Home
http://www.faz.net/-gqk-6znzb
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

General Motors plant Rüsselsheim soll den Opel Astra nicht mehr bauen

Das Auto soll nur noch in England und Polen produziert werden - aber nicht mehr in Rüsselsheim. Betriebsräte fürchten: Ohne den Astra ist das Werk in Gefahr.

© Röth, Frank Vergrößern Arbeiter in der Astra-Produktion im Opel-Werk Rüsselsheim.

Die Lage bei Opel spitzt sich zu. Um die jahrelangen Milliardenverluste der bedrohten Traditionsmarke endlich zu beenden, greift der amerikanische Mutterkonzern General Motors (GM) nun zu härteren Mitteln. GM wolle die Produktion des Kompaktwagens Opel Astra im Stammwerk Rüsselsheim ganz einstellen, heißt es unter führenden Gewerkschaftern.

Die nächste Generation des für das Unternehmen wichtigsten Modells solle nur noch im englischen Werk in Ellesmere Port und im polnischen Gliwice vom Band laufen. Das soll von 2015 an gelten. Offiziell werde diese Entscheidung Mitte Mai verkündet, sagen die Gewerkschafter und berufen sich dabei auf Aussagen des GM-Vizechefs Stephen Girsky. Girsky ist Vorsitzender des Opel-Aufsichtsrats und maßgeblich für den Geschäftsplan verantwortlich. Ein Unternehmenssprecher wollte den Sachverhalt nicht kommentieren - er verwies auf noch laufende Gespräche.

„Als würde man den Golf nicht mehr in Wolfsburg produzieren“

Für Rüsselsheim wäre die Entscheidung, den Astra abzuziehen, verheerend. „Das ist so als würde man den VW Golf künftig nicht mehr in Wolfsburg produzieren“, sagte ein Gewerkschafter. Der Kompaktwagen Astra ist, neben dem Corsa, mit einem Produktionsvolumen von jährlich rund 330.000 Einheiten das mit Abstand wichtigste Opel-Modell. Ausgerechnet im Jahr des 150. Jubiläums der Unternehmensgründung würde mit dem Ende der Astra-Produktion in Rüsselsheim das Signal gegeben, dass das traditionelle Stammwerk seine Bedeutung verliert. Außer dem Astra, der laut Produktionsplan in Rüsselsheim ein Drittel der Kapazität auslasten soll, wird dort nur noch die Mittelklasselimousine Insignia produziert.

Aus Sicht von GM und der Opel-Unternehmensleitung unter Karl-Friedrich Stracke ist der Schritt jedoch nachvollziehbar. Denn die Belegschaften in Ellesmere Port und Gliwice arbeiten flexibler und billiger. Sie sind bereit, zusätzlich zu einer 40-Stunden-Woche auch bis zu 80 Sonderschichten im Jahr an Samstagen zu akzeptieren. In Ellesmere Port sollen künftig im Dreischichtbetrieb statt wie bisher 145.000 dann 205.000 Einheiten vom Band laufen; in Gliwice soll das Astra-Volumen von 185.000 auf 240.000 wachsen. Dem Unternehmen spart das bares Geld: In Rüsselsheim wird teurer produziert, da die Beschäftigten dort noch immer übertariflich bezahlt werden.

Mehr zum Thema

Um den Ausverkauf am Standort Rüsselsheim abzuwenden, hat der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug im Rahmen einer innerbetrieblichen Einigungsstelle - einer Art Schiedsstelle - der Konzernführung unter GM-Vize Girsky einen letzten Gegenvorschlag unterbreitet, der der schwierigen finanziellen Lage des Unternehmens Rechnung trägt. Demnach wollen die Arbeitnehmer dem Unternehmen durch Lohnverzicht oder ähnliche Kostensenkungen die Investitionen finanzieren, die notwendig wären, um die nächste Generation des Astra in Rüsselsheim zu produzieren. Diese Investitionen beziffert die Arbeitnehmerseite auf 70 Millionen Euro.

„Wir bestehen darauf, dass Rüsselsheim der dritte Astra-Standort bleibt“, sagte Betriebsratschef Schäfer-Klug dieser Zeitung. Mit einem Produktionsvolumen von 100.000 Insignia im Jahr wäre Rüsselsheim zu schlecht ausgelastet, um auf Dauer als Standort bestehen zu können.

Schon 8000 von 48.000 Arbeitsplätzen gestrichen

Das Ringen um die Astra-Produktion ist die jüngste Zuspitzung im Dauerkonflikt um die Sanierung von Opel. „Das Europageschäft bleibt eine Baustelle“, sagte GM-Konzernchef Daniel Akerson vergangene Woche in Detroit. Es stünden mehr Autos unverkauft herum, „als uns lieb sein kann“, ergänzte Finanzchef Dan Ammann. Obwohl in den vergangenen drei Jahren schon 8000 von einst 48.000 Arbeitsplätzen in Europa gestrichen wurden, droht Opel im laufenden Jahr der sechste Verlust hintereinander. Seit 1999 hat GM mit der deutschen Tochtergesellschaft im Laufe der Zeit insgesamt 16 Milliarden Dollar verloren.

Um eine Wende herbeizuführen, hat sich GM im März am französischen Konkurrenten Peugeot mit 7 Prozent beteiligt. Opel soll künftig in Einkauf Logistik und Produktentwicklung eng mit den Franzosen kooperieren, um so die Kosten zu senken. Zur Verschärfung der Lage trug zuletzt auch die allgemeine Schwäche des europäischen Marktes bei, der das fünfte Jahr in Folge schrumpft. In den ersten vier Monaten des Jahres ging der Absatz von Opel im Kernmarkt Europa sogar noch deutlich stärker als der Gesamtmarkt um 16 Prozent auf 228000 Einheiten zurück; damit erreicht Opel einen Marktanteil von gerade noch 6,6 Prozent.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
IT-Unternehmen IBM gibt Standort Mainz auf

Die amerikanische IBM-Niederlassung in Mainz steht 50 Jahre nach ihrer Eröffnung vor dem Aus. Ende 2016 soll sie geschlossen werden. Offenbar ist eine Zusammenlegung mit der Frankfurter Dependance geplant. Mehr Von Oliver Koch, Mainz

22.10.2014, 08:00 Uhr | Rhein-Main
Für den ICE von Siemens kommt die Konkurrenz jetzt näher

Der Siemens-Rivale General Electric will den TGV-Hersteller kaufen. Der Kaufpreis soll bei 13 Milliarden Dollar liegen. Für Siemens entstünde ein noch stärkerer Wettbewerber in einem ihrer wichtigsten Geschäftsfelder. Mehr

25.04.2014, 09:26 Uhr | Wirtschaft
Antarktis Kurzer Brief auf langer Reise

Es gibt viel zu tun im Postamt von Port Lockroy - obwohl es auf der antarktischen Halbinsel liegt und damit die südlichste Poststation der Erde ist. Und Schuld daran sind die Kreuzfahrer. Mehr Von Sven Weniger

09.10.2014, 06:27 Uhr | Reise
Tote bei Zusammenstößen in Libyen

Ein Anhänger des abtrünnigen Generals Haftar forderte die Auflösung des Parlaments. Mehr

19.05.2014, 08:47 Uhr | Politik
Deutsche-Chinesischer Riesengipfel Viele neue Milliarden-Deals

Zuletzt gab es einige Misstöne im Verhältnis zwischen Chinas Behörden und deutschen Konzernen. Offiziell sind sich beide Länder aber einig: Wirtschaftlich bringen sie sich weiter. Mehr

10.10.2014, 17:21 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.05.2012, 17:11 Uhr

Tests mit Schlagseite

Von Markus Frühauf

Bestünden alle Banken den Stresstest, hätte die EZB als künftige Bankenaufseherin schon vor dem Beginn versagt. Doch sie kann auch kein Interesse daran haben, die Schwächen der Banken schonungslos aufzudecken. Mehr 5


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Das verdienen Einwanderer hierzulande mehr

Viele Menschen ziehen nach Deutschland, weil sie hier mehr Geld verdienen können. Wie groß die Verdienststeigerungen sind und wie sie sich je nach Herkunftsland unterscheiden – unsere Grafik des Tages. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden