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Veröffentlicht: 06.02.2003, 19:00 Uhr

Banken Kirchs langer Schatten in den Bankbilanzen

In der deutschen Kreditwirtschaft gibt es kaum eine große Adresse, die dem Medien-Pleitier Kirch keinen Kredit gegeben hat. Die Geldhäuser müssen wohl noch geraume Zeit auf ihr Geld warten.

von
© Die Kirch-Gruppe und ihre Gläubiger

Klaus-Peter Müller, der Vorstandssprecher der Commerzbank, kann auch schlechten Nachrichten Gutes abgewinnen. Der Zusammenbruch der Kirch-Gruppe habe in seinem Haus zwar zu Buche geschlagen, doch bei der Konkurrenz dürften die Wertberichtigungsquoten höher sein, sagte Müller auf der Commerzbank-Bilanzpressekonferenz.

Marcus Theurer Folgen:

Die Kirch-Pleite kommt in diesen Wochen, da die Großbanken ihre Zahlen für das vergangene Jahr vorlegen, wohl noch öfter zur Sprache. Ob Deutsche Bank, Dresdner Bank, Hypo-Vereinsbank, Commerzbank, DZ Bank oder Bayerische Landesbank - kaum eine große Adresse in der deutschen Kreditwirtschaft, die nicht zu den Verlierern des Kirch-Zusammenbruchs vom vergangenen Frühjahr zählt.

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Das Lehrgeld ist hoch

„Wir müssen ein immenses Lehrgeld bezahlen“, sagt der Vorstand einer Gläubigerbank. Der Hauptfehler: Den Geldhäusern fehlte der Überblick über die komplexen Finanzströme zwischen den Konzernteilen. „Keine Bank hat jemals eine Bilanz der Taurus Holding gesehen“, sagt selbstkritisch ein Banker. Nur aus einer solchen konsolidierten Bilanz der Kirch-Dachgesellschaft, die um konzerninterne Geschäfte bereinigt ist, hätte der Finanzstatus der Kirch-Gruppe insgesamt abgelesen werden können. Fehlende Transparenz konnte Leo Kirch offenbar durch Charisma wettmachen: „Wir ließen uns alle von dieser schillernden Persönlichkeit beeindrucken“, bekennt ein Bank-Manager.

Allen voran gilt das offensichtlich für die Bayerische Landesbank, die bei allen drei Konzerngesellschaften Kirch Media, Kirch Pay TV und Kirch Beteiligung als Kreditgeber mit von der Partie war. Auf rund 2 Milliarden Euro addiert sich das Gesamtvolumen der Landesbank-Kredite. Sie ist damit der mit Abstand größte Kirch-Gläubiger. Ende Januar sagte der bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser im Landtag, die Kirch-Risikovorsorge des Instituts übersteige die bislang genannten 879 Millionen Euro sogar noch. Kirch ist der Hauptgrund dafür, daß das staatliche Kreditinstitut operativ Verluste ausweist.

Bafin rügte Formel-1-Kredite

Das größte Rad drehte die Landesbank mit der Finanzierung des Kirch-Einstiegs in die Formel 1. 1,6 Milliarden Euro Kredit stellte dafür die Landesbank 2001 gemeinsam mit den amerikanischen Instituten Lehman Brothers und JP Morgan bereit. Als Sicherheit haben die Banken Kirchs Beteiligung von 58 Prozent an der Formel-1-Holdinggesellschaft SLEC erhalten, die Kirch freilich aus heutiger Sicht wohl überbezahlt hat. Daß sie auch auf das SLEC-Paket von 16,7 Prozent des Medienunternehmens EM.TV zurückgreifen dürfen, weist EM.TV zurück.

Die Verhandlung darüber begann am Dienstag vor einem Gericht auf der Kanalinsel Jersey.

Den verantwortlichen Landesbank-Managern brachte der Formel-1-Kredit eine scharfe Rüge der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ein, die schwere Mängel bei der Vergabe attestierte. Die Staatsbank sieht sich schon seit Jahren mit dem Vorwurf konfrontiert, sie habe sich bei ihren Kirch-Krediten vor allem von den standortpolitischen Interessen der CSU-Landesregierung leiten lassen.

Land in Sicht bei Kirch Media

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