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Banken Deutsche Bank enttäuscht

07.02.2003 ·  Dank Beteilungsverkäufen hat die Deutsche Bank ihren Vorsteuergewinn im vergangenen Jahr auf 3,5 Milliarden Euro verdoppelt. Im Kerngeschäft aber litt der Marktführer unter der Wirtschaftsflaute. Der Jahresabschluss blieb daher unter den Erwartungen von Analysten.

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Die Deutsche Bank AG hat im vergangenen Jahr ihr Ergebnis vor Steuern mit 3,5 Milliarden Euro fast verdoppelt. Der Überschuss stieg auf 397 Millionen Euro von 167 Millionen Euro im Jahr davor. Dennoch blieb die größte deutsche Bank unter den Erwartungen der Analysten. Die Anteilseigner sollen für 2002 eine unveränderte Dividende von 1,30 Euro pro Aktie erhalten.

Am Freitag nach Veröffentlichung der Bilanzdaten gaben Deutsche-Bank-Aktien deutlich nach.

Die Deutsche Bank hat ihre Lage in den vergangenen Monaten mit zahlreichen Beteiligungsverkäufen aufgebessert und auch Randaktivitäten wie die Wertpapierverwahrung abgestoßen. Der Ertrag aus Beteiligungsverkäufen lag 2002 bei 3,5 Milliarden Euro - gerade so hoch wie der Vorsteuergewinn.

Im operativen Geschäft hat die Bank die Wirtschaftsflaute und die schwachen Aktienmärkte deutlich zu spüren bekommen. Bereinigt um die Beteiligungsverkäufe und andere Sonderfaktoren verringerte sich das Vorsteuerergebnis um 15 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Der Zinsüberschuss sank um 16 Prozent, das Ergebnis im Eigenhandel um ein Drittel auf vier Milliarden Euro.

Die Deutsche Bank zählt in Europa zu den kaum profitablen Banken. Die Eigenkapitalrendite lag 2001 bei 1,1 Prozent, nach 2,3 Prozent im Vorjahr. Die größte schweizerische Bank, UBS, wies per September eine Rendite von 11,2 Prozent auf. Die britische HSBC meldete im Sommer 2002 eine Rendite von 23,3 Prozent.

Ackermann: „2003 beginnt gut“

Für das laufende Jahr ist die Deutsche Bank sehr optimistisch gestimmt. Vorstandssprecher Josef Ackermann, der seit Mai 2002 im Amt ist, sagte auf der Jahrespressekonferenz, die Geschäfte im Januar seien „ermutigend“ verlaufen. Die Bereiche hätten im Januar 2003 besser abgeschnitten als ein Jahr zuvor.

Ackermann bestätigte, dass die Bank angesichts der derzeitigen Kapitalmarktbedingungen ihre Beteiligungsverkäufe zunächst nicht fortsetzen wolle. „Wir haben nicht mehr die Möglichkeit, irgendwelches Tafelsilber zu verkaufen.“ Die Bank wolle operativ leistungsfähig sein.

Sein Haus wolle zunächst keine aktive Rolle in einer Konsolidierung des deutschen Bankensektors übernehmen, betonte Ackermann. Die Deutsche Bank sei gut aufgestellt und habe eine gute Marktposition. Im Moment sei nicht die Zeit, an große Fusionen zu denken.

Kostensenker am Werk

Die Bank hebt hervor, dass es ihr gelungen sei, die Kosten stärker zu verringern als die Erträge fielen. Börsen- und Konjunkturflaute ließen zwar die bereinigten Erträge um zehn Prozent auf 22,8 Milliarden Euro sinken. Die „operative Kostenbasis“ sei aber um 14 Prozent auf 19 Milliarden Euro gesunken.

Laut Ackermann verbesserte sich die bereinigte Aufwands-Ertrags-Relation im vergangenen Jahr auf 83 von 87 Prozent. Er bezeichnete auch dieses Verhältnis als zu hoch.

Zum laufenden Stellenabbau sagt Ackermann, rund 80 Prozent oder rund 11.000 der 14.000 Stellen, die bis Ende 2003 wegfallen sollen, seien bereits gestrichen. Die notwendigen Maßnahmen seien mit dem Betriebsrat soweit nötig vereinbart. „Arbeitswirksam“ zählte die Bank im vergangenen Jahr 77.442 Mitarbeiter.

„In Deutschland werden wir wie bekannt nicht mehr als 3.000 Stellenstreichungen in diesem Jahr vornehmen", sagte Personalvorstand Tessen von Heydebreck am Freitag.

Kreditvorsorge verdoppelt

Ackermann ist zuversichtlich, dass die Kreditvorsorge im dritten Quartal 2002 ihren Höhepunkt überschritten habe. Angesichts der Wirtschaftsschwäche sorgen sich derzeit alle Banken um die Qualität ihres Kreditportfolio und belasten ihre Bilanzen mit Risikovorsorge. Für dieses Jahr wird ein weiterer Insolvenzrekord in Europa erwartet.

Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft der Deutschen Bank lag im vierten Quartal bei 423 Millionen Euro, nach 790 Millionen Euro im dritten Quartal. Im Gesamtjahr 2002 lag die Risikovorsorge bei 2,1 Milliarden Euro. Das war gut doppelt so hoch wie noch 2001 und belastete das Ergebnis schwer. „Die Problemkredite sind gut abgedeckt“, sagte Ackermann.

Private versus Investmentbanking

Die Bank zeigte sich zufrieden, dass der Bereich der privaten Kunden und der Vermögensverwaltung einen guten Abschluss erzielte. Das Ergebnis vor Steuern stieg hier von einem Minus von 105 Millionen Euro im Jahr 2001 auf plus 1,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Dabei lässt das Geschäft mit den vermögenden Privatkunden (Private Banking), das Ackermann als ein Standbein identifiziert hat, aber noch zu wünschen übrig. Das Ergebnis vor Steuern fiel hier von 135 auf 87 Millionen Euro.

Wie angesichts der Wirtschaftsflaute erwartet, hat dagegen das Geschäft mit Krediten und im Investmentbanking deutlich nachgelassen. Das Ergebnis vor Steuern fiel hier von 2 Milliarden auf 689 Millionen Euro.

Viertes Quartal enttäuscht

Für das vierte Quartal weist die Deutsche Bank nach einem Verlust vor Steuern von 1,1 Milliarden Euro im Vorjahr wieder einen Vorsteuergewinn von 237 Millionen Euro aus. Dennoch verfehlte das Institut auch hier die Konsensprognose von 299 Millionen Euro.

Die Bank enttäuschte zum Jahresschluss die Analysten vor allem wegen eines schwächeren Ergebnis im Eigenhandel. Außerdem standen Gewinnen aus Anteilsverkäufen von gut 530 Millionen Euro Abschreibungen auf noch vorhandene Beteiligungen von 612 Millionen Euro gegenüber.

So hat die Bank seinen seit knapp einem Jahr zum Verkauf stehenden 34,5-prozentigen Anteil am Versicherungskonzern Gerling im vierten Quartal um weitere rund 180 Millionen Euro abgeschrieben. Gerling stehe jetzt nur noch mit knapp 500 Millionen Euro in den Büchern, sagte ein Sprecher.

Den Buchwert ihrer Kabelnetz-Tochter Telecolumbus, die demnächst verkauft werden soll, habe die Bank um etwa 200 Millionen Euro reduziert.

Die Gewinne resultierten den Angaben zufolge aus den Verkäufen der Beteiligungen an Continental, der Deutschen Börse und Buderus sowie dem Anteilsabbau an Südzucker.

Aktienrückkauf läuft

Im Rahmen ihres Aktienrückkaufprogramms hat die Bank bislang 38 Millionen Aktien erworben. Ackermann sagte, die Titel seien zu einem Durchschnittspreis von 54 Euro zurückgekauft worden. Im vergangenen Jahr hatte sich das Institut von seinen Aktionären einen Rückkauf eigener Aktien von rund zehn Prozent des Grundkapitals oder rund 62 Millionen Stück genehmigen lassen. Damit hat die Bank derzeit rund 61 Prozent des genehmigten Volumens ausgeschöpft.

Analysten hoben in der Bewertung des Ergebnis der Deutschen Bank hervor, dass die Zahlen im Vergleich zur Commerzbank „wie Tag und Nacht aussähen“. Die Commerzbank hatte am Mittwoch für 2002 einen Verlust von 298 Millionen Euro gemeldet.

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Von Heike Göbel

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