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Der Balance-Akt Beste Freunde

 ·  Fußnägel sind schnell lackiert. Trotzdem fehlt fast immer die Zeit dafür - genau wie für alles andere auch. Warum eigentlich?

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Freundschaft ist ein dehnbarer Begriff. Was sind echte Freunde, was banale Facebook-Kontakte und was rein strategische Allianzen? Unsere Tochter, neun Jahre alt, kommt - auf einer imaginären Liste - auf sage und schreibe 254 Freunde, wobei sie die auf den hinteren Plätzen nicht leiden kann, manche davon nicht mal grüßt. Hauptsache, viele!

An dem Punkt, dachte ich, könnte es nicht schaden, den Kindern ein bisschen was Grundlegendes mitzugeben in Bezug auf Freundschaft, Familie und so. Ich wurde aber sogleich von Hannes, sieben Jahre alt, ausgebremst, der wissen wollte, wer eigentlich meine besten Kumpels seien.

Die konnte ich ihm schnell aufzählen: die Karin, die Margit und die Susi. Der Kleine war entsetzt: „Nur Frauen? Nicht der Papa?“ Und überhaupt: Das seien lauter Menschen, von denen ich zwar ständig rede, sie aber nie treffe. „Ja, weil sie heute woanders leben.“ Da kann ich ja nichts dafür, erkläre ich. Trotzdem, bohrt der Zweitklässler weiter, Freunde, die man nicht sieht, sind keine echten Freunde. „Warum fahren wir da nicht mal hin?“, will er wissen.

Tja, warum eigentlich nicht? Meist trennen uns ja nur ein paar Stunden Fahrt. Und Freunde, so weiß jeder, sind wichtig für ein erfülltes Leben, für die innere Ausgeglichenheit. Jeder Psychologe warnt davor, diesen Teil des Lebens zu vernachlässigen vor lauter Wichtigtuerei mit Arbeit und Karriere. Also maile ich unserer Trauzeugin, ob wir uns im Herbst nicht endlich mal wieder treffen wollen. „Total gerne“, schreibt sie zurück, wenn denn nur Zeit dazu wäre. „Du weißt doch: die Kinder, die Eltern, die Arbeit, Termine und Verpflichtungen.“ Dazu noch Hormonschwankungen und das ganze Elend. Nicht einmal Zeit zum Lackieren ihrer Fußnägel finde sie.

Oh Schreck, denke ich, die Arme. Zum Trost schicke ich ihr ein afrikanisches Sprichwort, das da lautet: „Wer viele Freunde hat, ist bald arm.“

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