Die vor der Übernahme durch die Allianz stehende Dresdner Bank erwartet trotz eines schwächeren Starts für das laufende Geschäftsjahr einen höheren Vorsteuergewinn. Ein weiter wachsender Provisionsüberschuss und eine Halbierung der Risikovorsorge ließen eine Ergebnissteigerung erwarten, so die drittgrößte deutsche Geschäftsbank. Dresdner-Chef Bernd Fahrholz bekräftigte bei der Bilanz-Pressekonferenz in Frankfurt, die Übernahme durch den Versicherungsriesen Allianz biete die Chance für ein weiteres Wachstum.
Das operative Ergebnis der ersten beiden Monate 2001 sank Fahrholz zufolge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zehn Prozent. „Ich kann Ihnen im Gegensatz zum vergangenen Jahr keinen Rekordstart präsentieren", sagte Fahrholz. „Das anhaltend schwierige Marktumfeld zeigt sich in unserer Leistung der ersten Monate des laufenden Geschäftsjahres.“ Der Zinsüberschuss habe im ersten Quartal jedoch zulegen können. Auf der Kostenseite liege die Dresdner Bank im Plan. Es gebe keinen Anlass von negativen Sonderentwicklungen auszugehen, betonte Fahrholz.
Denkbare Restrukturierung
Im Aktionärsbrief schrieb Fahrholz, mit der Übernahme durch die Allianz habe sich für beide Unternehmen eine Chance eröffnet, gemeinsam mehr Werte für Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter zu schaffen. Ohne auf Details einzugehen, deutete Fahrholz auf der Pressekonferenz Restrukturierungen in der Frankfurter Zentrale an: „Den Abbau von Zentralaufgaben schließe ich nicht aus.“ Er betonte jedoch ausdrücklich, der neue Allfinanzkonzern werde Angebote anderer Institute für die Investmentbanktochter Dresdner Kleinwort Wasserstein ablehnen.
Der Vorsteuergewinn war im Gesamtjahr 2000 nach früheren Angaben um 24 Prozent auf 1,61 Milliarden Euro gesunken. Nach Steuern hatte die Bank den Gewinn jedoch um 61 Prozent auf 1,74 Milliarden Euro gesteigert. Das Institut hatte im vierten Quartal 2000 einen unerwartet hohen Verlust im operativen Geschäft hinnehmen müssen. Nach Abzug der Einnahmen aus dem Teilverkauf ihres Pakets an der Münchener Rück von rund 1,5 Milliarden Euro hatten Analysten einen Verlust von 800 Millionen Euro errechnet. Wegen der gescheiterten Fusion mit der Deutschen Bank waren außerdem 550 Millionen Euro Kosten entstanden, 480 Millionen waren für Restrukturierungsmaßnahmen ausgegeben worden.
Marktführende Position angepeilt
Die Bank kündigte an, die Eigenkapitalrendite bis 2003 auf 15 Prozent nach Steuern zu steigern. Die Risikovorsorge solle in diesem Jahr auf 750 Millionen Euro halbiert werden. Die Risikovorsorge im abgelaufenen Geschäftsjahr von 1,5 Milliarden Euro sei „völlig unzufriedenstellend“ gewesen und auf eine einmalige Wertberichtigung von 500 Millionen Euro bei der Hypothekenbank-Tochter Deutsche Hyp zurückzuführen, sagte Fahrholz. Im Unternehmensbereich Asset Management (Vermögensverwaltung) strebt die Dresdner Bank durch internes Wachstum und Zukäufe eine internationale Spitzenposition an. Ziel sei eine marktführende Position in Europa und mindestens eine Top-Ten-Stellung in weiteren Zielmärkten.
Die Führungsgremien von Allianz und Dresdner hatten am Wochenende den Weg für die Bildung des zweitgrößten Finanzkonzerns Europas frei gemacht. Der erste deutsche Allfinanzkonzern hat einen Börsenwert von rund 110 Milliarden Euro.