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Autoshow in Detroit Amerikaner wollen nicht von ihren großen Autos lassen

14.01.2008 ·  Chrysler und Ford starten die Automesse mit neuen Pick-up-Trucks. Denn obwohl die Kleinlaster mit Laderampe so gar nicht zum Öko-Zeitgeist passen wollen, sind sie noch immer sehr beliebt in den Vereinigten Staaten.

Von Roland Lindner
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Diesmal war Dieter Zetsche nur eine Randfigur. Es war die erste Pressekonferenz des amerikanischen Autoherstellers Chrysler auf der Detroiter Messe, seit das Unternehmen vom Stuttgarter Daimler-Konzern an den Finanzinvestor Cerberus verkauft wurde. Zetsche hat in der Vergangenheit oft in Detroit auf der Bühne gestanden, um die neuen Autos von Chrysler zu präsentieren: erst als Chef von Chrysler und später in seiner Funktion an der Spitze des gesamten Daimler-Konzerns.

Passend zur Rolle des Minderheitsaktionärs, die Daimler mit einem verbliebenen Anteil von 19,9 Prozent an Chrysler heute noch spielt, hatte Zetsche in diesem Jahr noch einen Mini-Auftritt: Er stellte sich zusammen mit dem jetzigen Chrysler-Management zu einem Gruppenfoto auf: Zetsche, der neue Chrysler-Vorstandschef Bob Nardelli und Präsident Tom LaSorda lächelten in die Kameras. Dann verabschiedete er sich in die erste Reihe einer kleinen Tribüne vor der Messehalle und zog sich angesichts der Kälte eine Wollmütze über.

Populäre Kleinlaster mit Laderampe

Chrysler hatte sich für die erste seiner Neuvorstellungen in Detroit ausgerechnet ein Fahrzeug ausgesucht, das so gar nicht zeitgemäß zu sein scheint. Denn während alternative Kraftstoffe und Antriebe das zentrale Thema der Automesse sind, schickt Chrysler als seine wichtigste Premiere die Neuauflage des Pick-up-Transporters Dodge Ram ins Rennen. Diese Kleinlaster mit Laderampe sind in Amerika traditionell sehr populär und für die Autohersteller ein lukratives Geschäft. Sie haben aber einen hohen Kraftstoffverbrauch, und das macht ihren Betrieb vor dem Hintergrund der dramatisch gestiegenen Benzinpreise immer unattraktiver.

Das Geschäft mit Pick-ups war trotzdem noch bis vor kurzem stabil. Während der Absatz der ebenfalls sehr kraftstoffintensiven sportlichen Geländewagen (SUV) schon einbrach, konnten die Pick-ups lange ein hohes Niveau halten, zumal sie oft von Bau- und Handwerksunternehmen gewerblich genutzt werden. Wegen der Immobilienkrise halten sich nun aber auch diese Betriebe zunehmend mit der Anschaffung solcher Kleinlaster zurück.

Noch immer ein gutes Geschäft

Doch obwohl die Tendenz nach unten geht, sind die Pick-ups noch immer ein gutes Geschäft, und die Hersteller kommen gar nicht umhin, ihre Produktpaletten mit Neuversionen aufzufrischen. So erlitt Chrysler zwar mit seiner alten Version des Dodge Ram im vergangenen Jahr in den Vereinigten Staaten einen Absatzrückgang von 2 Prozent. Trotzdem ist das Modell noch immer mit weitem Abstand das meistverkaufte aus der Produktpalette des gesamten Chrysler-Konzerns. Mehr als 358 000 Dodge Rams hat Chrysler verkauft - das entspricht einem Anteil von mehr als 17 Prozent am Gesamtvolumen.

Auch der amerikanische Wettbewerber Ford rückte zum Messebeginn die Neuauflage seines wichtigsten Pick-ups in den Mittelpunkt. Die Modellreihe F-150 musste zwar im vergangenen Jahr einen Rückgang der Verkaufszahlen in Amerika um 13 Prozent auf 691 000 Stück hinnehmen. Damit ist sie aber noch immer nicht nur der meistverkaufte Pick-up, sondern das meistverkaufte Fahrzeug überhaupt in den Vereinigten Staaten. Mehr als jedes fünfte von Ford abgesetzte Auto ist ein F-150.

„Okay, jetzt schaut auf die Trucks“

Chrysler hatte die Vorstellung des Dodge Ram aus gutem Grund diesmal nach draußen verlegt, denn das Unternehmen hatte sich eine spektakuläre Show ausgedacht: Passend zum rustikalen Erscheinungsbild des Dodge Ram ließ Chrysler ihn in Begleitung einer riesigen Rinderherde erscheinen. 120 texanische Longhorns marschierten durch mehrere Straßen von Detroit, bis sie die Messehalle erreichten. Die Rinder, die eigens von einer Ranch aus Oklahoma nach Detroit gebracht wurden, sorgten für einige Belustigung im Publikum, vor allem als einige Rinder anfingen, andere aus der Herde zu besteigen. Jim Press, neben Tom LaSorda Ko-Präsident von Chrysler, sah sich genötigt, auf den eigentlichen Anlass der Veranstaltung hinzuweisen: „Okay, jetzt schaut auf die Trucks“, sagte er scherzhaft ins Publikum.

Daimler-Chef Zetsche konnte unterdessen von der Tribüne aus beobachten, dass sich eines seit dem Verkauf von Chrysler an Cerberus nicht geändert hat: Das Unternehmen hat traditionell die aufwendigsten Präsentationen aller Hersteller auf der Messe und lässt sich dies einiges kosten.

Quelle: F.A.Z., 15.01.2008, Nr. 12 / Seite 12
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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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