02.07.2007 · Die Warnstreiks an diesem Montag waren erst der Vorgeschmack. Am Dienstagmorgen müssen Bahnkunden mit massiven Einschränkungen rechnen. Die Lokomotivführer kündigten bundesweit Arbeitsniederlegungen an. Auch die S-Bahn in etlichen Großstädten wird es treffen.
Bei der Deutschen Bahn droht am Dienstagmorgen nahezu kompletter Stillstand. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) kündigte von 05.00 bis 09.00 Uhr bundesweit flächendeckend Arbeitsniederlegungen an. Damit eskaliert der Tarifkonflikt um höhere Einkommen, in dem die GDL außerdem einen eigenständigen Tarifvertrag für das Fahrpersonal verlangt.
Der GDL-Vorsitzende Manfred Schell kündigte an, auch die S-Bahnen in Hamburg, Berlin, München, Stuttgart und Frankfurt am Main würden bestreikt. „Wir gehen davon aus, dass sich ab 6 Uhr kein Rad mehr bewegen wird“, sagte Schell zum S-Bahn Verkehr. Reisende sollten auf Bahnfahrten verzichten. Das Unternehmen will den Fahrbetrieb gleichwohl aufrechterhalten.
Schwerpunkt: Baden-Württemberg
Unabhängig von der GDL haben auch die größeren Gewerkschaften Transnet und GDBA für Dienstag erneut zu Warnstreiks bei der Deutschen Bahn aufgerufen. Es werde nahezu den ganzen Tag über Aktionen mit „gesteigerter Intensität“ geben. Es werde nicht nur der Personenverkehr betroffen sein, sondern auch der Güterverkehr.
Die Warnstreiks am Morgen werden nach Angaben der Gewerkschaft am schärfsten Baden-Württemberg treffen. Hier droht ein nahezu kompletter Stillstand. Aktionen soll es zudem in Bayern im Großraum Nürnberg geben, außerdem in Thüringen, Neumünster und Duisburg. Am Mittag verlagern sich die Warnstreiks nach Hamburg, wo die S-Bahn betroffen sein wird, und nach Seelze. Am Nachmittag soll der Regionalverkehr in Brandenburg von Cottbus nach Berlin von befristeten Arbeitsniederlegungen betroffen sei. Aktionen gibt es zudem noch einmal in Thüringen, in Köln im Containerbahnhof und in München im Regio-Werk.
Transnet und GDBA hatten am Montag mit Warnstreiks an 13 Orten begonnen. Die Auswirkungen blieben aber begrenzt. Einige tausend Pendler mussten Verspätungen in Kauf. Nach Angaben der Bahn gab es vor allem im Nahverkehr „erhebliche Einschränkungen“. Bahn- Personalvortand Margret Suckale nannte die Aktionen „völlig überzogen“ und warf den Gewerkschaften eine Blockadehaltung vor.
Hotline und Fahrkarten-Umtausch
Vor einer Zugfahrt können sich Reisende über eine kostenlose Hotline unter der Telefonnummer 08000-996633 informieren, ob ihre Züge betroffen sind. Anrufer aus dem Ausland wählen die Nummer 0049-1805-334444. Die Gebühren richten sich dabei unter anderem nach dem Herkunftsland. Auch auf der Internet-Seite www.bahn.de gibt der Konzern Auskunft über die Folgen des Streiks.
Reisende können zudem ihre Fahrkarten kostenlos umtauschen oder sich den Preis erstatten lassen, wenn sie wegen streikbedingter Zugausfälle oder Verspätungen nicht fahren können. Fahrkarten und Reservierungen, die am Streiktag gültig waren, werden bis Ende Juli erstattet. Wer seinen Anschlusszug durch den Streik verpasst, kann mit dem nächsten, gegebenenfalls teureren Zug weiterfahren. Die Übernahme von Kosten für eine Taxifahrt oder gar die Übernachtung in einem Hotel ist dagegen nicht vorgesehen. Begründet wird dies auch damit, dass die Streiks am frühen Morgen stattfinden.
Übertriebene Streikmaßnahmen
Frank Brieller (Brieller)
- 03.07.2007, 02:14 Uhr
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