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Automobilindustrie Nur Europa bereitet Audi Sorgen

Die Tochtergesellschaft des Volkswagen-Konzerns wächst kräftig in China und Amerika. Nun will Audi „italienischer“ werden - aber nur im Design. Der Absatz dagegen nimmt im Süden Europas rasant ab.

© dpa Hochglanz aus Ingolstadt: Rupert Stadler, der Vorstandsvorsitzende von Audi, neben einem Modell der Baureihe A3.

Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch gilt als Fan der Automarke Alfa Romeo. Er mag italienisches Design. An den Vorlieben Piëchs kommt kaum jemand vorbei im VW-Konzern, auch nicht eine so erfolgreiche Tochtergesellschaft wie Audi. Und so fiel es Audi-Chef Rupert Stadler leicht, das auszusprechen, was sich im Markenportfolio des bayerischen Autoherstellers inzwischen wiederfindet: „Wir bei Audi werden italienischer“, sagte Stadler anlässlich der Jahrespressekonferenz - und wollte das ausschließlich auf die automobile und nicht auf die politische Welt bezogen wissen.

Henning Peitsmeier Folgen:

Audi, die Marke mit den vier Ringen, unterhält mit der Sportwagenschmiede Lamborghini, dem Motorradhersteller Ducati und dem Designstudio Italdesign Giugiaro so etwas wie eine Italien-Dependance. Abseits des vorbildlichen Designs „made in Italy“ ist der Blick nach Süden für Stadler wie für alle Automanager indes höchst unerfreulich. „In Italien liegt die Nachfrage auf dem Niveau von 1979, das heißt, der Automobilmarkt ist im übertragenen Sinne um mehr als 33 Jahre zurückgeworfen worden“, sagte Stadler.

Rekordverkauf von 1,46 Millionen Fahrzeugen

Italien ist ein extremes Beispiel, steht aber stellvertretend für den Niedergang der europäischen Krisenstaaten. Selbst ein Premiumhersteller wie Audi muss in solchen Märkten mit Absatz- und Umsatzrückgängen kalkulieren. Ein anderes Beispiel ist Spanien: Auch dieser Automarkt werde in den nächsten Jahren nicht das Vorkrisenniveau erreichen, sagte der neue Audi-Vertriebsvorstand Luca de Meo, hier sei es wichtig, das eigene Händlernetz zu halten.

Mögen die Aussichten in China und Nordamerika auch unverändert gut sein, veranlasste die ausgeprägte Schwäche vieler westeuropäischer Absatzmärkte den sonst eher optimistischen Audi-Vorstand doch zu einer verhaltenen Prognose. „Für das laufende Geschäftsjahr sehen wir Investitionen in Zukunftstechnologien und den Ausbau unserer Kapazitäten als oberste Priorität an“, sagte Stadler. Audi will 2013 und 2014 den Umsatz nur leicht steigern, die operative Ergebnisrendite soll in einem Zielkorridor von 8 bis 10 Prozent liegen. Das trifft ziemlich genau die Linie des Rivalen BMW, der in der kommenden Woche seine Bilanz vorlegt.

Das vergangene Geschäftsjahr schloss Audi abermals mit einigen Bestwerten ab: Der Rekordverkauf von 1,46 Millionen Fahrzeugen führte zu einem Umsatz von 48,8 Milliarden Euro, ein Plus von 10,6 Prozent. Das operative Ergebnis erreichte mit 5,38 Milliarden Euro ebenfalls ein Allzeithoch in der seit 1909 andauernden Unternehmensgeschichte. Gleichwohl wäre nach Angaben des Vorstands ein noch höherer Zuwachs als dieses Plus von 0,6 Prozent möglich gewesen, doch fielen mit der Ausweitung des Produktportfolios auch höhere Kosten an. Und dem intensiven Wettbewerb in Westeuropa begegnete Audi mit Rabatten. „Dem damit einhergehenden Preisdruck konnten auch wir uns nicht vollständig entziehen“, räumte Finanzvorstand Axel Strotbek ein.

Stadler: „Wir sind da tiefenentspannt“

Die Umsatzrendite betrug nun 11 Prozent und fiel damit etwas schlechter aus als im Vorjahr. Das Ergebnis nach Steuern schrumpfte um 2 Prozent auf 4,35 Milliarden Euro. Im Vergleich zu Daimler schnitt Audi besser ab: Die Schwaben hatten trotz guter Verkäufe von fast 1,4 Millionen Autos den angestrebten Gewinn vor Zinsen und Steuern von 4,4 Milliarden Euro verfehlt. Und der Konzerngewinn war einschließlich der Nutzfahrzeuge nur deshalb um 8 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro gestiegen, weil Daimler seinen 7,5-Prozent-Anteil am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS verkauft hat (F.A.Z. vom 9. Februar).

Mittelfristig hält Audi an allen Zielen fest. Die gesteckte Marke, bis 2015 mehr als 1,5 Millionen Autos zu verkaufen, dürfte Audi sogar schon früher erreichen. Sehr stabil zeigt sich nach Einschätzung des Vorstands das Wachstum in China, mit zuletzt rund 406000 verkauften Fahrzeugen ohnehin schon der größte Einzelmarkt für Audi. Auch in den Vereinigten Staaten erzielte Audi einen neuen Verkaufsrekord. Die Aussichten dort dürften sich noch verbessern, sobald der Markt aus der neuen Fabrik in Mexiko beliefert werden kann. Auch das wichtigste Ziel, bis 2020 an BMW vorbeizufahren und mehr als 2 Millionen Autos zu verkaufen, ist für Vorstandschef Stadler unverrückbar. „Wir sind da tiefenentspannt“, sagte er.

Quelle: F.A.Z.

 
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