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Der Balance-Akt : 217 Jahre und ein Tag

Wie weit ist es noch bis zur Gleichberechtigung? Die Wissenschaft hat es jetzt genau berechnet: Ein ganzes Stück und noch viel weiter...

          Die Welt meint es nicht gut mit uns Frauen. 217 Jahre wird es noch dauern, bis wir die gleichen Jobchancen haben wie Männer. Diese niederschmetternde Zahl hat das Weltwirtschaftsforum (WEF) gerade veröffentlicht.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          217 Jahre – das ist schrecklich lang. Bis dahin wird es fliegende Autos geben, vielleicht sogar einen flugtüchtigen Flughafen in Berlin. Die Zinswende wird kommen. Menschen werden auf dem Mars leben, da die Erde unbewohnbar ist (laut Stephen Hawking braucht der Mensch dafür gerade einmal 100 Jahre). Alles ziemlich weit weg also.

          Nun schneidet Deutschland im Gender-Vergleich etwas besser ab als andere Macho-Staaten. Wir belegen immerhin Platz zwölf, liegen damit direkt vor Namibia und hinter Frankreich. Amerika rutscht unter Präsident Trump auf Rang 49 ab. Trotzdem: Müssen wir uns nun wirklich 217 Jahre gedulden, bis wir so viel verdienen wie die Männer? Ich glaube das nicht! Dann würde ich das Ende der Diskriminierung ja gar nicht mehr erleben, unsere Mädchen, heute 13 und 17 Jahre alt, auch nicht, es sei denn, sie lassen sich schockfrosten und in 217 Jahren wiederbeleben. Sicherheitshalber lieber in 220 Jahren, man weiß ja nie.

          Denn wie wollen die lieben WEF-Experten den Termin so präzise berechnen? Wo wir uns doch schon mit überschaubaren Fragen schwertun: Kommt Jamaika? Was serviert mein Mann am Sonntag zum Frühstück? Wie viel kostet der Brexit? Wird der FC Bayern wieder deutscher Meister? Wann ist Griechenland auch offiziell pleite? Schwierig, schwierig. Und je mehr Leute herumrechnen und -deuten, desto verwirrender wird das Ganze. Wie soll da jemand wissen, an welchem Tag genau Frauen im Jemen (dem Letztplazierten im WEF-Test) so viel verdienen wie ihre Männer.

          Nur eines kann ich als Mutter sicher sagen: Was das Selbstbewusstsein betrifft, haben die Mädchen die Jungs längst überholt. „Die meinen, sie können alles besser“, mault Hannes, unser Sechstklässler. Erst weigern sich seine Klassenkameradinnen, mit ihm auf seinen Lieblingssong zu rappen. „Jungs können überhaupt nicht singen!“, behaupten die Gören. Dann bezweifeln sie, dass Hannes es in die zweite Runde eines Mathe-Wettbewerbs geschafft hat. „Du?“, höhnt eine Elfjährige. „Das kann nicht sein, Du bist ein Junge. Mathe können nur Mädchen.“ Wer will solche Mädchen noch stoppen?

          Quelle: F.A.S.

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