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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Automobilindustrie Ford will Werk im belgischen Genk schließen

 ·  In Genk laufen der Mittelklassewagen Mondeo, der Sportvan S-Max und der Van Galaxy vom Band. Jetzt will der Konzern das unterausgelastete Werk schließen. Nutznießer einer Schließung von Genk könnte die Ford-Fabrik in Köln sein.

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© Didier MAILLAC/REA/laif Abgefertigt: Die Mitarbeiter, die in Genk den Ford Mondeo herstellen, müssen um ihre Arbeitsplätze fürchten.

Der amerikanische Autohersteller Ford will sein stark unterausgelastetes Werk im ostbelgischen Genk nach Möglichkeit Ende 2013 schließen. Das wird aus Konzernkreisen bestätigt, die aber mit heftigem Widerstand der Gewerkschaften rechnen.

Das Unternehmen reagiert mit dem angestrebten Kapazitätsabbau auf den starken Absatzrückgang auf dem europäischen Markt, der seit fünf Jahren ununterbrochen schrumpft. Der Absatz von Ford ging in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 12 Prozent auf 739.000 Einheiten zurück; im September lag das Minus sogar bei 15 Prozent. Ford-Europachef Stephen Odell hat für das laufende Jahr einen Verlust von mehr als einer Milliarde Dollar im Europageschäft angekündigt.

Der Mondeo könnte künftig in Köln vom Band laufen

Das Ford-Werk in Genk ist gemessen an der Belegschaftsgröße in der reinen Autoproduktion - ohne Motoren und Getriebe - mit 4340 Beschäftigten die zweitgrößte Fabrik des Konzerns in Westeuropa. In Genk laufen der Mittelklassewagen Mondeo, der Sportvan S-Max und der Van Galaxy vom Band. Nutznießer einer Schließung von Genk könnte die Ford-Fabrik in Köln sein, die bisher nur den Kleinwagen Fiesta produziert. Denkbar wäre aber auch der Import des amerikanischen Mondeo-Schwestermodells Fusion aus den Vereinigten Staaten.

Derzeit arbeitet das Werk in Genk nur zu zwei Dritteln ausgelastet; die Schließung würde Ford laut Analystenschätzung jährlich 500 Millionen Dollar sparen. Trotzdem sollte eigentlich auch die neue Version des Modells Mondeo in Genk hergestellt werden. Das hatte die Konzernführung jedenfalls noch vor zwei Monaten in Aussicht gestellt. Doch scheint sich die Lage so schnell verschlechtert zu haben, dass diese Entscheidung nun wieder auf der Kippe steht. Schon im Umfeld der Automesse in Paris hatten Aufsichtsratskreise davon berichtet, dass Ford anstrebe, in Europa die Produktionskapazitäten zu verringern. Allerdings müsse dies nicht unbedingt durch eine Werksschließung erfolgen, sondern könne auch durch die Streichung einzelner Schichten bewerkstelligt werden. Die Zukunft von Genk sei offen.

Für diesen Mittwoch hat Ford die Gewerkschafter in Belgien zu einem Krisentreffen in Genk zusammengerufen. Das Management habe Vertreter der drei Gewerkschaften zu einem Treffen im Werk eingeladen, um die „ökonomische Krise“ zu diskutieren, sagte Rene Champagne von der Gewerkschaft ABVV Metaal der Nachrichtenagentur Bloomberg. Das Unternehmen habe darüber hinaus aber keine weiteren Details genannt und wolle sich erst Mittwochmorgen äußern.

Auch die Kölner Ford-Werke unter dem deutschen Geschäftsführer Bernhard Mattes, zu deren Verantwortungsbereich die Fabrik in Genk gehört, wollten die kolportierten Pläne für einen Kapazitätsabbau weder bestätigen noch dementieren. Über ein bevorstehendes Aus von Genk wird seit Monaten spekuliert. Grund dafür war zunächst, dass Ford den Produktionsanlauf für den neuen Mondeo verschob und dann für Oktober 2013 in Aussicht stellte. Die Fabrik in Genk gilt neben ihrer schwachen Auslastung auch deshalb als gefährdet, weil die dort produzierten Automodelle bald durch neuere Versionen ersetzt werden und bei dieser Gelegenheit auch einfacher an andere Standorte verlegt werden können.

Auf dem europäischen Markt werden nach Einschätzung von Fachleuten im kommenden Jahr voraussichtlich so wenige Autos verkauft wie seit zwanzig Jahren nicht - und zugleich rund ein Viertel weniger als im Rekordjahr 2007. Eine kurzfristige Verbesserung der Lage wird nicht erwartet, im Gegenteil dürfte es wegen der grassierenden Arbeitslosigkeit und der Rezession in Südeuropa zunächst noch weiter abwärts gehen. Um sich dieser Lage anzupassen hatte Ford vor einigen Wochen schon ein Abfindungsprogramm angekündigt, mit dem in Europa einige hundert Arbeitsplätze abgebaut werden sollen.

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Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft.

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