Home
http://www.faz.net/-hq7-7cjat
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Der Balance-Akt Beste Freunde

 ·  Fußnägel sind schnell lackiert. Trotzdem fehlt fast immer die Zeit dafür - genau wie für alles andere auch. Warum eigentlich?

Kolumne Lesermeinungen (1)

Freundschaft ist ein dehnbarer Begriff. Was sind echte Freunde, was banale Facebook-Kontakte und was rein strategische Allianzen? Unsere Tochter, neun Jahre alt, kommt - auf einer imaginären Liste - auf sage und schreibe 254 Freunde, wobei sie die auf den hinteren Plätzen nicht leiden kann, manche davon nicht mal grüßt. Hauptsache, viele!

An dem Punkt, dachte ich, könnte es nicht schaden, den Kindern ein bisschen was Grundlegendes mitzugeben in Bezug auf Freundschaft, Familie und so. Ich wurde aber sogleich von Hannes, sieben Jahre alt, ausgebremst, der wissen wollte, wer eigentlich meine besten Kumpels seien.

Die konnte ich ihm schnell aufzählen: die Karin, die Margit und die Susi. Der Kleine war entsetzt: „Nur Frauen? Nicht der Papa?“ Und überhaupt: Das seien lauter Menschen, von denen ich zwar ständig rede, sie aber nie treffe. „Ja, weil sie heute woanders leben.“ Da kann ich ja nichts dafür, erkläre ich. Trotzdem, bohrt der Zweitklässler weiter, Freunde, die man nicht sieht, sind keine echten Freunde. „Warum fahren wir da nicht mal hin?“, will er wissen.

Tja, warum eigentlich nicht? Meist trennen uns ja nur ein paar Stunden Fahrt. Und Freunde, so weiß jeder, sind wichtig für ein erfülltes Leben, für die innere Ausgeglichenheit. Jeder Psychologe warnt davor, diesen Teil des Lebens zu vernachlässigen vor lauter Wichtigtuerei mit Arbeit und Karriere. Also maile ich unserer Trauzeugin, ob wir uns im Herbst nicht endlich mal wieder treffen wollen. „Total gerne“, schreibt sie zurück, wenn denn nur Zeit dazu wäre. „Du weißt doch: die Kinder, die Eltern, die Arbeit, Termine und Verpflichtungen.“ Dazu noch Hormonschwankungen und das ganze Elend. Nicht einmal Zeit zum Lackieren ihrer Fußnägel finde sie.

Oh Schreck, denke ich, die Arme. Zum Trost schicke ich ihr ein afrikanisches Sprichwort, das da lautet: „Wer viele Freunde hat, ist bald arm.“

  Weitersagen Kommentieren (1) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
TV-Kritik:Beckmann Bekenntnisse eines Unpolitischen

Schauspieler, Musiker, Maler, Autor: Armin Mueller-Stahl, einer der wenigen deutschen Weltstars, hat enorm viele Talente - vor allem aber viel Charakter. Das hat er in der Sendung von Reinhold Beckmann wieder einmal bewiesen. Mehr

11.04.2014, 04:10 Uhr | Feuilleton
Eine Kreuzfahrt mit der „Queen Elizabeth“ Im Zeichen der Krone

Very british: Auf dem Kreuzfahrtschiff „Queen Elizabeth“ durchquert man nicht nur das Mittelmeer, es ist auch eine Reise mit viel Nostalgie ins alte England. Mehr

15.04.2014, 12:00 Uhr | Reise
Radiokult mit Gottschalk & Egner Nun plaudern wir mal ganz entspannt

So lief die „Bayern 3-Kultnacht“ am Ostersonntagabend: Thomas Gottschalk und Fritz Egner schenken sich nichts beim freundschaftlichen Frotzeln im Radio - auch mit dem Älterwerden lässt es sich ganz trefflich kokettieren. Mehr

21.04.2014, 15:14 Uhr | Feuilleton

17.09.2013, 11:27 Uhr

Weitersagen

Kein Skandal in Griechenland

Von Werner Mussler

Ist Griechenlands Defizit-Statistik frisiert? Das sagt AfD-Chef Bernd Lucke. Aber der angebliche Skandal ist gar keiner. Mehr 7 12


Die Börse
Name Kurs Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Umfrage

Soll jeder Autofahrer 100 Euro extra zahlen, um unsere Straßen instand zu halten?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.