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Veröffentlicht: 11.04.2017, 11:03 Uhr

Der Balance-Akt Talente am Grill

Wer die Welt retten will, muss nicht Kartoffeln schälen können. Aber von Vorteil wäre es....

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Die Welt wimmelt von „Talenten“. Von besonders schlauen Köpfen also, wie man auch sagen könnte. Schuld an der Talentschwemme sind die Unternehmensberater von McKinsey, die vor 20 Jahren den „war for talents“, den Kampf um die klügsten Mitarbeiter, ausgerufen haben. Komischerweise steigt seither die Zahl der Talente unaufhörlich.

Bettina Weiguny Folgen:

Wenn ich es richtig verstehe, wird heute jeder, der das Abitur schafft (also dann bald jeder), automatisch zum Talent. Oder gleich zum TT, zum „Top-Talent“, das dann andere TTs um sich schart, um gemeinsam die Zukunft der Menschheit neu zu erfinden. Dazu gründen sie in Berlin ein Start-up, auch „Talentschmiede“ genannt, machen irgendetwas mit künstlicher Intelligenz, digitalem Wandel oder Kunsthandel 4.0 und heben die Welt aus den Angeln, was den Großkonzernen solche Angst einjagt, dass sie die Talente, sobald sie graue Schläfen bekommen, anheuern, um den starren Koloss wieder in ein quirliges Startup zu verwandeln.

Erstaunlich daran ist die Subjektwerdung der TTs: Der Mensch besitzt keine Talente mehr, er ist ein Talent. Oder hält sich zumindest dafür. Mir wäre es freilich lieber, junge Menschen hätten gewisse Talente oder „Fähigkeiten“, wie das früher hieß. So wäre es doch hilfreich, wenn junge Menschen zum Beispiel kochen könnten, statt sich das fertige Essen von TT-Start-ups nach Hause liefern zu lassen. Aber hier fehlen den Talenten von heute die rudimentären Fertigkeiten, wie jüngst in unserer Küche festzustellen war.

Unsere Abiturientin, ohne Frage ein Supertalent, hat nach der letzten Abi-Klausur einige Freunde zum Grillen eingeladen. Sie kauften veganes Grillgut, vegetarisches Grillgut, ein paar Mini-Putensteaks und einen Sack Kartoffeln. Zu Hause stellten sie dann fest, dass sie nicht wissen, wie man einen Kartoffelsalat zubereitet. Oder wie man den Grill, dieses Hightech-Ding, in Gang setzt. Ich war entsetzt. Wie konnte uns als aufmerksamen Eltern das entgehen? Haben wir schon wieder versagt? Was für eine Schmach.

Immerhin: Irgendwie haben sie es dann doch geschafft – zum Glück gibt es ja Chefkoch.de und Grillkameraden.de. Das Essen hat sogar geschmeckt. Ja, es war richtig lecker. Ich glaube, wir haben da wahre Kochtalente entdeckt. Wir bleiben dran.

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Von Susanne Preuß

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