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Wie im Batman-Film : Die Autos von Ford lernen Deutsch

  • -Aktualisiert am

Ein Ford Focus auf der Autoshow in Washington im Januar: Die Sprachsteuerung soll zuerst im neuen Modell Focus angeboten werden Bild: dpa

Der amerikanische Autohersteller Ford führt 2012 auch in Europa eine Sprachsteuerung für das Telefon und für das Infotainmentsystem ein. Fast alle Hersteller planen inzwischen ebenfalls die Vernetzung.

          Mit Ausnahme von Batman-Filmen galt bisher, dass Autos weder sprechen noch verstehen können. Das ändert sich jetzt. Der amerikanische Ford-Konzern stattet als erster Massenhersteller in Europa seine Kompaktwagen mit einer Kommunikationstechnik aus, die der Fahrer mit seiner Stimme oder über einen Berührungsbildschirm und die Tasten am Lenkrad steuert. „Wir werden unser Paket namens Sync My Ford Touch im kommenden Jahr in neun Länder einführen, darunter auch Deutschland“, sagte Christoph Kellerwessel, der Chefingenieur für die Elektrik in Europa, der Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren. Das Produkt, das Ford zusammen mit Microsoft und dem Spracherkennungs-Softwarehersteller Nuance entwickelt hat, soll zuerst im neuen Modell Focus angeboten werden.

          Künftig soll der Fahrer telefonieren können, ohne dabei die Hände zu benutzen. Dazu muss er nur sein Auto über die Funkübertragungstechnik Bluetooth mit seinem Mobiltelefon verbinden und die beiden Geräte einmalig „einander vorstellen“. Die Software erkennt dann über kurze Distanz automatisch die auf dem Handy gespeicherten Telefonnummern und Adresslisten inklusive der dazu gehörenden Namen. Während der Fahrt kann der Fahrer dann über einfache Sprachkommandos telefonieren. Er sagt dem Apparat beispielsweise: „Ruf XYZ an!“

          Damit setzt Ford stärker auf moderne Informationssysteme im Auto als viele Konkurrenten. In Deutschland rechnen Zulieferer der Autobranche damit, dass mobile Internettechnik erst 2015 in den Serienfahrzeugen der Oberklasse Einzug hält. Die Daimler-Marke Mercedes zeigt auf der gerade beginnenden Automesse in Genf mit dem neuen Modell SLK das erste Serienfahrzeug mit einem Internetzugang über die Infotainment-Plattform „Command“. „Fast alle Autohersteller antworten auf den Wunsch des Kunden nach Vernetzung durch Integration des Smartphones“, sagt Felix Kuhnert, Autofachmann der Unternehmensberatung PwC. Oberklassehersteller sowie Konzerne aus der Telekommunikations- und Informationstechnik arbeiten laut Kuhnert intensiv am „Smartphone auf Rädern“.

          Die Daimler-Marke Mercedes zeigt mit dem neuen Modell SLK das erste Serienfahrzeug mit einem Internetzugang über die Infotainment-Plattform „Command”
          Die Daimler-Marke Mercedes zeigt mit dem neuen Modell SLK das erste Serienfahrzeug mit einem Internetzugang über die Infotainment-Plattform „Command” : Bild: dpa

          Was „Sync My Ford Touch“ noch nicht kann

          Die Software von Ford kann sogar auf dem Mobiltelefon ankommende SMS vorlesen. Der Fahrer kann dann aus einer Liste kurzer Standardantworten per Stimme eine auswählen und senden. Was „Sync My Ford Touch“ noch nicht kann und vielleicht auch nie lernen soll: Das Vorlesen oder Diktieren längerer E-Mails. „Unser wichtigstes Motto lautet: Die Hände am Lenkrad und den Blick auf die Straße. Das Hören oder Verfassen längerer Texte wäre mit der Verkehrssicherheit nicht in Einklang zu bringen“, sagt Chefingenieur Kellerwessel. So werde auch das Surfen im Internet auf dem Bildschirm des Fahrers künftig aus Sicherheitsgründen nicht ermöglicht.

          In den Mittelpunkt stellt Ford die einfache Bedienbarkeit: Die Spracherkennungssoftware braucht vor dem Gebrauch kein Training. Das liegt daran, dass in den Apparaten 10 000 Sprachkommandos eingespeichert sind. Diese muss man nicht kennen, um sie nutzen zu können. Die hohe Zahl ermöglicht es, einfache Dinge wie den Befehl, jemanden anzurufen, auf verschiedene Arten und Weisen zu sagen. Der Computer versteht fast alle möglichen Varianten.

          In Amerika wird die neue Technik schon seit drei Jahren angeboten. Von einzelnen Modellen werden dort 80 Prozent der neu bestellten Fahrzeuge damit ausgeliefert. Der Preisunterschied liegt je nach Ausstattung bei einigen hundert oder mehreren tausend Euro – vor allem der berührungsempfindliche Bildschirm ist teuer. Der neue Focus etwa wird hierzulande zwischen 18 000 und 30 000 Euro kosten. Beliebt ist die neue Technik trotz des Preisaufschlags: „In Amerika verkaufen sich die Autos, die mit Sync ausgestattet sind, um 40 Prozent schneller“, sagt Christoph Kellerwessel.

          „Das finden Sie sonst nur im Fünfer-BMW oder im Audi A6“

          Neben dem Smartphone lassen sich auch ein iPod, iPad und andere Geräte mit einem USB-Stecker einstöpseln und anschließend per Sprache oder über einen Bildschirm steuern. Sync indiziert zum Beispiel alle vorhandenen Musiktitel. Der Fahrer kann dann das Abspielen von Musik eines bestimmten Künstlers verlangen. Auch die Zieleingabe für das Navigationsgerät funktioniert über die eigene Stimme. Das Einstöpseln eines USB-Modems ermöglicht zudem den drahtlosen Internetzugang für bis zu fünf Geräte. Den Vertragspartner für den Internetzugang kann der Autofahrer weiterhin frei wählen. Bestimmte Dienste – etwa ein Notruf, der beim Aufprall über den Airbag automatisch ausgelöst wird – können nachgerüstet werden.

          Vergleichbare Technik ist bei anderen Herstellern bisher nur in der Oberklasse üblich. „Das finden Sie sonst nur im Fünfer-BMW oder im Audi A6“, sagt Kellerwessel. Ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zur Konkurrenz sei der besonders hoch auflösende und kontrastreiche Acht-Zoll-Bildschirm. Ford wolle diese Technik für alle verfügbar machen und damit „demokratisieren“. Man werde deshalb schnell auf hohe Stückzahlen gehen. Bis 2015 werde Ford in Europa rund zwei Millionen Autos verkaufen, die mit Sync ausgerüstet sind. In Amerika seien schon jetzt drei Millionen derart ausgerüstete Autos von Ford auf der Straße.

          Die Verbindung mit dem Internet ermöglicht es künftig, Informationen über das Wetter, den Verkehr, Hotels und Restaurants aus dem Netz abzurufen. Die Technik weckt allerdings auch Ängste vor Manipulationen. „Das Auto wird durch eine starke Firewall vor unerwünschten Eingriffen durch Hacker geschützt“, wiegelt Kellerwessel ab. Auch dem Datenschutz werde Genüge getan. So gebe es einfache Funktionen, mit deren Hilfe alle gespeicherten Daten auf einen Schlag gelöscht werden können. Wer einen Mietwagen benutzt habe, müsse nicht fürchten, dass der nächste Kunde alles über seine Vorlieben erfährt.

          Quelle: F.A.Z.

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