien aber viel zu früh in die Öffentlichkeit geraten, und die Zeit sei zu knapp gewesen. Auf die Frage, ob das Thema erledigt sei, antwortete Ackermann der Zeitung zufolge: „Das müssen Sie die Post AG fragen. Daß die strategische Perspektive gut wäre, gilt weiterhin.“ Eine Konsolidierung der Branche sei aus deutscher Sicht sinnvoll, weil sie stärkere deutsche Banken hervorbringen würde.
In der Fusion von HVB und Unicredito sieht Ackermann aber nicht den Auslöser einer Fusionswelle. Erst eine „Fusion unter Gleichen“, also unter den führenden Banken, wäre laut Ackermann ein großer Schritt nach vorn. Die Zeit sei aber noch nicht reif, schränkte der Vorstandssprecher von Deutschlands größter Bank ein. Europa habe noch keinen integrierten Finanzmarkt, darüber hinaus hätten Großbanken in Europa teils noch einen Stellenwert als nationale Institution.
Ackermann zeigte sich dem Blatt zufolge erstaunt über die positiven Reaktionen in der deutschen Öffentlichkeit auf den HVB-Verkauf an die italienische Großbank. „Wenn ich mir vorstelle, wie man in der Schweiz reagiert hätte, wenn die Credit Suisse als Nummer zwei des Landes nach Italien verkauft würde, wäre die Reaktion eine andere gewesen", sagte Ackermann weiter. Am Sonntag hatten sich die Münchener Großbank und das italienische Geldinstitut auf eine Fusion in der Größenordnung von knapp 20 Milliarden Euro geeinigt.
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