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General Motors plant Rüsselsheim soll den Opel Astra nicht mehr bauen

Das Auto soll nur noch in England und Polen produziert werden - aber nicht mehr in Rüsselsheim. Betriebsräte fürchten: Ohne den Astra ist das Werk in Gefahr.

© Röth, Frank Vergrößern Arbeiter in der Astra-Produktion im Opel-Werk Rüsselsheim.

Die Lage bei Opel spitzt sich zu. Um die jahrelangen Milliardenverluste der bedrohten Traditionsmarke endlich zu beenden, greift der amerikanische Mutterkonzern General Motors (GM) nun zu härteren Mitteln. GM wolle die Produktion des Kompaktwagens Opel Astra im Stammwerk Rüsselsheim ganz einstellen, heißt es unter führenden Gewerkschaftern.

Christoph Ruhkamp Folgen:  

Die nächste Generation des für das Unternehmen wichtigsten Modells solle nur noch im englischen Werk in Ellesmere Port und im polnischen Gliwice vom Band laufen. Das soll von 2015 an gelten. Offiziell werde diese Entscheidung Mitte Mai verkündet, sagen die Gewerkschafter und berufen sich dabei auf Aussagen des GM-Vizechefs Stephen Girsky. Girsky ist Vorsitzender des Opel-Aufsichtsrats und maßgeblich für den Geschäftsplan verantwortlich. Ein Unternehmenssprecher wollte den Sachverhalt nicht kommentieren - er verwies auf noch laufende Gespräche.

„Als würde man den Golf nicht mehr in Wolfsburg produzieren“

Für Rüsselsheim wäre die Entscheidung, den Astra abzuziehen, verheerend. „Das ist so als würde man den VW Golf künftig nicht mehr in Wolfsburg produzieren“, sagte ein Gewerkschafter. Der Kompaktwagen Astra ist, neben dem Corsa, mit einem Produktionsvolumen von jährlich rund 330.000 Einheiten das mit Abstand wichtigste Opel-Modell. Ausgerechnet im Jahr des 150. Jubiläums der Unternehmensgründung würde mit dem Ende der Astra-Produktion in Rüsselsheim das Signal gegeben, dass das traditionelle Stammwerk seine Bedeutung verliert. Außer dem Astra, der laut Produktionsplan in Rüsselsheim ein Drittel der Kapazität auslasten soll, wird dort nur noch die Mittelklasselimousine Insignia produziert.

Aus Sicht von GM und der Opel-Unternehmensleitung unter Karl-Friedrich Stracke ist der Schritt jedoch nachvollziehbar. Denn die Belegschaften in Ellesmere Port und Gliwice arbeiten flexibler und billiger. Sie sind bereit, zusätzlich zu einer 40-Stunden-Woche auch bis zu 80 Sonderschichten im Jahr an Samstagen zu akzeptieren. In Ellesmere Port sollen künftig im Dreischichtbetrieb statt wie bisher 145.000 dann 205.000 Einheiten vom Band laufen; in Gliwice soll das Astra-Volumen von 185.000 auf 240.000 wachsen. Dem Unternehmen spart das bares Geld: In Rüsselsheim wird teurer produziert, da die Beschäftigten dort noch immer übertariflich bezahlt werden.

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Um den Ausverkauf am Standort Rüsselsheim abzuwenden, hat der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug im Rahmen einer innerbetrieblichen Einigungsstelle - einer Art Schiedsstelle - der Konzernführung unter GM-Vize Girsky einen letzten Gegenvorschlag unterbreitet, der der schwierigen finanziellen Lage des Unternehmens Rechnung trägt. Demnach wollen die Arbeitnehmer dem Unternehmen durch Lohnverzicht oder ähnliche Kostensenkungen die Investitionen finanzieren, die notwendig wären, um die nächste Generation des Astra in Rüsselsheim zu produzieren. Diese Investitionen beziffert die Arbeitnehmerseite auf 70 Millionen Euro.

„Wir bestehen darauf, dass Rüsselsheim der dritte Astra-Standort bleibt“, sagte Betriebsratschef Schäfer-Klug dieser Zeitung. Mit einem Produktionsvolumen von 100.000 Insignia im Jahr wäre Rüsselsheim zu schlecht ausgelastet, um auf Dauer als Standort bestehen zu können.

Schon 8000 von 48.000 Arbeitsplätzen gestrichen

Das Ringen um die Astra-Produktion ist die jüngste Zuspitzung im Dauerkonflikt um die Sanierung von Opel. „Das Europageschäft bleibt eine Baustelle“, sagte GM-Konzernchef Daniel Akerson vergangene Woche in Detroit. Es stünden mehr Autos unverkauft herum, „als uns lieb sein kann“, ergänzte Finanzchef Dan Ammann. Obwohl in den vergangenen drei Jahren schon 8000 von einst 48.000 Arbeitsplätzen in Europa gestrichen wurden, droht Opel im laufenden Jahr der sechste Verlust hintereinander. Seit 1999 hat GM mit der deutschen Tochtergesellschaft im Laufe der Zeit insgesamt 16 Milliarden Dollar verloren.

Um eine Wende herbeizuführen, hat sich GM im März am französischen Konkurrenten Peugeot mit 7 Prozent beteiligt. Opel soll künftig in Einkauf Logistik und Produktentwicklung eng mit den Franzosen kooperieren, um so die Kosten zu senken. Zur Verschärfung der Lage trug zuletzt auch die allgemeine Schwäche des europäischen Marktes bei, der das fünfte Jahr in Folge schrumpft. In den ersten vier Monaten des Jahres ging der Absatz von Opel im Kernmarkt Europa sogar noch deutlich stärker als der Gesamtmarkt um 16 Prozent auf 228000 Einheiten zurück; damit erreicht Opel einen Marktanteil von gerade noch 6,6 Prozent.

Quelle: F.A.Z.

 
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