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Autonomes Fahren : Ein Deutscher war Tesla 30 Jahre voraus

Autonom auf der Autobahn: Mit deutscher Technik von Bosch Bild: dpa

Tesla, Apple, Google und Co. investieren mächtig viel Geld in autonome Autos. Was allerdings kaum jemand weiß: Die Technik stammt eigentlich aus Deutschland.

          Wenn es um das autonome oder das teilautonome Fahren geht, macht Tesla, Apple, Google & Co. in Fragen der Selbstvermarktung niemand etwas vor. Besonders dem Tesla-Chef Elon Musk kann in Fragen der Selbstvermarktung kein deutscher Branchenvertreter das Wasser reichen. Dass die deutschen Hersteller technisch locker mithalten könnten: geschenkt. Dass gerade die Forschungsarbeiten deutscher Zulieferer wie Bosch oder Continental bei Besuchen im Forschungslabor oder auf einer Messe durchaus überraschende Aha-Erlebnisse auslösen können: auch geschenkt.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Beachtet werden andere Dinge. Zum Beispiel, dass die zum Alphabet-Konzern (Google) gehörende Autounternehmung Waymo ihre Flotte selbstfahrender Autos mit „Tausenden“ Minivans von Chrysler ausbauen will. Die Wagen sollen in einem Roboterauto-Fahrdienst eingesetzt werden, selbstverständlich dem ersten seiner Art auf der Welt. Aber: Die genaue Zahl der Fahrzeuge und eine exakte Zeitspanne werden der Mitteilung dazu vorsichtshalber gar erst nicht genannt. Angeblich will Waymo den Service im Frühjahr für Einwohner der amerikanischen Stadt Phoenix anbieten. Angaben zu den Kosten gibt es auch nicht. Aufmerksamkeit findet die Ankündigung trotzdem.

          Auch Apple will „das Autoerlebnis revolutionieren“

          Einige Schlagzeilen machte auch, dass der amerikanische Elektronikkonzern Apple nun „fast“ 30 Stadtgeländewagen, also neudeutsch abgekürzt SUVs, auf der Straße haben soll, um Versuche mit dem autonomen Fahren zu unternehmen. Das gehe aus Unterlagen hervor, die die zuständige Zulassungsbehörde in Kalifornien an Journalisten weitergegeben habe. Waren es im April 2017 noch drei SUVs der Bauart Lexus RX450h, sind nun 24 weitere Apple-Autos auf der Straße – macht insgesamt 27 Stück. Auch das beeindruckt schon den einen oder anderen. Die Zahl mag niedrig sein, doch so lange Apple dahinter steckt, spielt das keine Rolle.

          Die Fahrzeuge sollen unter anderem mit der sogenannten Lidar-Technik (einer Abkürzung für das englische Wort „light detection and ranging“) zur Umgebungserfassung ausgestattet sein. Bekannt war schon zuvor, dass Apple an einer 3D-Objekterkennung arbeitet. Was konkret Apple mit der Forschung an autonomen Fahrzeugen bezweckt, ist natürlich auch hier wieder einmal völlig unklar – möglicherweise soll eine entsprechende Software später Autoherstellern angeboten werden. Tim Cook, der Vorstandsvorsitzende von Apple, hatte jedenfalls schon im Oktober 2016 davon gesprochen, dass Technik in den kommenden Jahren „das Autoerlebnis revolutionieren“ werde. Selbstverständlich, es muss eine Revolution sein. Mit Blick auf Deutschland stellt sich in diesem Zusammenhang allerdings die Frage, ob „schon“ das exakt richtige Wort ist. Und das gilt ganz besonders dann, wenn es um Fragen einer Objekterkennung durch das Auto selbst geht.

          Der wahre Pionier kommt aus Deutschland

          Professor Jürgen Schmidhuber jedenfalls lässt beim Blick auf die öffentliche Wahrnehmung in Deutschland zum Thema autonomes Fahren seiner Frustration freien Lauf: Es werde viel zu wenig beachtet, dass „mehr als die Hälfte aller Patente rund um die für das autonome Fahren notwendige Technik“ in Deutschland lägen, sagte der Informatik-Fachmann jüngst in einem Vortrag in München. Und Schmidhuber ist nicht irgendwer. Er gilt als einer der Gründungsväter der modernen Forschung rund um die Künstliche Intelligenz (KI), das hat ihm sogar die „New York Times“ bescheinigt. Und dass in Deutschland kaum jemand den Namen des inzwischen 82 Jahre alten, aber immer noch topfitten Ernst Dickmanns kenne, sei ein weiteres Ärgernis, beklagt der KI-Kenner Schmidhuber. Denn Dickmanns habe schon vor mehr als zwanzig Jahren mit der damaligen Technik wahre Pionierarbeit rund um autonomes Fahren geleistet. Eine kleine Nachfrage unter Autofachleuten zeigt: Auch mit dieser These trifft Schmidhuber ins Schwarze. Dickmanns ist selbst wahren Autonarren kaum bekannt.

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