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Banken Highnoon in Hamburg

14.08.2006 ·  Die WestLB treibt einen Keil in das öffentlich-rechtliche Bankenlager. Private Investoren stehen kurz vor dem Einstieg in die HSH Nordbank.

Von Hanno Mußler, Johannes Ritter, Daniel Schäfer und Werner Sturbeck
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Erstmals steht ein privater Investor vor dem Einstieg in ein Unternehmen der öffentlich-rechtlichen Sparkassen-Finanzgruppe. In der Aufsichtsratssitzung der HSH Nordbank in Hamburg am heutigen Dienstag wird WestLB-Chef Thomas Fischer über den Verhandlungsstand beim geplanten Verkauf des Anteils der WestLB von knapp 27 Prozent berichten. Noch drei amerikanische Finanzinvestoren sind im Rennen.

Verglichen mit dem Lärm, den der Deutsche Sparkassenverband um den Verkauf der Landesbank Berlin im Jahr 2007 macht, ist es um den bald bevorstehenden Einstieg eines Privatinvestors in die HSH Nordbank geradezu gespenstisch ruhig. Dabei wäre die erste Teilprivatisierung einer Landesbank ein Schritt mit weitreichenden Folgen für den Bankenmarkt.

Fast Teufelszeug für die Sparkassen

Das starre Drei-Säulen-Modell, das auf den separaten Haftungssystemen für private, genossenschaftliche und eben öffentlich-rechtliche Banken fußt, käme in Bewegung. Denn es wäre überraschend, wenn die Sparkassen die HSH Nordbank mit einem privaten Aktionär noch dauerhaft in ihrem Haftungsverbund dulden würden.

Zumal der Weg der HSH Nordbank an die Börse vorgezeichnet ist. Finanzinvestoren wollen ihre Beteiligungen nach einigen Jahren wieder verkaufen - am liebsten über die Börse. Für die Sparkassen indes, die Effizienz und Gemeinwohl in ihrem Geschäft vereinen wollen, ist eine rein auf Rendite ausgerichtete Strategie fast Teufelszeug.

WestLB-Chef könnte sich einen Börsengang vorstellen

Dies gilt indes nicht für alle in der öffentlichen Bankengruppe. Thomas Fischer, einst im Vorstand der Deutschen Bank und heute Chef der WestLB, könnte sich für das Spitzeninstitut der Sparkassen in Nordrhein-Westfalen einen Börsengang angeblich gut vorstellen. Die WestLB macht nach Krisenjahren zwar Fortschritte. Aber sie kommt langsamer voran, als der charismatische Fischer bei seinem Amtsantritt 2004 erhofft haben dürfte.

Zudem ist mit Ausnahme der SachsenLB keine Landesbank bereit, sich mit dem Gedanken an einen Zusammenschluß mit der WestLB anzufreunden. Da kommt Fischer die Phantasie auf einen eigenen Börsengang wahrscheinlich gerade recht.

HSH auf der Verkaufsliste

Die Idee ist in der Welt, seitdem die CDU/FDP-Landesregierung nach den 2005 gewonnenen Landtagswahlen mit dem Verkauf ihrer Beteiligung an der WestLB (direkt und indirekt 49 Prozent) liebäugelt. Fischer müßte sicherlich weniger Widerstände gegen einen Börsengang der WestLB hinnehmen, wenn es mit der HSH Nordbank bereits eine börsennotierte Landesbank gäbe.

Daß die WestLB aus der HSH aussteigt, ist jedoch auch der Schlußpunkt unter enttäuschte Hoffnungen, alle Landesbanken unter ihrer Führung zu bündeln. Als Fischer vor einem Jahr mit dem Versuch scheiterte, von den Mitgesellschaftern die HSH-Anteile für eine Mehrheitsbeteiligung zu erwerben, setzte er die HSH auf die Verkaufsliste.

Nur noch drei Bieter im Rennen

Nach Angaben aus Finanzkreisen sind nur noch drei - allesamt amerikanische - Bieter im Rennen um den Minderheitsanteil: die Finanzinvestoren Christopher Flowers, Cerberus Capital Management und Corsair Capital. Hellman & Friedman habe dagegen kein verbindliches Angebot abgegeben, weil der Beteiligungsgesellschaft die Preise zu hoch erschienen.

Die Höhe der Gebote wird zwischen 1,1 und 1,5 Milliarden Euro veranschlagt. Grund für die breite Spanne ist, daß die Interessenten offenbar eine in etwa einem Jahr anstehende Kapitalerhöhung von mehreren hundert Millionen Euro unterschiedlich im Kaufpreis berücksichtigen. Im Gespräch ist zudem angeblich eine vertraglich vereinbarte Haltefrist von vier Jahren.

Länder haben Vorkaufsrecht

Die HSH Nordbank ist 2003 aus dem Zusammenschluß der Hamburgischen Landesbank und der Landesbank Schleswig-Holstein hervorgegangen. HSH ist der weltgrößte Schiffsfinanzierer und mit einer Bilanzsumme von zuletzt 191 Milliarden Euro die fünftgrößte deutsche Landesbank. Im ersten Quartal 2006 erzielte sie eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von 15,4 Prozent.

Gemäß der Grundlagenvereinbarung der Eigentümer ist die WestLB nicht ganz frei in ihrer Verkaufsentscheidung. Denn die übrigen Anteilseigner - also Hamburg, Schleswig-Holstein und der Schleswig-Holsteinische Sparkassenverband - haben ein Vorkaufsrecht. Nach der Auswahl des Käufers durch die WestLB haben sie vier Wochen Zeit, um zu entscheiden, ob sie dieses Vorkaufsrecht ausüben wollen. Es gilt als sicher, daß die beiden Länder ihre Kaufoption nicht ausüben.

Länder und Sparkassen wollen bis 2013 an Bord bleiben

Man sei grundsätzlich bereit, private Investoren als Aktionäre in die HSH Nordbank zu lassen, hatte Hamburgs Finanzsenator Wolfgang Peiner (CDU) Mitte Juni erklärt. Peiner pocht allerdings darauf, daß der neue Aktionär einen strategischen Mehrwert bringt - und zwar sowohl für die HSH Nordbank als auch für deren Altgesellschafter. Dem Vernehmen nach traut man im Hamburger Senat allen drei Interessenten zu, ein solcher Werttreiber zu sein, zumal ein privater Investor hilfreich sein dürfte bei den Plänen, die Bank an die Börse zu bringen.

Ein Börsengang ist in der Grundlagenvereinbarung schon angelegt. Dort heißt es sinngemäß, daß man ihn anstrebe, sobald die Bank die erforderliche Kapitalmarktreife erlangt habe und das Kapitalmarktumfeld dies erlaube. Eine weitergehende Privatisierung ist im Moment nicht geplant. Die beiden Länder und die Sparkassen haben sich verpflichtet, bis 2013 an Bord zu bleiben. Daran wollen sie sich halten.

Vorbehalte gegen Cerberus

Der HSH-Vorstand unter Führung von Alexander Stuhlmann dürfte grundsätzlich wohlgesinnt sein gegenüber dem Einstieg eines finanzstarken Privatinvestors. Allein gegen Cerberus scheint es Vorbehalte zu geben: Angeblich haben sich die Cerberus-Manager beim Blick in die Bücher schlecht benommen. Sie sollen allzu arrogant und überheblich in der Bank aufgetreten sein, heißt es.

Gerüchteweise ist zu hören, daß die Manager in der Präsentation vor dem Vorstand den Schwerpunkt auf Effizienzsteigerungen und Kostenkürzungen gelegt haben, was angesichts der Wachstumspläne nicht gut ankam. Zudem habe Cerberus die Notwendigkeit zweier Zentralen (Hamburg und Kiel) in Frage gestellt.

Entbehrliche Landesbank

Im Gegensatz zur WestLB und zur Landesbank Berlin, mit der die Berliner Sparkasse und damit ein Herzstück der Sparkassen-Organisation zum Verkauf steht, ist die HSH Nordbank wohl die aus Sicht der Sparkassen-Gruppe am ehesten entbehrliche Landesbank. Dies kann man schon allein daran festmachen, daß sie den Namen Landesbank nicht führt. Außerdem ist der Verbund zwischen den Sparkassen in Schleswig-Holstein und der HSH Nordbank nicht so eng wie in anderen Regionen zwischen Sparkassen und Landesbank.

Dies könnte der Grund sein, warum der Deutsche Sparkassenverband in Sachen HSH Nordbank den Ball flach hält. Auch wenn er den Abgang des Verbundmitgliedes sicherlich bedauern würde - die HSH Nordbank ließe sich gut ersetzen: Die NordLB oder eben Fischers WestLB könnten künftig die Sparkassen in Schleswig-Holstein versorgen. Und auf diesem ungewöhnlichen Weg wäre auch ein Ziel des Sparkassenverbandes erreicht: Eine Verringerung der Zahl der unabhängigen Landesbanken von derzeit acht auf sieben.

Quelle: F.A.Z., 15.08.2006, Nr. 188 / Seite 16
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