20.11.2009 · Volkswagen übernimmt Porsche: Die Aufsichtsräte haben den Weg für Piëchs Autoimperium frei gemacht. Damit findet der wohl spektakulärste Übernahmekampf der deutschen Wirtschaftsgeschichte ein Ende.
Von Holger SteltznerVolkswagen, Familie, Geld - in dieser Reihenfolge beschreibt Ferdinand Piëch sein Leben. Der Enkel des genialen Konstrukteurs Ferdinand Porsche, der in Hitlers Auftrag den VW Käfer erfand, fügt zusammen, was in seinen Augen in die Hände der Familien Porsche und Piëch gehört.
Der wohl spektakulärste Übernahmekampf der deutschen Wirtschaftsgeschichte findet ein Ende, das viele überrascht, aber einer geplant hat, der brillante und durchsetzungsstarke Stratege Piëch. Volkswagen übernimmt Porsche. Das hatte sich die kleine Sportwagenschmiede ganz anders vorgestellt, als sie mit vorübergehend traumhaften Spekulationsgewinnen aus gewagten Optionsgeschäften den größten Automobilkonzern Europas angriff.
Das Wirtschaftsmärchen vom kleinen Familienbetrieb, der mit den Mitteln und der Verschlagenheit von Hedge-Fonds den ungleich größeren VW-Konzern schlucken wollte, wurde aufgeführt von illustren Managern wie Wendelin Wiedeking (der sich am Übernahmeversuch verhoben hat, aber dennoch lange als Deutschlands bestbezahlter Vorstand gelten wird), Martin Winterkorn (der nun im riesigen Volkswagenreich Marken wie Porsche und Audi oder koda und VW auf Abstand halten muss, ohne dabei Größenvorteile zu verlieren), Politikern wie Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, der zwischen dem alten und dem neuen VW-Gesetz geschickt die Seite wechselte, um zum Schluss beim Sieger zu sein, dem früheren Vorstands- und dem heutigen Aufsichtsratschef von Volkswagen, Piëch, der obendrein Gesellschafter von Porsche ist.
Sieger ist auch das Unternehmen Volkswagen, das sich mit dem Mythos Porsche als zehnte Konzernmarke schmücken kann. Bestimmt wird die Konzernführung in Wolfsburg darauf achten, dass Porsche unabhängig, aber auch genügend eingebunden sein wird, um als eigene Marke wahrgenommen und profitabel hergestellt werden zu können.
Eine andere Frage ist, ob VW für den Kauf der Porsche-Holding in Salzburg, Europas größten Autohändler, nicht einen zu hohen Preis bezahlt und die VW-Vorzugsaktionäre mit Kursverlusten die Zeche zahlen, wenn bei der VW-Kapitalerhöhung die Stammaktionäre nicht mitziehen sollten. Für die Familien Porsche und Piëch ist der Wandel vom Porsche-Gesellschafter zum größten Anteilseigner von Volkswagen ein Glück. Und der Enkel des Erfinders vom VW Käfer erfüllt sich seinen Traum. Sein Name kann in die Automobilgeschichte eingehen, in dieser Reihenfolge: Volkswagen, Porsche, Piëch.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2479 | −0,08% |
| Rohöl Brent Crude | 106,85 $ | −0,38% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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