25.07.2005 · Sicherheit, Komfort und leichte Werkstoffe sind gefragt: In Zukunft werden die Herausforderungen der Automobilzulieferindustrie darin liegen, Innovationen als aktives Differenzierungsmerkmal zu nutzen.
Der Testwagen beschleunigt aus der Steilkurve, biegt auf die Gerade ein und bremst abrupt ab. Die Fahrbahn macht es dem Fahrer nicht gerade leicht: Links ist sie griffig, rechts spiegelglatt, doch das Auto kommt mustergültig zum Stehen; dank der neuesten Generation des elektronischen Stabilitätsprogramms, kurz ESP II.
Das spurstabile Bremsen der nächsten Generation wird maßgeblich von zwei deutschen Automobilzulieferern entwickelt. Robert Bosch und Continental-Teves sind schon heute führend auf dem Gebiet. Sie teilen sich nach Branchenschätzung rund 70 Prozent des Weltmarkts für ESP. Für beide ist ESP ein Kassenschlager, seit der berühmt-berüchtigte Umfaller der Mercedes A-Klasse, der als „Elchtest“ bekannt wurde, der Innovation vor wenigen Jahren zum Marktdurchbruch verhalf.
Aktives Differenzierungsmerkmal
Nicht immer stiften Innovationen einen so hohen Kundennutzen wie ESP. Vieles, was Zulieferer mit Herstellern entwickelt haben, hat nach Einschätzung von Fachleuten eher den Ehrgeiz der Ingenieure befriedigt, als dem Kunden einen Mehrwert zu bieten. „Manche Pseudo-Innovationen haben zu einer dramatischen Erhöhung der Komplexität und damit der Fehleranfälligkeit geführt“, sagt Niels Hampel, Automobilexperte der Münchener Beratungsfirma MVI Group.
„Das Resultat für den Kunden waren vermehrte Werkstattaufenthalte nach Rückrufaktionen, die das Image der Branche nicht gefördert haben.“ Trotzdem bleiben die Zulieferer der Innovationsmotor schlechthin. „In Zukunft werden die Herausforderungen der Automobilzulieferindustrie darin liegen, Innovationen als aktives Differenzierungsmerkmal zu nutzen, und damit den Preis als vorrangiges Verhandlungsmerkmal in den Gesprächen mit den Herstellern ablösen“, vermutet Hampel.
Leichtbau bleibt das erklärte Ziel
Als Beispiele für technologische Herausforderungen nennt er Hybrid-Antriebe, eine Kombination aus Benzin- beziehungsweise Dieselmotor mit einem Elektromotor. Ebenso gibt es komforterhöhende Eigenschaften der Innenraumgestaltung, wie die physiologisch geregelte Mehrzonen-Klimaanlage mit biometrischer Sensor-Individualerkennung. In Zukunft dürfte die Cockpit-Gestaltung durch individuell konfigurierbare Anzeigen und 3-D-Effekte mit Laserprojektion die Informationsdarstellung revolutionieren.
Aus den Komfort-Innovationen, die das Fahrzeuggewicht erhöhen, wächst der Druck zur Anwendung von verschiedenen Werkstofftechnologien, die miteinander kombiniert werden; etwa die Verbindung hochfester Stähle mit Aluminium oder Carbon-Faser-Kunststoffen zur Reduzierung des Fahrzeuggewichts. Leichtbau bleibt das erklärte Ziel der Automobilindustrie.
Bremsassistent mit Radar
Dazu steuern Zulieferer ihre Innovationen bei. Beispiel Conti-Teves: Das erste Antiblockiersystem (ABS), das der Zulieferer 1984 für einen Ford Scorpio entwickelt hat, wog 11,5 Kilo. ESP II wiegt nur ein Sechstel. Conti-Teves hat zudem ein erweitertes Fahrsicherheitssystem entwickelt: „Apia“ - Aktiv-Passiv-Integrations-Ansatz - kann noch mehr als ESP.
Es beobachtet das Umfeld des Fahrzeugs über Sensoren. Kurz vor einem unvermeidbaren Unfall zieht „Apia“ den Sicherheitsgurt enger, schließt Fenster und Schiebedach und bremst schon ab, wenn der Autofahrer noch gar nicht reagiert hat. Premiere feiert der neue Bremsassistent mit Radar übrigens schon auf der IAA im September in der neuen Generation der Mercedes S-Klasse.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2479 | −0,08% |
| Rohöl Brent Crude | 106,85 $ | −0,38% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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