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Der Balance-Akt Die Zeitdiebe sind unter uns

Jeder kennt sie, sie sind überall: Menschen, die rücksichtslos reden und reden ohne Ende und Verstand. Mich macht das wahnsinnig!

Der Zeitdieb geht um. Belästigt der Typ Sie auch? Jedenfalls sind sie mitten unter uns, sobald mehr als zwei Menschen zusammentreffen auf Meetings, Konferenzen, Besprechungen. Im Büro, im Verein, in der Kita, überall treiben die Zeitdiebe ihr Unwesen. Mich macht das zornig, die Kinder erst recht.

“Wer hat dir schon wieder die Zeit geklaut?“, schimpft Nina, wenn ich verspätet zu ihr auf den Sportplatz haste. War es ein Pressesprecher, ein Kollege, die Erzieherin oder die Elternbeirätin? Müssen alle Trainer-Entscheidungen haarklein ausdiskutiert werden? Muss ich wissen, welche Blume das Schulfest schmückt? Nach welcher Methode Hannes das Lesen noch schneller lernen könnte? Hauptsache, er kann es irgendwann! Aber die Zeit-Tyrannen sind gnadenlos, gieren überall auf ihre Chance. Da kann die Luft im Versammlungsraum noch so abgestanden, die Laune noch so stickig sein: Der Zeitdieb schlägt zu, jeder kennt die Qualen. Mit einem Sack voll Floskeln bewaffnet, zieht er jede Besprechung ins Unendliche. Nicht, dass er etwas zu sagen hätte, Sinnvolles gar. Nein, er redet nur. Fasel, fasel, fasel. Belangloses Zeug, „Kirche im Dorf lassen“-Phrasen, mit so viel Anlauf plaziert, dass sie stets zwei Halbsätze vor dem Aufprall zu erraten sind. Das tut weh.

Wenn dem Zeitdieb gar nichts mehr einfällt, bestätigt er aufs schleimigste die Vorredner, am liebsten den Chef. Bravo. Hervorragende Anregung. Glänzende Idee. Gegen Ende biegt er in die Kurve mit den Konjunktiven ein: Wir sollten mal, wir könnten mal, wir müssten mal. Gerne setzt er „Projekte“ auf, „bindet Kollegen ein“, gründet Arbeitsgruppen. Was er nie sagt: ICH! MACHE! JETZT! Nie wird das passieren, gar nie, wetten? Der natürliche Feind des Zeitdiebs nämlich ist die Tat.

Quelle: F.A.S.

 
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