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Banken Die Londoner Banken stellen wieder ein

28.11.2003 ·  Zuerst stellen die Banken zu viele Leute an, dann feuern sie zu viele, klagen Personalvermittler aus der Londoner City. Jetzt wird wieder nach erfahrenen Profis gesucht - teilweise mit hoher Belohnung.

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Die Banken in der Londoner City werden mutiger und stellen neue Leute ein, wenn auch noch in vorsichtigem Maße. Nachdem die große Entlassungswelle ausgestanden scheint, beginnt man nun, "selektiv" wieder die entleerten Büros aufzufüllen, wie es in den Personalabteilungen heißt.

Der Aktienhandel hat schon den Großteil dieses Jahres über floriert. Was noch fehlt, ist der Aufschwung in der Fusions- und Übernahmeberatung. Doch an der besseren Stimmung besteht kein Zweifel. "Zum ersten Mal seit zwei bis drei Jahren sind wir vorsichtig optimistisch", berichtet Calum Forrest, der bei Goldman Sachs für die Einstellungen in Europa zuständig ist.

Absolventen gesucht

Dies schlägt sich vor allem in der Aufnahme von Universitätsabsolventen nieder. Diese war in den mageren Jahren seit 2000 kräftig zurückgefahren worden, wie Forrest bestätigt, bei Goldman Sachs etwa auf eine niedrige dreistellige Zahl. Nun aber dreht sich der Trend. Lehman Brothers will in London für nächstes Jahr die Rekrutierung in Bereichen wie dem Aktien- und Bondhandel um mehr als 50 Prozent erhöhen.

Goldman Sachs will sowohl in London als auch in Frankfurt rund 25 Prozent mehr junge Leute einstellen, und auch bei Merrill Lynch soll die Aufnahmerate der Uni-Abgänger "wesentlich" steigen, berichtet ein Banksprecher. Bei Morgan Stanley sollen nach eigenen Angaben bis zum kommenden Herbst 150 junge Einsteiger verpflichtet werden - verglichen mit 105 in diesem Jahr. Alle Banken berichten auch, daß sie wieder mehr Personen mit einem fortgeschrittenen Betriebswirtschaftsabschluß (MBA) und einigen Jahren Berufserfahrung aufnehmen wollen.

Herdenmentalität der Banken

Auch die Personalvermittler sprechen von höherer Nachfrage. "Viele Banken haben ihre Einstellungsstopps aufgehoben. Die Zahl der Anfragen hat sich bei uns seit dem ersten Halbjahr um 50 Prozent gesteigert", berichtet Patrick Field, geschäftsführender Direktor bei Hanover Search & Selection in London. Er sieht wieder den alten Zyklus in der City am Werke: Zuerst stellen die Banken zu viele Leute an, dann feuern sie zu viele. "Da ist immer wieder eine Herdenmentalität zu beobachten", meint er.

Wenn der FTSE-100 in naher Zukunft auf 5.000 Punkte steigen sollte - derzeit notiert er bei rund 4.400 - dann würde wieder die hektische Suche nach gutem Personal einsetzen. "Sind dann genug dieser Leute verfügbar? Ich glaube nicht." Mehr erfahrene Banker hätten von den Abfindungsprogrammen der Banken Gebrauch gemacht, als erwartet worden war. Einige gründeten ihre eigenen Boutiquen, andere verließen die City ganz, um beruflich zu neuen Ufern aufzubrechen. Lehman Brothers in London belohnt inzwischen jeden Angestellten mit 10.000 Dollar, der die Vermittlung eines geeigneten Kandidaten einleitet.

Das Centre for Economics and Business Research schätzt, daß die Beschäftigungszahl in der City im kommenden Jahr von 302.000 auf 305.000 steigen werde. 2005 soll sie mehr als 310.000 betragen. Der Job-Höchststand vom dritten Quartal 2001 von 326.000 Stellen werde aber erst 2007 erreicht, sagt das Institut voraus. Auch Analysten bestätigen den Trend zu mehr Einstellungen: "Seit zwei Monaten steigt die Kopfzahl in den Investmentbanken, sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Europa", sagt Marc Rubinstein von CSFB.

Höhere Gehälter erwartet

Die höhere Nachfrage führt in der Tendenz auch zu einer höheren Vergütung. Die Personalberatungsfirma Armstrong International erwartet, daß die Boni in der Londoner City in diesem Jahr um durchschnittlich zehn bis 20 Prozent klettern werden. Mit höheren Zuwächsen könnten die Abteilungen des Anleihe-Handels, des Aktienderivate-Handels sowie die für Hedgefonds, Bonds und Aktien zuständigen Vertriebs- und Marketingleute rechnen. Einige geschäftsführende Direktoren (Managing directors) im Zinshandel könnten auf Jahresboni von mehr als 5 Millionen Dollar hoffen. Dies seien allerdings Einzelfälle.

Die Banken müßten sich jetzt verstärkt um die unteren Hierarchieebenen kümmern, die in der jüngeren Vergangenheit weitgehend leer ausgingen, meint Armstrong-Partner Aidan Kennedy. Bei amerikanischen Unternehmen etwa könnten etliche Vizepräsidenten und Associates mit Boni zwischen 100.000 und 400.000 Dollar rechnen. Der komplette Ausfall der Boni sei dagegen anders als in den Vorjahren nicht zu erwarten. So können auch die Einsteiger im Investmentbanking wieder auf eine Aufstockung des Gehalts hoffen. Nach Umfragen in der City liegt ihr Grundgehalt häufig bei rund 35.000 Pfund, rund 50.000 Euro, und der Bonus im ersten Jahr bei 4.000 bis 5.000 Pfund.

Quelle: chs., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2003, Nr. 277 / Seite 19
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