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Banken Die Woche der Entscheidung für Josef Ackermann

19.12.2005 ·  Betrachtet man die Zahlen, hat Josef Ackermann alles richtig gemacht. Die Deutsche Bank verdient so viel Geld wie noch nie. Doch nun muß er die Immobilienkrise bereinigen und am Mittwoch sagt der BGH, ob Ackermann wieder vor Gericht muß.

Von Gerald Braunberger
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Betrachtet man die nackten Zahlen, dann hat Josef Ackermann zumindest in diesem Jahr alles richtig gemacht. Unter seiner Führung verdient die Deutsche Bank so viel Geld wie noch nie, und als Folge der guten Ergebnisse und eines gestiegenen Aktienkurses sind auch die Gerüchte um eine Übernahme von Deutschlands größtem Kreditinstitut verstummt. Ackermanns ursprünglich verwegen klingendes Ziel einer Rendite auf das Eigenkapital von 25 Prozent vor Steuern erscheint mittlerweile realistisch. Daher seien auch die intern vorübergehend hart geführten Strategiedebatten beendet, ist aus der Bank zu hören: "In der Stunde des Erfolgs schart man sich um Ackermann."

Doch dem Schweizer droht gleich mehrfach Ungemach. Am kommenden Mittwoch entscheidet der Bundesgerichtshof im Mannesmann-Revisionsverfahren darüber, ob das Verfahren wieder aufgerollt werden muß. In der ersten Instanz hatte das Landgericht Düsseldorf im Juli 2004 die angeklagten Exmanager und Exaufsichtsräte von Mannesmann, darunter Ackermann als ehemaliger Aufsichtsrat, vom Vorwurf der schweren Untreue freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft am Landgericht und die Bundesanwaltschaft hatten daraufhin beim Bundesgerichtshof (BGH), der höchsten Strafrechtsinstanz, die Aufhebung des Düsseldorfer Urteils verlangt.

Die Bank will den Schweizer halten

Wie der BGH entscheiden wird, läßt sich nicht mit Sicherheit voraussagen. Aber seit der öffentlichen Verhandlung der Revision im Oktober 2005 vertreten viele Rechtsexperten die Ansicht, der BGH könne durchaus die Freisprüche des Landgerichts ganz oder teilweise aufheben. In diesem Falle müßten sich Ackermann und seine früheren Mitangeklagten einem neuen Verfahren stellen - mit der Möglichkeit einer Verurteilung, die Ackermanns Verbleiben an der Spitze der Bank wohl unmöglich machte.

Fest steht, daß die Bank den Schweizer halten will, wenn es irgend geht. Dennoch wurden vorsichtshalber Gespräche über eine Verlängerung seines Vertrags auf Ende Januar 2006 verschoben, um die Entscheidung des BGH abzuwarten. Sollten die Karlsruher Richter den Freispruch aufheben, könnten Ackermanns Anwälte versuchen, durch einen Vergleich Schlimmeres abzuwenden.

Wenig Freude dürfte Ackermann auch die Sitzung des aus zehn hochrangigen Managern bestehenden erweiterten Vorstands ("Group Executive Committee") am Montag bereiten. Auf der Tagesordnung steht unter anderem die vorübergehende Schließung des von der Banktochter DB Real Estate GmbH betriebenen offenen Immobilienfonds Grundbesitz Invest am vergangenen Dienstag und die heftigen Reaktionen aus der Branche, in der Politik und in den Medien.

Ein Kommunikationsdesaster um den Immobilienfonds

Nachdem am vergangenen Wochenende Meldungen über einen Wertberichtigungsbedarf bei Immobilien dieses rund sechs Milliarden Euro schweren Fonds kursierten, gaben zu Wochenbeginn Anleger Fondsanteile im Wert von mehreren hundert Millionen Euro zurück. Um weitere Abflüsse und damit einen Liquiditätsengpaß zu verhindern, beendete die DB Real Estate am Dienstag nachmittag vorübergehend den Handel mit den Anteilen bis zu einer Neubewertung im kommenden Februar - ein rechtlich völlig einwandfreies Verhalten, das es aber in der Geschichte der offenen Immobilienfonds in Deutschland noch nie gegeben hat.

Waren in der Vergangenheit Immobilienfonds in Not geraten, hatten die Mutterbanken mit viel Geld eingegriffen, um die Anteile der verkaufswilligen Anleger aufzunehmen. So konnte eine Schließung dieser Fonds vermieden werden. Das wollten die Strategen in den Doppeltürmen an der Frankfurter Taunusanlage nicht.

Das Vorgehen der Deutschen Bank mag trotz aller heftigen Kritik nicht nur juristisch, sondern auch wirtschaftlich gerechtfertigt sein. Aber so produzierte sie wieder eines jener Kommunikationsdesaster, für die diese Bank ein Patent zu besitzen scheint - und zwar auf der obersten Führungsebene.

Ackermanns Reaktion klingt gut, wirft aber Fragen auf

Nachdem die öffentliche Kritik übermächtig wurde und offenbar auch die staatliche Aufsicht Druck machte, teilte Ackermann am Donnerstag nachmittag unerwartet mit: Privatanlegern, die ihre Anteile am Grundbesitz Invest in den vergangenen zwei Jahren erworben haben, solle "schnell und unbürokratisch" geholfen werden, "um einen fairen Wertausgleich" zu schaffen.

Das klingt zunächst einmal gut, wirft aber die Frage auf: Warum darf nur ein vermutlich kleiner Teil der Anleger von einem "fairen Wertausgleich" profitieren? "Die willkürliche Auswahl eines bestimmten Anlegerkreises ist nicht nachvollziehbar", kritisiert die Geschäftsführerin der Ratingagentur Scope, Alexandra Merz.

An der Basis verlief die Kommunikation noch wunderlicher. Als ein Konkurrent zu Beginn der vergangenen Woche die DB Real Estate anrufen wollte, nahm nach seinen Worten zwei Tage lang niemand den Hörer ab. Als schließlich jemand an den Apparat ging, warf er dann den Hörer einfach wieder wortlos auf die Gabel.

Wilde Spekulationen über das Innenleben der Bank

Kein Wunder, daß in der Branche wilde Spekulationen über das Innenleben der Deutschen Bank kursieren. Die allmächtigen angelsächsischen Investmentbanker steckten hinter der Fondsschließung, lautet ein Gerücht. Falsch, ist dazu bei der Deutschen Bank zu hören. Die Investmentbanker in London und New York hätten mit dem Immobilienfonds nichts zu tun.

Die Deutsche Bank habe den Fonds geschlossen, weil sie in großem Stil Immobilien verkaufen wolle, lautet eine andere Spekulation in der Branche. Sicherlich seien Verkäufe von Immobilien notwendig, um wieder Liquidität für den Fonds zu gewinnen, gibt man zu. Aber gewaltige Verkäufe seien nicht angedacht. Vielleicht sollte Ackermann einmal für klare Verhältnisse sorgen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 18.12.2005, Nr. 50 / Seite 45
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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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