15.12.2009 · Im Transportsektor lässt sich viel für das Klima tun: Bisher fahren nur 1500 Elektroautos auf deutschen Straßen. Nach den Plänen der Bundesregierung sollen es aber schon im Jahr 2020 eine Million sein. 2010 wollen fast alle namhaften Hersteller mit der Serienproduktion von Elektroautos beginnen.
Von Christoph RuhkampAutolack, der Strom produziert - das ist die wohl wildeste Zukunftsidee, wie Autofahrer durch verringerten Verbrauch zum Klimaschutz beitragen könnten. Dazu benutzt man Farben, die das Licht absorbieren, und mischt diese mit einem Halbleiter, zum Beispiel Zink und Nitrat. Bisher gibt es dazu jedoch nur Versuche, ein Masseneinsatz scheint noch in einiger Ferne zu liegen.
Das könnte sich aber bald ändern. Denn im Transportsektor lässt sich viel für das Klima tun: In Deutschland stammen fast 18 Prozent der klimaschädlichen Kohlendioxidemissionen aus dem Straßenverkehr. Bis 2020 sollen diese Emissionen gegenüber dem Jahr 1990 um ein Viertel verringert werden - und damit deutlich weniger als die Gesamtemissionen, die um ein Drittel sinken sollen. Grund für die Bescheidenheit ist nicht der Mangel an neuer Technik für Autos, sondern die rapide wachsende Nachfrage nach Verkehrsleistung.
Kein schädliches Ozon und kein Lärm
Umso wichtiger ist neue Klimaschutztechnik. Deutlich näher an der Marktreife als der Solar-Autolack sind Elektroautos. Wirklich klimafreundlich fahren Elektroautos freilich nur dann, wenn der Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Bisher wird der Strom noch zum größten Teil in Kohlekraftwerken hergestellt, die Kohlendioxid ausstoßen. Aber diese Kohlekraftwerke haben mit annähernd 50 Prozent einen deutlich höheren Wirkungsgrad als selbst die modernsten Verbrennungsmotoren. Hinzu kommt, dass der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung, der derzeit 15 Prozent beträgt, stetig wächst. Außerdem fahren Elektroautos in anderer Hinsicht emissionsfrei: Es entsteht beispielsweise kein schädliches Ozon, und sie machen keinen Lärm.
Bisher fahren nur 1500 Elektroautos auf deutschen Straßen. Nach den Plänen der Bundesregierung sollen es aber schon im Jahr 2020 eine Million sein. Das wäre allerdings nicht allzu viel; heute sind 55 Millionen Autos zugelassen. Im Frühjahr 2010 wird es ein Spitzentreffen der Auto- und Energieindustrie bei Bundeskanzlerin Angela Merkel geben, das auf der Automesse IAA im September vereinbart wurde. Ziel ist neben einem Förderprogramm für Batterien auch die Schaffung grenzüberschreitender Rahmenbedingungen für Elektroautos. Eine deutsch-französische Arbeitsgruppe soll die Standardisierung von Steckern und Batterien klären.
Serienproduktion soll starten
Dafür ist es höchste Zeit. Denn 2010 wollen fast alle namhaften Hersteller mit der Serienproduktion von Elektroautos beginnen. Zunächst geht es nur um jeweils einige tausend Stück. Die Hürden für die Markteinführung sind noch immer hoch. Hauptgrund dafür sind die Batterien: Sie sind mit rund 10000 Euro noch viel zu teuer und reichen bisher nur, um maximal 200 Kilometer weit zu fahren. Für beide Probleme gibt es aber schon prinzipielle Lösungen.
Vorreiter ist dabei der ehemalige Vorstand des Softwarekonzerns SAP, Shai Agassi. Mit seinem in Kalifornien ansässigen Konzern Better Place will er auf der ganzen Welt die Infrastruktur für Elektroautos aufbauen. Das Pilotprojekt läuft gerade in seinem Heimatland Israel an, das Agassi mit 100.000 Ladestationen ausstattet. Das Problem des hohen Batteriepreises wird auf zwei Wegen gelöst. Zum einen sind Elektroautos im Betrieb billiger, weil Strom weniger kostet als Benzin. Die höheren Anschaffungskosten amortisieren sich somit nach einigen Jahren. Zum anderen bleiben die Batterien im Konzept von Better Place im Eigentum des Konzerns und werden an die Kunden verleast. Dadurch verteilt sich die Abzahlung des Preises auf mehrere Jahre, und die Elektroautos kosten prinzipiell nicht mehr als herkömmliche Wagen. Das Problem der mangelnden Reichweite hat Agassi im Prinzip ebenfalls gelöst: Ist die Batterie leer, wird sie an einer der 120 Batteriewechselstationen in Israel ausgewechselt.
Deutsche Autobauer setzen nur schrittweise auf Elektroauto
Die deutschen Autohersteller sehen darin allerdings kein tragfähiges Konzept. Sie kritisieren, dass die Batterien standardisiert werden müssten. Das ist aus ihrer Sicht ein Frevel, da leistungsfähige Batterien auf dieselbe Weise den Kern von Elektroautos ausmachen, wie heute Motoren den Charakter des Wagens bestimmen. BMW, Daimler und Volkswagen lehnen Agassis Konzept deshalb eher ab.
Das gilt umso mehr, als die deutschen Hersteller in den kommenden zehn Jahren noch auf die Optimierung der Verbrennungsmotoren setzen wollen. Die Kombination von Elektro- und Verbrennungsmotor im Hybridfahrzeug und das reine Elektroauto sollen dann schrittweise Einzug halten. Das Interesse der Kunden reiche bisher nur für ein Nischendasein der Elektroautos, heißt es.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2479 | −0,08% |
| Rohöl Brent Crude | 106,85 $ | −0,38% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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