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„Beetle 2“ Der Käfer kommt zurück

Der neue Beetle hat wieder mehr Ähnlichkeit mit dem guten alten Käfer. Mit ihm will Volkswagen den Rivalen Mini überholen. Zugleich spürt der Konzern Konkurrenz von anderer Seite: Hyundai holt auf.

© Vergrößern Soll mit dem bulligeren Äußeren mehr „maskuline” Autofahrer ansprechen: der „Beetle 2” hat wieder ein Trittbrett. Wer will, kann sich sogar den Schriftzug „Käfer” am Heck anbringen lassen.

Der Käfer kommt zurück. Offiziell läuft die Neuauflage des großen Klassikers unter den Fahrzeugen des VW-Konzerns zwar unter dem Namen „Beetle“ (und nicht mehr unter „New Beetle“). Aber wer möchte, kann sich stattdessen den Namenszug „Käfer“ am Heck anbringen lassen oder wahlweise irgendeine andere Übersetzung wählen wie „Maggiolino“, „Bug“, „Coccinelle“ oder „Fusca“. Das ist Teil der VW-Strategie, wieder mehr Emotionen zu wecken und mit allerlei Reminiszenzen (wie einem angedeuteten Trittbrett an den Flanken) an den legendären Ur-Käfer zu erinnern.

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Im Frühherbst steht das rundum neue Gefährt, das deutlich dynamischer und kraftvoller daher kommt als sein Vorgänger, bei den Händlern. Volkswagen-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn ist von dem Erfolg des Neuen fest überzeugt. Auf die Frage, ob dieser das Zeug habe, den Rivalen Mini zu überholen, sagte er am Rande der Fahrzeugpräsentation in Berlin: „Das kann schon passieren.“

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Wie ehrgeizig und optimistisch diese vorsichtige Ankündigung ist, zeigt sich bei einem Vergleich der bisherigen Absatzzahlen. Vom New Beetle hat VW in den vergangenen zwölf Jahren 1,2 Millionen Stück verkauft. Das sind 100.000 im Jahr. 2010 lag der Absatz einschließlich der Cabrios sogar nur bei knapp 40.000 Autos. BMW hat im vergangenen Jahr 235.000 Minis abgesetzt.

Letzter VW Käfer läuft vom Band © dpa Vergrößern Der letzte echte Käfer lief 2003 in Mexiko vom Band. In Europa war die Montage bereits 1978 ausgelaufen.

Aus dem Frauenauto soll ein Männerauto werden

Um an diese Marke heranzukommen, muss der Beetle endlich auch in Deutschland und Europa wieder mehr Käufer finden. Mit bis zu 200 PS wird der kugelige Renner vom Antrieb her an die stärksten Minis heranreichen und damit fortan wohl wieder mehr Männer ansprechen. Der Vorgänger war vor allem bei Frauen beliebt.

Bisher hat VW den Käfer-Nachfahren vor allem in Amerika verkauft. Das wird nach Einschätzung Winterkorns auch in Zukunft so sein. Aber China werde für dieses Modell der zweitwichtigste Markt sein. „Die Chinesen lieben dieses Auto“, sagte Winterkorn mit Blick auf die bisherige Resonanz im Reich der Mitte, wo der Beetle im April seine Weltpremiere feierte.

Das Auto wird in Mexiko gebaut. Dank des höheren Lokalisierungsgrades soll es eine bessere Rendite einfahren als der Vorgänger. Laut Winterkorn kommen 85 Prozent der verwendeten Bauteile aus dem Dollar-Raum. Das Getriebe und ein Teil der Motoren stammen noch aus Deutschland oder Japan. Doch auch das wird sich ändern: VW baut im mexikanischen Silao gerade eine Motorenfabrik.

Die Furcht vor Hyundai

Während BMW nach dem Start des Audi A1 nun schon den zweiten Angriff auf den Mini zu parieren hat, muss VW sich immer mehr mit einem aufstrebenden Angreifer aus Korea herumschlagen: Hyundai. Dieser Wettbewerber gehe viel brutaler vor als die Japaner, sagte Winterkorn und fügte hinzu: „Die Koreaner greifen überall auf der Welt an.“ Hyundai kopiere von VW und Herstellern aus Japan im ersten Schritt, um es dann im zweiten Schritt noch besser zu machen. Dafür gebe es etliche Beispiele. „Ich sehe genug Hyundai-Fahrzeuge, bei denen VW-Produkte Pate gestanden haben“, sagte der VW-Chef. Zugleich gab er zu, dass VW seinerseits gute Konstruktionslösungen von den Koreanern übernehme.

Den Fußballfan Winterkorn hat es geärgert, dass Hyundai als Hauptsponsor der Weltmeisterschaften in Südafrika und vor allem vor der eigenen Tür in Deutschland 2006 für Aufmerksamkeit sorgen konnte. Daher hat VW damit geliebäugelt, sich selbst als Sponsor einzubringen. Doch daraus wurde nichts: „Die Fifa wollte 200 Millionen Euro im Jahr. Das war uns zuviel“, sagte Winterkorn.

Bei allem Expansionsdrang: Winterkorn glaubt nicht, dass Hyundai für eine Übernahme von Opel zu erwärmen wäre. An dieser Tochtergesellschaft von General Motors (GM), die der ein oder andere GM-Manager angeblich gerne verkaufen würde, wären im Fall der Fälle eher chinesische Autohersteller interessiert, glaubt Winterkorn. Die Chinesen könnten vor allem das Opel-Entwicklungszentrum und der Vertriebskanal reizen. Eine Herauslösung von Opel aus dem GM-Konzern sei theoretisch machbar, wenn man dies denn unbedingt wolle. „Die Frage ist, ob es klug ist, 5000 hochqualifizierte Ingenieure in einer Zeit aufzugeben, in der jeder händeringend nach Fachkräften sucht.“

Der VW-Konzern, zu dem neben der Stamm-Marke VW unter anderem Audi, Skoda, Seat und Bentley gehören, hat im ersten Halbjahr 2010 mehr als 4 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert. Auf die Frage, ob demnach im Gesamtjahr 8 Millionen Automobile verkauft werden könnten, sagte Winterkorn: „Ich gehe davon aus, ja.“ Zum Vergleich: 2010 hat der Konzern 7,3 Millionen Autos und Nutzfahrzeuge abgesetzt. „Wir konnten in allen Weltregionen zulegen“, sagte Winterkorn, wobei er China (plus 14 Prozent) und die Vereinigten Staaten (plus 20 Prozent) hervorhob. Der Absatz der Marke VW sei im ersten Halbjahr um fast 12 Prozent auf 2,5 Millionen Fahrzeuge gestiegen. Unter den Einzelmärkten ragt Russland heraus. Dort hat VW die Zahl der Auslieferungen verdoppelt. In Deutschland kam ein Plus von knapp 5 Prozent zustande. VW bemüht sich nach Aussage Winterkorns, mehr Frauen in Führungspositionen zu holen. Doch einfach sei das nicht. Es werde wohl eher gelingen, das Absatzziel von 10 Millionen Fahrzeugen zu erreichen, als eine Frau in den Vorstand zu berufen.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 12.07.2011, 18:53 Uhr

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