Home
http://www.faz.net/-gqe-p6et
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Baden-Württemberg Das Musterländle, das Hochdeutsche und die T-Shirts

04.08.2004 ·  Für seine Imagekampagne läßt Baden-Württemberg Werbemittel in China herstellen. Das ärgerte einen überzeugten Bürger des Ländles. Er ergriff die Initiative. Aber die Politik schenkte ihm kein Gehör.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Ein aufmerksamer Bürger brachte den Stein ins Rollen. Für 12,50 Euro hatte er sich ein T-Shirt gekauft mit dem Werbeaufdruck seines Heimatlandes Baden-Württemberg. "Wir können alles - außer Hochdeutsch", verkündet das Musterländle da im Brustton der Überzeugung. Das Etikett in dem Hemd freilich ließ ihn stutzen: Made in China, stand da.

Ja, können die Baden-Württemberger denn keine T-Shirts herstellen? So fragte der Bürger die Landesregierung, wohl wissend, daß auf der schwäbischen Alb die deutsche Textilindustrie zu Hause ist. Die Antwort eines Landesbeamten, wonach "mitteleuropäische Hersteller nicht mehr konkurrenzfähig" seien, überraschte ihn.

"Ich an Teufels Stelle hätte zum Telefonhörer gegriffen“

Verblüfft wandte er sich an den größten und wohl prominentesten T-Shirt-Hersteller Deutschlands, der für seine komplett in Deutschland gefertigte Kollektion (Marke "Trigema") oft im Fernsehen wirbt: Wolfgang Grupp. Der kann sich nun über Publicity freuen, denn aus dem Briefwechsel zwischen Bürger und Staatsbeamten entwickelte sich eine hübsche Provinzposse. Ministerpräsident Erwin Teufel, von dem streitbaren Wolfgang Grupp persönlich angeschrieben, reagierte nämlich nicht selbst und unbürokratisch, sondern ließ einen Beamten in die Tasten greifen und einen "blöden, profanen Brief" (Grupp) schreiben.

"Ich an Teufels Stelle hätte zum Telefonhörer gegriffen, dann wäre der Fall doch erledigt gewesen", meint Grupp und zieht Parallelen zu anderen Fällen: "Das kann ich an den Politikern nicht verstehen: daß sie nie einen Fehler zugeben können." Für 12,50 Euro je T-Shirt und 19,50 Euro je Polo-Shirt hätte Trigema die Baden-Württemberg-Artikel auch im eigenen Land hergestellt, an die Kunden geliefert und sogar noch Geld verdient damit, beteuert Grupp: "Und dann wäre Lohnsteuer an das Land zurückgeflossen und Geld in die Sozialkassen gekommen."

Für ihn ist das Verhalten des Landes nicht zuletzt "ein Affront gegen die Arbeitslosen". Erwin Teufel kann die Aufregung nicht verstehen: "Ich habe nicht vor, mich um die Vergabe von Mützen und Kugelschreibern zu kümmern." Er versprach aber, bei der nächsten Ausschreibung werde man dafür sorgen, daß nur Produkte aus dem Ländle in Umlauf kommen.

Quelle: sup., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.08.2004, Nr. 179 / Seite 16
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 8 7

29.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.396,84 +1,16%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.394,15 +1,26%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2479 −0,08%
Rohöl Brent Crude 106,85 $ −0,38%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.