27.02.2003 · Die Krisenstimmung rund um die deutsche Bankenwelt trifft die Hypo-Vereinsbank. Ein Bericht, die HVB plane eine Zwangswandelanleihe, hat den Aktienkurs abstürzen lassen. Kritik an einer reißerischen Berichterstattung wird laut.
Ein Pressebericht über eine angeblich geplante Wandelanleihe der Hypo-Vereinsbank hat den Aktienkurs der HVB am Donnerstag um bis zu 15 Prozent abstürzen lassen. Laut einem Bericht des „Handelsblatt“ soll die HVB eine Zwangswandelanleihe in Höhe von drei bis vier Milliarden Euro planen. Damit wolle die Bank ihren dringenden Kapitalbedarf decken, heißt es in dem Bericht.
Die Münchener Bank, die zweitgrößte in Deutschland, dementierte. Es gebe keine Beschlussfassung über eine Zwangswandelanleihe, hieß es in einem Brief von HVB-Chef Dieter Rampl an die Mitarbeiter. Die Bank prüfe aber alle Optionen zur Verbesserung der Kapitalausstattung. „Unsere Kapitalbasis ist nach wie vor voll intakt“, beschwor Rampl die Mitarbeiter. Der HVB-Chef hatte im Januar angekündigt, die Kernkapitalquote der Bank bis zum Jahresende auf sieben von derzeit 5,6 Prozent anzuheben.
Die Finanzdienstleistungsaufsicht und die Deutsche Bundesbank dementierten, dass die HVB aus aufsichtsrechtlicher Sicht aktuell eine Kapitalerhöhung benötige.
Volumen zu hoch gegriffen
Eine Kapitalerhöhung wird in der Bank aber offenbar schon seit längerem durchgerechnet. Ob dies über eine Zwangswandelanleihe geschieht, ist offen. Das Volumen könnte aber weitaus niedriger sein als die genannten drei bis vier Milliarden Euro. Ein HVB-Vorstand sagte, mehr als eine Milliarde Euro sei angesichts der derzeitigen Marktlage kaum vorstellbar.
Gemäß des aktuell genehmigten und bedingten Kapitals darf der HVB-Vorstand lediglich eine Erhöhung um bis zu 1,08 Milliarden Euro vornehmen. Ein höherer Betrag müsste von der Hauptversammlung am 14. Mai genehmigt werden.
Eine Zwangswandelanleihe kommt einer verzögerten Kapitalerhöhung gleich, die Verlierer sind damit die Altaktionäre. Der Emittent zahlt die Schuldverschreibung in jedem Fall mit Aktien zurück. Nur den Kupon - also die Zinsen - entrichtet der Emittent in bar. Kürzlich erst hatte die Deutsche Telekom eine Zwangswandelanleihe aufgelegt.
Eil-Dementis von Bafin und Bundesbank
Angesichts der aufgeheizten Gerüchteküche rund um die deutschen Banken sorgte am Donnerstag für Aufregung, inwieweit die Spekulationen über die Kapitalerhöhung der HVB als weiteres Krisenzeichen zu interpretieren seien. Die Finanzaufsicht und die Bundesbank mühten sich, Ruhe zu verbreiten.
Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Jochen Sanio, sagte am Donnerstag, die Bankenaufsicht sehe keinen Grund dafür, dass die Hypo-Vereinsbank ihr Kapital erhöhen müsse. Die Eigenkapitalquote läge deutlich über dem aufsichtsrechtlichen Minimum von vier Prozent. Die Kernkapitalquote der HVB von 5,6 Prozent gilt dennoch als zu niedrig, sechs Prozent werden vielfach als wirtschaftliche Untergrenze angesehen.
Auch die Bundesbank eilte sich, die Spekulationen zu beenden. Das für die Bankenaufsicht zuständige Vorstandsmitglied Edgar Meister ließ eine Pressemitteilung verbreiten, in der er sich hinter die HVB stellte. „Die HVB hat aus Sicht der Bundesbank bereits vor einiger Zeit geeignete Maßnahmen zur Stärkung ihrer wirtschaftlichen Situation getroffen und ist meines Erachtens auf gutem Wege.“ Solvenz und Liquidität des Instituts seien gewährleistet.
Bundesbank kritisiert Berichterstattung
Ausdrücklich kritisiert Meister die Berichterstattung der Medien. Er bedauere, „dass die aktuelle Berichterstattung mancher Medien zu Unsicherheit beiträgt und nicht mit mehr Augenmaß erfolgt ist.“ Diese Bemerkung aus der üblicherweise zurückhaltenden Bundesbank ist als Zeichen zunehmender Nervosität zu werten.
Rampl warf dem „Handelsblatt“ vor, „bewusst den Ruf unserer Bank“ zu schädigen.
Nervosität mit Händen zu greifen
Die Schnelligkeit und Entschiedenheit, mit der Institutionen wie Bafin und Bundesbank den Gerüchten entgegentraten, zeigt: Die nervöse Stimmung am Finanzplatz ist mit Händen zu greifen. Schon seit Wochen mehren sich Berichte, nach denen die deutschen Banken in einer tieferen Krise stecken als bislang vermutet. Dazu tragen zum einen die katastrophalen Jahresabschlüsse für 2002 bei. HVB und Commerzbank meldeten zum ersten Mal in ihrer Geschichte Verluste; die Deutsche Bank schrammte nur wegen des Verkaufs von Beteiligungen an einem Verlust vorbei.
Hinzu kommt aber auch, dass einzelne Bankvertreter den Gerüchten Vorschub leisten. Bei einem vertraulichen Bankengipfel bei Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte etwa der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, angeregt, schlechte Kredite in einer „Bad bank“, einer staatlich subventionierten Auffangbank, zu sammeln. Damit bekamen die Spekulationen über Notfallpläne erst recht neue Nahrung - trotz aller Dementis. So hatte Bafin-Chef Sanio noch am Mittwochabend in Frankfurt betont, dass die deutschen Banken keiner „Bad bank“ bedürften. „Das würde bedeuten, dass der Steuerzahler die Zeche für Geschäftsbanken zahlen muss. Ich sehe nicht, dass in Deutschland eine solche Zeche auf dem Tisch liegt", sagte Sanio.
Banken in schwieriger Lage
Die aufkommende Hysterie darf indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass die deutschen Großbanken in einer schwierigen Lage stecken. Die Krise an den Finanzmärkten und die schlechte Konjunktur belasten die Kreditportefeuilles und drücken auf die Handelserträge.
So hatte die HVB 2002 ihre Risikovorsorge von 2,07 auf 3,8 Milliarden Euro erhöht, was den Jahresverlust von 858 Millionen Euro mit sich brachte. HVB-Chef Dieter Rampl hatte zuletzt betont, keine Kapitalerhöhung zu planen. Vielmehr sei der Verkauf von Vermögenswerten angestrebt, heißt es.
Schon im vergangenen Jahr hatten Ratingagenturen die HVB auf „A-“ herabgestuft. Ein weiterer Ratingverfall würde die Finanzierung der Bank verteuern.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |