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Banken Fannie und Freddie als Vorbild

 ·  Die Verbriefung von Forderungen hat in den Vereinigten Staaten eine lange Tradition. Die beiden Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac verbriefen seit Jahren Forderungen.

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Die Verbriefung von Forderungen hat in den Vereinigten Staaten eine lange Tradition. Diese im englischen Sprachgebrauch als Asset Backed Securities (ABS) bezeichneten Wertpapiere haben längst einen festen Platz am amerikanischen Kapitalmarkt. Die wohl bekanntesten Emittenten von ABS sind die staatlich geförderten und beaufsichtigten Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae. Diese beiden vom Kongreß vor mehr als 30 Jahren geschaffenen, als private Unternehmen geführten Gesellschaften haben den Auftrag, den Amerikanern bei der Verwirklichung ihres Traums vom eigenen Heim zu helfen.

Fannie Mae und Freddie Mac vergeben aber nicht etwa selbst Hypothekendarlehen zu besonders günstigen Konditionen; sie kaufen vielmehr Hypothekendarlehen traditioneller Baufinanzierer und Kreditinstitute auf, bündeln sie in eigenen, neuen Wertpapieren und bringen diese an den Kapitalmarkt. Die beiden Gesellschaften besitzen oder bürgen derzeit für Hypotheken im Wert von mehr als 3 Milliarden Dollar.

Erst vor einigen Wochen waren die Immobilienfinanzierer in die Schlagzeilen geraten, als der Präsident der Federal Reserve Bank von St. Louis, William Poole, ihnen eine zu geringe Eigenkapitalausstattung im Verhältnis zu ihren hohen Verbindlichkeiten vorhielt. Poole äußerte die Sorge, Freddie Mac und Fannie Mae könnten in finanzielle Schwierigkeiten geraten, sollte es nach den Jahren eines kräftigen Aufschwungs zu einer Abkühlung auf dem amerikanischen Immobilienmarkt kommen. Wegen der großen Bedeutung der beiden Gesellschaften seien weitreichende Folgen für das Finanzsystem und für die gesamte Wirtschaft nicht auszuschließen, sagte Poole. Der Notenbanker kritisierte darüber hinaus, daß nicht eindeutig geregelt sei, in welcher Form und in welchem Umfang der Staat im Ernstfall Finanzhilfe leisten werde.

Freddie Mac und Fannie Mae wiesen die Kritik zurück und warfen dem Währungshüter vor, nicht zu wissen, wovon er spreche. Die im Verhältnis zu traditionellen Banken niedrigeren Eigenkapitalvorschriften tragen nach Ansicht der Gesellschaften dem Umstand Rechnung, daß sie in herkömmliche Hypothekendarlehen investieren, die im Regelfall mit geringen Risiken behaftet sind, in erheblichem Umfang besichert und geographisch breit gestreut sind. Banken hingegen vergäben risikoreichere Geschäftskredite, und auch Kreditkartendarlehen seien mit ungleich höheren Risiken behaftet als Hypothekenkredite. Kein Verständnis zeigten die beiden Immobilienfinanzierer auch für die Warnung Pooles, dem gesamten Finanzsystem drohe eine Schieflage, wenn sie in Schwierigkeiten gerieten. Dies lasse sich für "jede größere Finanzinstitution vorbringen", hieß es. Es folgte noch der Hinweis, daß die ABS nicht aufgrund einer impliziten Staatsgarantie einen Preisvorteil gegenüber vergleichbaren Wertpapieren aufwiesen.

Nach Auskunft der zuständigen Aufsichtsbehörde, des Office of Federal Housing Enterprise Oversight, verfügen Freddie Mac und Fannie Mae über weit mehr Eigenkapital, als in Anbetracht der Risiken ihres Engagements notwendig wäre. Zum Ende vergangenen Jahres verfügte Fannie Mae nicht nur über 17,43 Milliarden Dollar an Kapital und Reserven, welche die Behörde zum Schutz vor plötzlichen Zinsschwankungen am langen Ende des Marktes vorschreibt, sondern über fast 29 Milliarden Dollar. Freddie Mac konnte etwas mehr als 24 Milliarden Dollar aufweisen, nötig wären nur rund 4,75 Milliarden gewesen. Auch zur Absicherung gegen allgemeine Geschäftsrisiken bescheinigte die Behörde den beiden Gesellschaften eine mehr als ausreichende Kapitalabsicherung.

Begünstigt worden sei die Entwicklung zu einer verbesserten Kapitalausstattung durch die auf niedrigem Niveau recht stabilen Zinsen, ein effizienteres Risikomanagement sowie, zu einem gewissen Teil, auch durch den Wertzuwachs der Immobilien in der jüngeren Vergangenheit. Die Bonität des Hypothekenportfolios habe sich deutlich verbessert. Seit dem vergangenen Herbst haben Fannie Mae und Freddie Mac sich nach Einschätzung der Aufsicht erfolgreich darum bemüht, sich durch Umschichtung bei den Laufzeiten ihrer Verbindlichkeiten und Absicherungen (Hedges) an den Finanzmärkten gegen einen weiteren Rückgang der Zinsen abzusichern.

Quelle: ctg., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.04.2003, Nr. 96 / Seite 25
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