Fünf deutsche Großbanken wollen über eine gemeinschaftliche Initiative ihre Kreditrisiken verringern und damit Eigenkapital freisetzen. Mit Hilfe der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist die Verbriefung von Unternehmenskrediten in zweistelliger Milliardenhöhe geplant. Zu diesem Zweck soll ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet werden, an der neben der KfW die Deutsche Bank, die Dresdner Bank, die DZ Bank, die Commerzbank und die Hypo-Vereinsbank beteiligt sein werden. Details der Absichtserklärung sollen an diesem Mittwoch bei einer Pressekonfenrenz in Frankfurt veröffentlicht werden.
Mit der Verbriefung soll der Umfang der Kreditbücher und damit der Bankbilanzen reduziert werden. In Finanzkreisen wird von einem Verbriefungsvolumen von bis zu 50 Milliarden Euro gesprochen, für dessen Plazierung am Kapitalmarkt ein Zeitraum von mehreren Jahren anzusetzen sei. Durch diese Bilanzverkürzung können die beteiligten Geschäftsbanken die Bindung von regulatorischem Eigenkapital reduzieren. Der Umfang dieser Eigenkapitalentlastung hält sich allerdings in engen Grenzen. In Marktkreisen wird für die erste gemeinsame Transaktion ein Verbriefungs-Volumen von mindestens einer Milliarde Euro erwartet. Im Lauf des ersten Jahres könne sich das gesamte Volumen auf einen zweistelligen Millardenbetrag erhöhen.
„Rein marktmäßige Mittel“
Die Vermutung, daß es sich um eine staatliche Hilfe für die angeschlagene Bankenbranche handeln könnte, wurde von einem Sprecher des Bundesfinanzministeriums zurückgewiesen. Es gehe nicht um notleidende Kredite, sagte er. Vielmehr werden bei dem jetzigen Plan nur Kredite mit guter Bonitätseinstufung aus den Bankbilanzen herausgenommen. Ein KfW-Sprecher sagte aber, es handele sich bei der geplanten Aktion nicht um eine Initiative der Bundesregierung zur Stützung der Banken. Vielmehr sei es eine Initiative der Banken, die mit „rein marktmäßigen Mitteln ein neues Segment des Verbriefungsmarktes erschließen wollten".
Aus Finanzkreisen war zu erfahren, daß die sechs Institute an der gemeinsamen Verbriefungsgesellschaft zu gleichen Anteilen beteiligt seien. Diese werde aber keine Risiken in ihre Bücher nehmen, sondern sie am Kapitalmarkt plazieren. Daher würden auch keine Risiken von der KfW übernommen, hieß es bei der KfW. Die gemeinsame Gesellschaft könnte von der geplanten Gewerbesteuerbefreiung für solche Zweckgesellschaften profitieren.
Keine „Bad Bank“
Der jetzige Plan ist nicht gleichzusetzen mit der sogenannten "Bad Bank", bei der notleidende Kredite mit einer staatlichen Garantieerklärung versehen und in eine eigene Abwicklungsgesellschaft ausgegliedert werden. Unter dem Begriff "Bad Bank" war vor wenigen Wochen die Diskussion über eine staatliche Hilfe für die Branche hochgekocht. Die Verbriefung von Krediten über die KfW sei für eine Staatshilfe ungeeignet, erläuterten Finanzfachleute. Denn bei der Verbriefung würden vor allem gute bis sehr gute Risiken auf den Markt gebracht. Denkbar ist zwar auch eine Tranche besonders riskanter Kredite. Diese seien derzeit aber nicht auf dem Markt zu verkaufen, hieß es.
