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Banken Commerzbank fährt Verlust ein

05.02.2003 ·  Die Commerzbank schließt 2002 mit einem Verlust von 298 Millionen Euro ab. Als Geste an die Aktionäre soll eine Dividende von 10 Cent pro Aktie gezahlt werden. Chef Klaus-Peter Müller will die Kosten weiter senken.

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Die Commerzbank hat das Geschäftsjahr 2002 nach vorläufigen Zahlen mit einem Verlust abgeschlossen. Das Vorsteuerergebnis der drittgrößten deutschen Privatbank lag bei minus 372 Millionen Euro. Der Verlust belief sich auf 298 Millionen Euro. Für die Commerzbank ist es der erste Verlust seit Jahrzehnten.

Trotz des schlechten Ergebnis will Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller eine Dividende von 10 Cent je Aktie vorschlagen - „als Geste an die Aktionäre“. Im vergangenen Jahr schüttete die Commerzbank eine Dividende von 40 Cent pro Aktie aus, bei einem Vorsteuerergebnis von 43 Millionen Euro.

Für das laufende Jahr erwartet die Bank wieder einen Gewinn. „Wir schaffen 2003 den Turnaround, wenn nicht die gesamte Wirtschaft kollabiert und die Risiken völlig aus dem Ruder laufen,“ sagte Müller. Für eine Gewinnschätzung aber sei es noch zu früh.

Konzentration auf Kerngeschäft

Insgesamt will sich das Institut stärker auf seine Kerngeschäftsfelder des Filial- und Firmenkundengeschäfts konzentrieren, nachdem es seine außereuropäischen Aktivitäten im Investmentbanking schon deutlich zurückgefahren hat. Müller kündigte an, den Verkauf von nichtstrategischen Beteiligungen im Finanz- wie im Industriebereich „aktiv voranzutreiben". Damit soll auch das Geld für eventuelle Zukäufe erlöst werden, die die Vertriebsbasis vergrößern könnten.

Die Commerzbank leidet wie alle deutschen Banken unter der Wirtschaftsflaute und der Börsenkrise. So blieben der Zins- und Provisionsüberschuss und vor allem der Eigenhandel hinter den Vorjahrsergebnissen zurück. Grund für den Verlust im - so Müller - „Jahr des Schreckens“ waren zudem deutlich höhere Rückstellungen für möglicherweise faule Kredite sowie Wertberichtigungen bei Beteiligungen.

Der Verlust wäre 2002 noch höher ausgefallen, hätte die Commerzbank im vierten Quartal nicht ihren 3,9-prozentigen Anteil an der französischen Bank Credit Lyonnais verkauft. Daraus hat die Commerzbank 386 Millionen Euro erlöst.

Die vorläufigen Zahlen hat die Commerzbank am Mittwoch bekannt gegeben. Die Daten entsprechen grosso modo den Zahlen, die schon am Montagabend über die Nachrichtenagentur Reuters durchgesickert waren.

Hoher Restrukturierungsaufwand

Das vierte Quartal mit einem Konzernverlust von 417 Millionen Euro vor Steuern hat der Commerzbank die Jahresbilanz verhagelt. Dabei hat die Bank hohen Restrukturierungsaufwand im Schlussquartal gebucht. Das sollte sich entlastend auf die Ergebnisse im laufenden Jahr auswirken. Weitere Rückstellungen für Restrukturierungen aber sind schon geplant.

Insolvenzwelle belastet

Gleichzeitig hat die Insolvenzwelle eine kräftige Aufstockung der Risikovorsorge erfordert. Die Risikovorsorge entspricht mit 1,32 Milliarden Euro genau den Ankündigungen. Müller sagte: „Wir haben unsere Risiken im Griff.“ Im Vorjahr hatte die Bank 927 Millionen Euro für faule Kredite zurückgestellt. Müller geht davon aus, dass der Höhepunkt der Insolvenzkurve in Deutschland 2002 erreicht worden sei. Dies werde der Bank dabei helfen, die Risikovorsorge zu senken.

Ziel sei es, die Risikovorsorgequote in den kommenden Jahren „signifikant zu drücken“. Das solle aber nicht durch Kreditverweigerung erreicht werden, sagte Müller. Allerdings sei auch das „Gießkannenprinzip“ früherer Jahre vergangen. Ziel der Bank sei eine risikobewusste Kreditversorgung des Mittelstands. 2002 war die Risikovorsorgequote auf 0,76 Prozent nach 0,39 Prozent gestiegen.

Erfolge bei Kostensenkung

Erfolge verzeichnete das Frankfurter Institut dagegen bei den Kostensenkungen. Der Verwaltungsaufwand lag mit 5,15 Milliarden Euro um zwölf Prozent niedriger als 2001. Damit sei das ursprünglich anvisierte Ziel von 5,5 Milliarden Euro übertroffen worden, hieß es. Im laufenden Jahr will Müller die Kosten nun unter fünf Millionen Euro drücken, bis Ende 2004 auf 4,5 Milliarden Euro.

Weiterer Stellenabbau

Wenn auch die Priorität bei den Sachkosten liegen soll, sei weiterer Stellenabbau nicht zu vermeiden, sagte Finanzvorstand Axel von Ruedorffer zu Personallabbau führen. Bis Ende März sollen die einzelnen Maßnamen klar sein.

Schon im Herbst hatte die Bank ein neues Sparpaket geschnürt, mit dem die Kosten 2003 um zehn Prozent gedrückt werden sollen. Gerüchten zufolge ist dabei ein weiterer Abbau von bis zu 2.000 Stellen möglich. Müller wollte keine Zahl nennen. Bislang will die Bank 4.300 der weltweit knapp 40.000 Stellen streichen.

Analystenlob und -zweifel

„Die Kosten scheinen wirklich im Griff zu sein und auch der Anstieg der Kernkapitalquote ist positiv. Die Ertragsseite war aber sehr schwach, dabei fällt insbesondere der Provisions- und Zinsüberschuss ins Auge", sagte Georg Kanders von WestLB Panmure. Außerdem gehe er davon aus, dass die Bank ihr Ziel erreicht und im Jahresverlauf wieder schwarze Zahlen schreibt. Sein Rating lässt Kanders angesichts des niedrigen Aktienkurses bei „outperform".

Dagegen hegt die Rating-Agentur Standard & Poor's Zweifel am Ziel der Commerzbank, 2003 wieder schwarze Zahlen zu schreiben: „Die Bank wird es sehr schwer haben, 2003 wieder profitabel zu werden", sagte S&P-Analyst Stefan Best. Allerdings sei es noch zu früh, Aussagen über die Rating-Entwicklung der Commerzbank zu machen. S&P hatte das Langfrist-Rating der Commerzbank Anfang Oktober auf „A-“ von „A“ gesenkt.

Finanzaufsicht ermittelt

Die vorläufigen Zahlen der Commerzbank waren schon am Montagabend durchgesickert; die Nachrichtenagentur Reuters hatte schon wie öfters zuvor ein Leck erfolgreich angezapft. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat die Ermittlungen aufgenommen. Sollte sie einen Verstoß gegen die Pflicht zu Ad-Hoc-Mitteilungen erkennen, droht der Commerzbank eine Geldbuße von bis zu 1,5 Millionen Euro.

Müller bezeichnete die Vorgänge als „beschämende Indiskretionen“ und „Riesensauerei“. Bereits zum dritten Mal in Folge waren Zahlen der Bank vor der offiziellen Veröffentlichung unbestätigt im Markt kursiert. Die Commerzbank werde „jede Maßnahme“ ergreifen, um die Lücke zu finden. Zugleich stellte Müller klar, dass die Bank die Informationslöcher nicht strategisch nutze.

Schon im August 2002 hatte die Bafin in einem ähnlichen Fall gegen die Commerzbank ermittelt. Damals aber war sie zum Schluss gekommen, dass kein Verstoß vorliege, weil die durchgesickerten Daten im Rahmen der Erwartungen lagen und somit nicht kursrelevant gewesen seien. Die am Montag vorab bekannt gewordenen Daten aber waren schlechter als die Markterwartungen.

Absage an Fusionsgerüchte

Gerüchten, die Commerzbank könne in absehbarer Zeit mit der Hypo-Vereinsbank fusionieren, erteilte Müller erneut eine klare Absage: „Wir verschwenden unsere Zeit nicht mit Teil- oder Komplettfusionen", sagte Müller.

Für die Commerzbank ist der Verlust im vergangenen Jahr der erste Verlust seit Jahrzehnten. Allerdings ist der heute verwendete IAS-Rechnungslegungsstandard nicht mit dem früher verwendeten HGB-Regeln vergleichbar, so dass der historische Vergleich hinkt.

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