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Banken Bankentürme im Krisennebel

09.10.2002 ·  Bankaktien auf Talfahrt und immer neue Sparrunden - doch von einer dramatischen Lage im Kreditgewerbe wollen die Banker nicht sprechen.

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Fast täglich führen die Bankaktien derzeit die Verliererlisten im Dax an. Von einer Krise wollen Top-Banker, Wissenschaftler und die Finanzsicht allerdings nicht sprechen. Mit der Situation in Japan sei die Situation keinesfalls zu vergleichen, sind sie sich einig.

„Wir haben in Deutschland keine Krise des Bankensystems", sagte Präsident des Bundesverbands der deutschen Banken und Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Rolf Breuer. „Es gibt auch keine Liquiditätskrise und auch keinen Anlass, eine solche zu befürchten.“ Er gehe überdies davon aus, dass die Banken auch weiterhin in angemessener Form in der Lage sein werden, Kredite an ihre Kunden auszureichen. Ein Kreditengpass (Credit Crunch) sei nicht zu erwarten.

Ein Branchenphänomen, keine Krise

Die deutschen Banken steckten allerdings in einer Ertragskrise, zu der unter anderem die schlechte Konjunktur beitrage. „Das ist ein Branchenphänomen und betrifft nicht nur die privaten Banken, sondern auch den öffentlich-rechtlichen Sektor und die genossenschaftlichen Institute", sagte Breuer. Auch nach Einschätzung von Professor Wolfgang Gerke vom Lehrstuhl für Bank- und Börsenwesen an der Univerisät Erlangen-Nürnberg befinden sich die deutschen Kreditinstitute nicht in einer existenziellen Systemkrise.

Überkapazitäten und zu hohe Kosten bei den deutschen Banken

Auf weiteres Abspecken müssen sich die Banker allerdings einstellen. „Alle Banken haben zu große Kosten im Zweigstellenbereich. Dazu kommen sehr wohl Überkapazitäten im Investmentbanking, das zu hoch eingeschätzt worden war, jetzt zeigt sich, dass diese Sparte ein sehr zyklisches Geschäft ist“, so Bankenexperte Gerke. Grundsätzlich hätten die deutschen Kreditinstitute in guten Zeiten nicht auf die entsprechenden Returns on Equity geachtet, sondern zu sehr auf das Bilanzsummenwachstums als auf die Rentabilität geschaut.

Auch Deutsche-Bank-Aufsichtsrat Breuer geht von zusätzlichen Kürzungen aus. „Wir sind im Bankenbereich auf längerer Sicht überbesetzt. Im Hinblick auf den Zeitraum von mehreren Jahren würde ich sagen, dass das Ende nicht erreicht ist.“ Breuer warnte aber davor, in Kosteneinsparungen das alleinige Heilmittel für die derzeitige Krise zu sehen. Die Banken müssten vor allem ihre Ertragssituation verbessern.

Deutsche Bank und Commerzbank auf Talfahrt

Besonders unter Druck geraten waren in den vergangenen Tagen die Aktien der Deutschen Bank wie der Commerzbank. Die Deutsche Bank stehe als Einzelwert wie kein anderer Titel als Symbol für die Deutschland AG, hieß es von Händlern. Wenn sich ausländische Investoren aus dem hiesigen Markt zurückziehen, werden eben zuallererst Deutsche-Bank-Aktien verkauft, wie ein Beobachter formulierte.

Bei der Commerzbank reißen die Spekulationen um Liquiditätsprobleme, unerwartet hohe Verluste in einem Geschäftsbereich und eine zu niedrige Kernkapitalquote nicht ab und treiben die Aktie auf immer neue Tiefststände. Beobachter vermuten, dass hinter der Summe der Ereignisse um die Commerzbank durchaus ein konkretes Interesse stehen könnte. „Das sieht verdächtig so aus, als wolle jemand die Commerzbank übernahmereif schießen“, hieß es in Finanzkreisen.

Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) hat sich vehement gegen den Eindruck einer drohenden Krise im Kreditgewerbe ausgesprochen. Von einer Zuspitzung der Lage im deutschen Bankenwesen könne keine Rede sein, betonte der Vizepräsident der Behörde, Karl-Burkhard Caspari. Es gebe keinen Grund zu der Annahme, die betroffenen Banken könnten die internationalen Eigenkapitalstandards zum Jahresende nicht einhalten. Ihm fehle jedes Verständnis für die gegenwärtige Übertreibung des Marktes.

Unterschied zwischen Japan und Deutschland

Vor allem wandten sich die Finanzexperten gegen einen Vergleich mit der Situation in Japan. Trotz seiner schwierigen Wirtschaftslage steht Deutschland nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln immer noch deutlich besser da als das von hohen Vermögensverlusten gebeutelte Japan. Im Gegensatz zu dem „asiatischen Patienten“ müsse die Bundesrepublik nicht mit dem Platzen einer Spekulationsblase an den Aktien- und Immobilienmärkten fertig werden. In Japan seien die dadurch entstandenen Vermögensverluste auf das Doppelte des Bruttoinlandsprodukts gewachsen.

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Von Johannes Ritter

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