Daimler hat seinen Streit mit dem Betriebsrat um Produktionskürzungen im größten Werk des Konzerns in Sindelfingen beigelegt. Bis zum Anlauf der Produktion der neuen Mercedes-Benz S-Klasse im neuen Jahr solle die schwergewichtige Oberklasselimousine nur noch in einer Schicht produziert werden, teilte Daimler am Mittwoch in Stuttgart mit. Damit wird die Produktion des Modells um bis zu 15 Prozent gekürzt und zugleich ein von beiden Seiten ungewöhnlich heftig ausgetragener Konflikt beendet.
Die Arbeitgeberseite hatte gedroht, eine außerbetriebliche Einigungsstelle anzurufen, um die Produktionskürzung durchzusetzen. Stattdessen hat sich Daimler mit Betriebsratschef Erich Klemm nun doch ohne einen externen Schlichter auf eine neue Betriebsvereinbarung geeinigt. Durch die Streichung einer der beiden Schichten werden nach Auskunft eines Konzernsprechers maximal 10.000 S-Klasse-Limousinen weniger vom Band laufen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr wurden insgesamt knapp 70.000 S-Klasse-Wagen produziert.
Reaktion auf maue Nachfrage
Mit der Kürzung der Produktion will sich das Unternehmen der gesunkenen Nachfrage anpassen. In Europa hat der Daimler-Konzern im September mit gut 65.000 Einheiten knapp 7 Prozent weniger Autos verkauft als im selben Monat des Vorjahres. Allerdings sei der Grund für den verringerten Absatz der S-Klasse keine allgemeine, konjunkturbedingte Marktschwäche, sondern der im kommenden Jahr bevorstehende Wechsel zum neuen Modell. Wann dieser Wechsel ansteht, wollte der Sprecher nicht sagen.
Nach Auskunft des Betriebsrats wird ab November vom Zweischicht- auf den Einschichtbetrieb umgestellt - „für einige Monate“, wie es hieß. Mitarbeiter der S-Klasse-Montage werden in dieser Zeit in der Montage der kleinsten Mercedes-Stufenhecklimousine C-Klasse eingesetzt, sollen aber später auf ihre angestammten Arbeitsplätze zurückkehren.
Damit die S-Klasse-Arbeitnehmer keine Zuschläge für die Spätschicht einbüßen, die bis zu einem Zehntel des Lohns ausmachen können, und damit sie ihren Lebensrhythmus nicht umstellen müssen, bleibe es bei einem wöchentlichen Wechsel zwischen Früh- und Spätschicht. Außerdem wird zugunsten des Unternehmens die Flexibilität erhöht: Künftig kann - solange ein Minus auf dem Arbeitszeitkonto besteht - keine durch Geld vergütete Mehrarbeit geleistet werden. Erst muss das Minus durch zusätzliche Arbeitsstunden ausgeglichen sein. Dadurch wird es für die Geschäftsleitung einfacher, das geringere Arbeitsvolumen während der Absatzflaute durch Mehrarbeit während des aufwendigen Modellwechsels auszugleichen. „Wir haben mit dem Betriebsrat eine Einigung erzielt, bei der wir uns in wesentlichen Punkten durchsetzen konnten“, sagte Werkleiter Willi Reiss.
Ganzheitliche Flexibilität
Uwe Helmut Schaal (Uwe.H.Schaal)
- 18.10.2012, 16:02 Uhr
Gute Nachricht
Gabriel Reichstein (Etennschnplies)
- 18.10.2012, 05:37 Uhr
Was ist nur aus dem deutschen Auto-Primus geworden ?
Karl Dietrich Naumann (Huga)
- 17.10.2012, 21:13 Uhr
Versteh ich nicht
Enzo Aduro (EnzoAduro)
- 17.10.2012, 17:45 Uhr