Der Reifenhersteller und Autozulieferer Continental verstärkt den Ausbau von Werken an Billiglohnstandorten: Der Konzern aus Hannover setze „weiter auf Produktion an Niedrigkostenstandorten“, sagte Vorstandschef Manfred Wennemer am Freitag auf der Hauptversammlung. Er kündigte den Ausbau der Werke in Tschechien und Rumänien an, sowie den Abbau von Kapazitäten in den Vereinigten Staaten, dafür aber den Ausbau in Mexiko und Brasilien. Auch die Belegschaften in Deutschland könne es treffen.
„Wir verschweigen nicht, daß eine weitere Verlagerung viel wahrscheinlicher ist als ein Neuaufbau hier in Deutschland“, sagte er. Wennemer verspricht sich von der Billig-Strategie weiteres Wachstum: „Für 2004 gehen wir ohne Restrukturierungsaufwendungen von einer nochmaligen Verbesserung des Konzern-Umsatzes und des operativen Ergebnisses aus.“ Von den etwa 71.000 Conti-Beschäftigten arbeiten noch rund 40 Prozent in Deutschland, 33 Prozent des Umsatzes werden hier erzielt.
Nachdem das Unternehmen im Jahr 2003 im Pkw-Reifengeschäft einen Umsatzanstieg von 8,4 Prozent erreicht hatte, befürchtet Wennemer nun Preisdruck wegen der Rabattkämpfe der Autohersteller vor allem in den Vereinigten Staaten. Der Preisdruck dort werde zunehmen, weshalb es die Notwendigkeit größerer Restrukturierungsmaßnahmen in Nordamerika gebe. Im laufenden Jahr will Wennemer im nordamerikanischen Dollarraum die Gewinnschwelle erreichen.
Entscheidung über Werksbau in China
Er kündigte weiter an, daß noch 2004 über den Bau eines Werkes in China entschieden werde. Der chinesische Automarkt gilt als der heißeste der Welt mit enormen Wachstumsraten. Zur geplanten Übernahme des Hamburger Gummiunternehmens Phoenix sagte Wennemer, er erwarte Einspareffekte von rund 30 Millionen Euro pro Jahr dadurch. Continental bietet 15 Euro pro Phoenix-Aktie und will bis Ende Juni 75 Prozent der Anteile erwerben.
Mit der Technologie und den Produkten von Phoenix, etwa Laufbänder oder Gummischläuche, will Continental seine eigene Abteilung ContiTech weiterentwickeln. Das Unternehmen brachte zahlreiche Neuheiten heraus, wie Wennemer erklärte: Ein bis 360 Stundenkilometer zugelassener Straßenreifen, ein neuartiges elektronisches Stabilitätsprogramm, eine Kombination aus Lichtmaschine und Anlasser und einen sehr langlebigen Zahnriemen für Automotoren.
Rekordergebnis 2003
Continental hatte 2003 ein Rekordergebnis eingefahren: Das Konzernergebnis (Ebita) stieg um 23,2 Prozent auf 855 Millionen Euro. Der Jahresüberschuß nach Steuern stieg zugleich um 88 Millionen Euro auf 314 Millionen Euro an. Der um Währungseffekte bereinigte Umsatz stieg um 6,1 Prozent. Währungseffekte und die erstmalige Konsolidierung der malaysischen Tochter Sime Tyre einbezogen, erhöhte er sich um 1,1 Prozent auf 11,5 Milliarden Euro.
Continental ist nach eigenen Angaben der zehntgrößte Autozulieferer der Welt und der weltweit führende Bremsenhersteller. Bei den Erstausrüstungen liegt der Konzern in Europa bereits an erster Stelle. Im ersten Quartal 2004 war Conti trotz der gebremsten Autokonjunktur mit hohem Tempo gestartet. Das operative Konzernergebnis stieg um 34,5 Prozent auf 246,7 Millionen Euro. Unter Berücksichtigung von Währungseffekten und Konsolidierungen stieg der Umsatz um 5,8 Prozent auf 2,99 Milliarden Euro. „Auch der April war nicht schlechter“, sagte Wennemer.