19.02.2003 · Nach der Commerzbank zeigt auch die Hypo-Vereinsbank erstmals in ihrer Unternehmensgeschichte einen Jahresverlust. Die deutschen Banken sind die Schlußlichter in Europa. Die Dresdner dürfte noch schlechter abschneiden.
Nach der Commerzbank zeigt auch die Hypo-Vereinsbank erstmals in ihrer Unternehmensgeschichte einen Jahresverlust. Das Münchner Kreditinstitut weist für 2002 einen Fehlbetrag von 858 Millionen Euro aus. Der Verlust ist damit mehr als doppelt so hoch wie der der Commerzbank. Der höchste Verlust einer deutschen Bank dürfte allerdings erst am 20. März vorgelegt werden, wenn die Allianz, die Muttergesellschaft der Dresdner Bank, ihre Zahlen präsentieren wird. Nach Ablauf von neun Monaten hatte die Bank schon einen Verlust von 2 Milliarden Euro zum Konzernergebnis beigesteuert.
Manche Banken leiden mehr . . .
Rein operativ dürften im Schlußquartal des vergangenen Jahres fast alle deutschen Großbanken rote Zahlen geschrieben haben. Selbst die Deutsche Bank hatte zwar unlängst einen kleinen Vorsteuergewinn von 237 Millionen Euro gezeigt. Dieser wurde aber durch Einmalerträge begünstigt. Auch die bisher bekannt gewordenen Zahlen der Spitzeninstitute aus dem Sparkassen- und Genossenschaftslager passen in dieses trübe Bild: Die DZ Bank und die Bayerische Landesbank Girozentrale müßten für das Gesamtjahr 2002 Verluste ausweisen, wenn sie nicht Bewertungsreserven gehoben und Beteiligungen verkauft hätten.
. . . andere weniger
Das schlechte Abschneiden der deutschen Großbanken steht in starkem Kontrast zu den bisher vorgelegten Ergebnissen anderer europäischer Kreditinstitute. Abgesehen von der Schweizerischen Credit Suisse Group, die aufgrund der Flaute im Investmentbanking und wegen hoher Wertpapierverluste bei dem Versicherer Winterthur einen hohen Milliardenverlust meldete, liegen die Gewinneinbußen der großen ausländischen Banken in der Regel im niedrigen zweistelligen Bereich. Das gilt für die schweizerische UBS, die beiden französischen Großbanken BNP Paribas und Société Générale wie auch die britischen Filialbanken Barclays und Lloyds TSB. Die holländische ABN Amro hat ihr Ergebnis im vergangenen Jahr sogar behauptet.
Zwar leiden alle Banken unter dem schwachen Aktienmärkten. Im europäischen Ausland ist aber wenigstens das Filialbankgeschäft meist hochprofitabel und gibt damit auch in einem schlechten Kapitalmarktumfeld Rückhalt. Dies liegt vor allem daran, daß die Konsolidierung der Bankenlandschaft in Ländern wie Frankreich und Großbritannien schon viel weiter vorangeschritten ist und auch noch voranschreitet, wie die geplante Übernahme der Crédit Lyonnais durch die BNP Paribas signalisiert. In Großbritannien entfallen beispielsweise 3800 Kunden auf eine Bankfiliale, was sich mit durchschnittlich 1400 Kunden je Filiale in Deutschland vergleicht. Dieses strukturelle Problem der deutschen Bankenlandschaft war in den Vorjahren von der Kapitalmarkthausse verdeckt worden. Aus dem Wertpapiergeschäft kam seinerzeit ein Großteil der Gewinne.
Kreditbücher belasten
Über das kostenträchtige Filialnetz hinaus sind die großen Kreditbücher der deutschen Institute eine große Belastung. In einem Jahr, das Deutschland einen Insolvenzrekord beschert hat, legte die Hypo-Vereinsbank einen Rekordbetrag von 3,8 Milliarden Euro für Risikovorsorge auf die Seite. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank bildete Rückstellungen von 2,1 Milliarden Euro, bei der Commerzbank sind es 1,3 Milliarden Euro. Bei der Hypo-Vereinsbank, die das größte Kreditbuch in Europa hat, heißt es, daß für 2003 "ohne Unterstützung von Börse und Konjunktur" eine Risikovorsorge von rund 3 Milliarden Euro erwartet werde. Für das laufende Quartal werden zudem schwarze Zahlen in Aussicht gestellt. Aufgrund des Verlustes und der dünnen Eigenkapitaldecke - die Kernkapitalquote liegt nur noch bei 5,6 Prozent - verzichtet die Bank erstmals seit mehr als 50 Jahren auf die Ausschüttung einer Dividende. Im Vorjahr waren noch 85 Cent je Aktie gezahlt worden. Die Commerzbank hat dagegen ihre Dividende von 40 Cent auf 10 Cent je Aktie zurückgenommen. (dri.)
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.397,99 | +1,54% |
| Dow Jones | 12.599,70 | +1,16% |
| EUR/USD | 1,2523 | −0,15% |
| Rohöl Brent Crude | 107,49 $ | +0,21% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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