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Automobilindustrie Renault-Nissan übernimmt Russlands Lada

 ·  Der russische Staat verzichtet auf die Kontrolle über die alte Industrie-Ikone Lada. Bald hat der westliche Autokonzern Renault-Nissan das Sagen im Awtowas-Stammwerk Togliatti an der Wolga.

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© REUTERS Avtovaz-Produktion in Togliatti

Nach jahrelanger Vorarbeit ist der Autokonzern Renault-Nissan im Kampf um den stark wachsenden russischen Automarkt endlich am Ziel. Die französisch-japanische Allianz übernimmt die Kontrolle des größten russischen Autoherstellers Awtowas, der die Autos der Traditionsmarke Lada herstellt und sich bisher mehrheitlich in Staatsbesitz befand. Renault-Nissan überholt durch die Übernahme der einstigen sowjetischen Industrie-Ikone gemessen am Absatz den Konkurrenten Toyota und steigt zum drittgrößten Autohersteller der Welt auf - nur übertroffen von General Motors und Volkswagen.

Renault-Nissan gehörte schon seit 2008, als Awtowas mit staatlicher Hilfe gerettet werden musste, ein Viertel der Anteile an dem Unternehmen aus Togliatti an der Wolga. Nun will der westliche Konzern bis Mitte 2014 über ein Gemeinschaftsunternehmen die Mehrheit von durchgerechnet 50,01 Prozent erwerben. Zu diesem Zweck hat sich Renault-Nissan mit der staatseigenen Holding Russian Technologies zusammengetan. Die Franzosen investieren in Etappen 570 Millionen Euro und erhalten dafür einen Anteil von mehr als zwei Dritteln an dem Gemeinschaftsunternehmen, wie die Konzerne am Donnerstag mitteilten. Das Gemeinschaftsunternehmen wiederum werde sich mit insgesamt 74,5 Prozent an Awtowas beteiligen. Der Abschluss der Transaktion war schon Ende 2011 angestrebt worden, stand aber auf der Kippe und hatte sich wegen der Präsidentenwahl in Russland immer wieder verzögert.

Renault arbeitet trotzdem schon längst daran, das marode Stammwerk der Marke Lada in der russischen Stadt Togliatti durch neu errichtete Fabrikhallen und Anlagen möglichst schnell in die Moderne zu katapultieren. In der nach einem italienischen Kommunisten benannten Stadt an der Wolga, deren riesiger Fabrik-Komplex noch zu Zeiten der Sowjetunion Ende der sechziger Jahre mit Hilfe des italienischen Fiat-Konzerns errichtet worden war, bauen Renault sowie Nissan und Awtowas künftig gemeinsam Autos auf Basis von Grundgerüsten des Billigautos Logan der rumänischen Renault-Marke Dacia. Die einfach konstruierten Wagen sind für den wachsenden russischen Markt gedacht, der fast so groß ist wie der deutsche und durch hohe Einfuhrzölle gegen Importe abgeschottet wird. Für Renault ist die Lada-Übernahme eine Chance, unabhängiger vom stetig schrumpfenden Markt in Westeuropa zu werden. Russland kommt der von Fachleuten vorausgesagten Entwicklung, zum größten Automarkt Europas aufzusteigen, rasch näher und ist schon der siebtgrößte Markt der Welt. In den ersten drei Monaten dieses Jahres legten die Neuwagenverkäufe um 19 Prozent auf 614000 Fahrzeuge zu. Unangefochtener Marktführer mit einem Anteil von gut einem Drittel ist - weit vor GM, VW und Hyundai-Kia - die nun gefestigte russisch-französisch-japanische Allianz Awtowas-Renault-Nissan. Zusammen streben die drei Hersteller einen auf 40 Prozent erhöhten Marktanteil in Russland.

Mit der Übernahme endet eine Ära: Für viele Russen bedeuten Awtowas und die aus der Mode gekommenen Lada-Modelle ein Symbol für die Zeit, in der sie noch an den wirtschaftlichen Sieg des sowjetischen Systems glaubten. Deshalb geht Renault behutsam vor: „Wir werden die Menschen in den verschiedenen Unternehmenskulturen ebenso respektieren wie die verschiedenen Automarken“, sagte Renault-Russlandchef Bruno Ancelin dieser Zeitung im Juli 2011. „Wir wollen in jedem Fall, dass Lada eine russische Marke bleibt.“ Awtowas lässt die Produktion des legendären Familienwagens Lada 2107 indes ohnehin auslaufen. Nach 40 Jahren soll das letzte klassische Fahrzeug der Serie Ende 2012 vom Band laufen.

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Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft.

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