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Veröffentlicht: 24.04.2003, 18:13 Uhr

Banken Banken bauen wegen der Risiken Kreditvolumen ab

Deutschland steuert auf einen neuen Höchststand der Insolvenzen zu. Der Wert der Firmenkredite in den Bankbilanzen atmet mit der Konjunktur. Der Verkauf von Krediten an Zweckgesellschaft paßt ins Bild.

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© F.A.Z.

Deutschland steuert nach dem Rekordjahr 2002 im Jahr 2003 auf einen neuen Höchststand der Unternehmensinsolvenzen zu. Der Wert der Firmenkredite in den Bankbilanzen atmet mit der Konjunktur. Zu guten Zeiten vergebene Kredite an vermeintlich gute Schuldner sind nach drei Jahren schwacher Konjunktur unsicher geworden: Die Banken müssen Kredite abschreiben, weil insolvente Kunden ihre Kredite nicht mehr vollständig zurückzahlen werden, andere können zumindest ihre Zinsen nicht mehr bedienen. Für minder schwere Fälle müssen die Kreditinstitute Vorsorge für den Fall treffen, daß der Kunde umkippt; schließlich haben Sicherheiten wie Immobilien oft massiv an Wert verloren.

Hanno Mußler Folgen:

Das Firmenkundengeschäft, wie es die Großbanken in den letzten Jahren betrieben haben, ist nach drei Jahren Konjunkturschwäche längst ein Minus-Geschäft. Zusammengenommen hatten Hypo-Vereinsbank, Deutsche Bank, Dresdner Bank, Commerzbank und DZ Bank im abgelaufenen Geschäftsjahr Wertberichtigungserfordernisse von 10,7 Milliarden Euro auf einen Kreditbestand von zusammen 965 Milliarden Euro zum Jahresende 2002. Diese 10,7 Milliarden verringern Gewinne und Reserven und haben bei vielen Häusern zu Verlusten geführt, die das Eigenkapital geschmälert haben. Die Banken reagieren: Sie haben allein im Laufe des Jahres 2002 ihre Kreditbücher im Schnitt um rund 35 Prozent verkleinert, um Risiken abzubauen. Sie haben sich von Kunden getrennt oder deren Kreditlinien gekürzt. Noch wird gestritten, ob es in Deutschland die oft behauptete Kreditklemme gibt. Dies würde bedeuten, daß auch gute Kunden zu höheren Preisen keinen Kredit mehr bekämen, weil die Banken generell Kredite verweigern. Das Gegenargument lautet, die Kreditnehmer hätten in der Wirtschaftsflaute weniger Investitionsbedarf und fragten deshalb weniger Kredite nach.

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Im nächsten Aufschwung, mit wieder steigender Kreditnachfrage wird sich zeigen, ob es tatsächlich eine Kreditklemme gibt. Um ein dann - volkswirtschaftlich wünschenswertes - wachsendes Kreditbuch darstellen zu können, brauchen die Banken eine bestimmte Menge Eigenkapital im Verhältnis zu den Risiken, die sie eingehen. Nach internationalen Vereinbarungen (Basel I) müssen für jeden Kredit, den eine Bank vergibt, pauschal mindestens 8 Prozent der Kreditsumme an Eigenmitteln vorgehalten werden. Auch wenn die Eigenmittelquoten, vielleicht mit Ausnahme der Hypo-Vereinsbank, nach Zeiten schrumpfender Kreditbücher derzeit komfortabel aussehen, könnten die Banken an regulatorische Wachstumsgrenzen stoßen. So hält die DZ Bank eine Aufstockung ihres Kreditbestandes von 33 auf maximal 55 Milliarden Euro für denkbar. Das Zentralinstitut der Volks- und Raiffeisenbanken hätte, nach einer Sanierungsphase mit massivem Abbau von Risiken und Eigenkapitalerhöhung, jetzt mit Blick auf die Eigenmittelquote den größten Wachstumsspielraum. Am Beispiel der DZ Bank wird aber auch deutlich, wie schnell die Eigenmittelquote wieder schlechter aussehen könnte. Gemessen an ihrem dünnen Kreditbuch, leidet sie unter enormen Wertberichtigungserfordernissen, die an den Eigenmitteln zehren.

Die Bemühungen der Institute, vor allem der Hypo-Vereinsbank und der unter der Dresdner Bank leidenden Allianz, in den letzten Monaten an neues Eigenkapital zu kommen, zeigen, daß die Erhöhung der Eigenmittelquote durch eine Aufstockung der Eigenmittel schwierig ist. Deshalb kann ein Verkauf von Krediten an die neue Zweckgesellschaft der fünf Großbanken sowie der Kreditanstalt für Wiederaufbau durchaus Sinn machen. Ein weiterer Kreditabbau verringert die "risikogewichteten Aktiva" - und damit den aufsichtsrechtlich erforderlichen Bedarf an Eigenkapital.

Für die Banken verbessert sich durch solch einen Verkauf von Krediten ihre Eigenmittelquote - berechnet als Verhältnis von risikogewichteten Aktiva zu Eigenmitteln. Für eine Bank, deren Rating wegen schwacher Eigenmittelquote gefährdet ist, ist dieser Effekt wichtig. Alternativ können die Banken die freigesetzten Eigenmittel nutzen, neue Kredite zu vergeben. Der im Raum stehende Betrag, Kredite von 50 Milliarden Euro aller Institute, ist zwar gering. Von einem Verkauf profitieren könnten aber Mittelständler, die von ihrer Hausbank derzeit keinen Kredit bekommen, weil die Bank für Kreditnehmer dieser Branche oder Region aus Gründen der Risiko-Diversifizierung generell keine neuen Engagements mehr eingeht. Verkauft die Bank an diese Branchen oder Regionen vergebene Kredite an die Zweckgesellschaft, entsteht Raum für neue Kredite.

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