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Der Balance-Akt : Ich zuerst

Kinder lernen schnell, auch in Sachen Machtpolitik. Was sie sich von Trump alles abgeschaut haben, ist erschütternd...

          Alle Welt ist gegenwärtig damit beschäftigt, auszurechnen, was Donald Trump für den Einzelnen wohl bringen wird: Wie groß ist der Schaden oder der Nutzen, den der Präsident anrichtet? BMW rechnet nach, ob das geplante Werk in Mexiko wirklich eine gute Idee ist. Die Zementhersteller überlegen, wie viele Zentner ihres Stoffes in die Mauer passen. Angela Merkel investiert in neue Freunde. Und wir daheim rechnen auch.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Da kommt einiges zusammen an negativen Trump-Folgen für unsere Kleinfamilie, so viel lässt sich nach einer ersten Überschlagsrechnung sagen. Der potentielle Schaden ist riesig, „tremendously, enormously, immensely huge“. So traurig.

          Natürlich könnte ich das jetzt in die Welt hinaus twittern, das verbietet sich aber aus pädagogischen Gründen. Der neue Obermacker im Weißen Haus fällt uns eh schon in den Rücken im Kampf gegen die Smartphone-Sucht im Kinderzimmer und am Küchentisch. Warum das Handy weglegen und verbal kommunizieren, wenn der mächtigste Mann der Welt alles am Smartphone regelt? Unsere Kinder lernen schnell und sind für jedes Argument dankbar.

          Fern jeder Ideologie ist festzuhalten: Donald Trumps Vorbild hat für uns verheerende Konsequenzen, auch in der Schule. Hannes wurde neulich gleich mehrfach beim Schneeballwerfen und Eisbahnrutschen erwischt. Da versteht die Schule keinen Spaß, was auch Fünftklässlern bekannt ist. Doch obwohl die ruinierten Hosen und die verdreckten Schuhe einen eindeutigen Beweis für das Vergehen lieferten, stritten der Lümmel und seine Kumpels alles ab. „Wir haben alternative Fakten“, brüllten sie. Die Lehrer stimmte das nicht milder.

          Schlimmer noch wirkt sich Trumps Einfluss auf unser Abendbrot aus. Die mühsam antrainierten Tischsitten sind vergessen, weg. Alles für die Katz. Die drei jüngeren Familienmitglieder wetteifern darum, zu beweisen, dass sie ihre Lektion in Sachen Machtpolitik gelernt haben: „Mein Teller first!“, schreien sie im Chor. Zurück bleibt nur das Gemüse. Wagen wir es, einzuschreiten, funkeln sie uns wie aus irren Augen an, umklammern Messer und Gabel, fest entschlossen, die Nudelberge auf ihrem Teller mit Gewalt zu verteidigen. Ich fürchte: Das nimmt kein gutes Ende. Mit Michelle Obama wäre das nicht passiert.

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