22.12.2002 · Die deutschen Kreditinstitute haben 2002 als schwierigstes Geschäftsjahr seit Kriegsende zu den Akten gelegt. Die Erwartungen für 2003 halten sie niedrig.
Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller dämpfte jüngst bereits die Hoffnungen auf eine baldige Trendwende im Bankengewerbe. Vor 2004 seien für sein Haus keine guten Zahlen zu erwarten, sagte er. Der Ende April scheidende Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle sprach im November gar davon, es werde noch Jahre dauern, bis die Zahlen des Konzerns, der sich mit der Übernahme der Dresdner Bank eine Milliardenlast aufgeladen hat, wieder besser aussehen.
Der Pessimismus ist angebracht, denn zumindest auf der Ertragsseite spricht nichts für eine Verbesserung der Situation im kommenden Jahr. Die Wachstumsprognosen der Konjunkturforscher sind alles andere als üppig. Dazu kommt die von vielen als hemmend angesehene wirtschaftspolitische Agenda der Bundesregierung und die Angst vor einem Irak-Krieg.
Druck auf die Ratings bleibt bestehen
„Die Ertragsprobleme sind kurzfristig nicht zu beheben", sagt Analyst Stefan Best von der Rating-Agentur Standard & Poor's. Die Höhe der Risikovorsorge lasse sich für das kommende Jahr kaum vorhersehen. Daher könnten die Banken zunächst nur mit Kostensenkungen, einer risikoadäquaten Preispolitik und einem stringenten Risikomanagement ihre Ergebnisse verbessern. Best sieht die Liquidität des deutschen Bankensektors nicht unmittelbar bedroht, Rückschläge bei der Restrukturierung würden jedoch weiteren Druck auf die bereits gesenkten Ratings ausüben.
Unter der schwachen Konjunktur leiden wird wohl auch die Königsdisziplin des Investmentbankings - das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen: „Die Planungsunsicherheit von politischer Seite und die schwierige wirtschaftliche Lage führen zu einer geringen Entscheidungsfreude bei Käufern wie Verkäufern", sagt Christopher Dill, Geschäftsführer von M&A International. „Derzeit gibt es zwar eine Menge Gespräche, aber die Abbruchrate ist sehr hoch. Oft kann man sich nicht auf den Preis einigen.“
Deutsche Bank veräußert Industriebeteiligungen
Die vier deutschen Großbanken, seit dem dritten Quartal allesamt in den roten Zahlen, suchen ganz unterschiedliche Wege aus der Krise. Die Deutsche Bank baut ihre umfangreichen Industriebeteiligungen zügig ab und fährt damit auch in den derzeit schwachen Börsenzeiten beachtliche - aber eben einmalige - Gewinne ein. Bankchef Josef Ackermann weiß jedoch, dass das Tafelsilber irgendwann zur Neige geht und die einzige deutsche Großbank von Weltformat vor allem eines braucht, um in der ersten Liga zu bestehen: die weltweiten Kapitalmärkte müssen spätestens im zweiten Halbjahr wieder in Schwung kommen, damit die Bank ihre Kapazitäten im Handelsgeschäft und dem Investmentbanking auch ausspielen kann.
HVB mit Konzentration auf das Kerngeschäft
Die HypoVereinsbank(HVB) wird sich zumindest nach außen im nächsten Jahr am deutlichsten wandeln: Deutschlands zweitgrößte Bank setzt künftig nur noch auf ihr Kerngeschäft mit Privat- und Mittelstandskunden und wird bis Ende 2003 die Hypothekenbank-Beteiligungen in einem rechtlich eigenständigen Immobilienbank-Konzern von der HVB-Group abspalten. In den nächsten Monaten wird der verjüngte Vorstand um Dieter Rampl zunächst darüber brüten, wie er am Markt das notwendige Startkapital bekommen, damit die Immobilienbank am Markt auch konkurrenzfähig wird.
Commerzbank als widerspenstige Braut
Ob dann möglicherweise 2003 der viel diskutierte Zusammenschluss der HVB mit der Commerzbank kommt, hängt nicht nur von der Münchener Rückversicherung als Großaktionär beider Häuser ab, sondern in erster Linie von der Geschäftslage der zwei Banken: Aus einer Position der Schwäche wird Commerzbank-Chef Müller sein Haus nicht in eine Vernunftehe mit den Bayern führen. Außerdem wäre der Münchener Rück auch nicht mit einem kränkelnden Bankenriesen in den Büchern gedient, egal wie verlockend das dann dichte Vertriebsnetz für die Produkte des ebenfalls zum Konzern gehörenden Erstversicherers Ergo wäre.
Dresdner Bank im Hause der Allianz
Die Dresdner Bank ist zwar schon im Sommer 2001 unter das Dach der Allianz geschlüpft, aber wegen der Milliardenverluste wird das Geldinstitut nach Ansicht von Analysten im nächsten Jahr noch mehr an eigener Identität verlieren. Dem designierten Allianz-Chef Michael Diekmann wird ein recht distanziertes Verhältnis zu Dresdner-Chef Bernd Fahrholz nachgesagt. Falls dieser den Verlustbringer Dresdner Kleinwort Wasserstein nicht bis Mitte 2003 auf einen profitablen Weg bringt, steht die Investmentbank wohl ebenso zur Disposition wie Fahrholz selbst.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.397,99 | +1,54% |
| Dow Jones | 12.599,70 | +1,16% |
| EUR/USD | 1,2523 | −0,15% |
| Rohöl Brent Crude | 107,49 $ | +0,21% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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