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Automobile VW will mehrere tausend Stellen abbauen

06.09.2005 ·  Der Volkswagenkonzern hat angesichts gigantischer Überkapazitäten den größten Personalabbau seit Jahren angekündigt: 14.000 Jobs in Europa werden gestrichen, 10.000 davon allein in Westdeutschland.

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Der Autobauer Volkswagen will nach den Worten von Vorstandschef Bernd Pischetsrieder mehrere Tausend Arbeitsplätze abbauen. An den deutschen Standorten gebe es einen Personalüberhang von mehreren tausend Mitarbeitern, Pischetsrieder am Montag auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg.

Konkrete Zahlen zum geplanten Personalabbau nannte er nicht. Dem Vernehmen nach sollen in den europäischen VW-Werken, wo derzeit 123.000 Menschen arbeiten, bis Ende 2008 etwa 14.000 Arbeitsplätze gestrichen werden.

Davon wären die deutschen Standorte am stärksten betroffen: Nach den internen Planungen des Vorstands sollen in den sechs westdeutschen VW-Werken (Wolfsburg, Hannover, Kassel, Emden, Braunschweig, Salzgitter) etwa 10.000 der derzeit 102.500 Stellen wegfallen. Am stärksten wäre dabei das Stammwerk in Wolfsburg betroffen, wo etwa 50000 Menschen arbeiten. Auf der ganzen Welt beschäftigt der Konzern, zu dem auch Audi, Skoda und Seat gehören, 342.000 Mitarbeiter (siehe im Detail: Hintergrund: Wo Volkswagen seine Autos baut).

Dieser Überhang müsse im Rahmen des bestehenden Tarifvertrages abgebaut werden, machte er deutlich. Eine konkrete Zahl nannte er aber nicht. In einer Mitteilung des Unternehmens hieß es zuvor, zum Abbau nutze Volkswagen die im Rahmen des Tarifvertrags verfügbaren Instrumente wie Vorruhestand durch Altersteilzeit. Darüber hinaus werde Mitarbeitern individuell ein Aufhebungsvertrag angeboten. Diese Maßnahmen sollen für Mitarbeiter in allen Bereichen gelten, auch für Führungskräfte. Nach dem geltenden Tarifvertrag sind bei VW betriebsbedingte Kündigungen bis zum Jahr 2011 praktisch ausgeschlossen. Daher kann der Konzern einen Stellenabbau nur auf freiwilliger Basis erreichen.

Volkswagen-Aktien standen nach Bekanntgabe der neuen Pläne zum Arbeitsplatzabbau ganz oben auf dem Einkaufszettel der Anleger. „Das wird von den Investoren positiv aufgenommen“, kommentierte ein Händler die Nachricht. „Die müssen von ihren Überkapazitäten runter. Und das ist ein richtiger und wichtiger Schritt dahin“, sagte ein Börsianer. VW-Papiere verteuerten sich um 1,7 Prozent auf 43,15 Euro.

Pischetsrieder sagte, es komme darauf an, Wachstumsmärkte aus deutschen Werken profitabel bedienen zu können. Das sei nicht nur eine Frage der Personalkosten, aber diese müßten wenigstens innerhalb Deutschlands, so auch in Wolfsburg, wettbewerbsfähig sein.

Pischetsrieder sprach auch den Bau des geplanten kleinen Geländewagens Marrakesch an. Er sagte, mit einer Entscheidung, den kompakten Geländewagen in Wolfsburg zu bauen, könnten rund 1.000 Arbeitsplätze gesichert werden. Vergangene Woche war Streit zwischen Arbeitnehmervertretern und Unternehmen ausgebrochen, als VW-Markenchef Wolfgang Bernhard ein Ultimatum an die Belegschaft stellte. VW werde den Marrakesch statt in Wolfsburg in Portugal bauen lassen, falls der Betriebsrat nicht bis zum 26. September niedrigere Arbeitskosten akzeptiere, sagte Bernhard. Das Werk Palmela in Portugal arbeite pro Wagen 1.000 Euro billiger, erklärte er. Die Gewerkschaft warf ihm daraufhin Wild-West-Methoden vor. Pischetsrieder sagte, die Verhandlungen über eine Einigung liefen weiter. Ein Konzernsprecher machte klar, daß ein Scheitern der Verhandlung den Personalüberhang in Wolfsburg vergrößern würde.

Autoexperte: Brüsseler Werk schließen

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hat die Schließung des Werkes in Brüssel empfohlen. „Betriebswirtschaftlich ist eine solche harte Maßnahme immer besser als parallel die Mitarbeiter in mehreren Werken abzubauen. Mit nur 176.763 produzierten Fahrzeugen ist das alte Werk Brüssel nicht ausgelastet“, erklärte er. Das Werk aus den 70er Jahren habe eine ineffiziente Struktur, die Golf-Produktion könne nach Wolfsburg verlagert werden, sagte der Direktor des Center Automotive Research an der Fachhochschule Gelsenkirchen. Das Werk Brüssel habe 5.700 Mitarbeiter und die Schließung des Standortes würde zur Verbesserung der Kapazitätssituation und Kosten-Situation bei VW beitragen.

Nach Berechnungen von Dudenhöffer hat VW wegen der hohen Löhne in Deutschland einen jährlichen Kostennachteil etwa im Vergleich zu den französischen Konkurrenten von 1,5 Milliarden Euro. Nach Dudenhöffers Untersuchungen wurden im Jahre 2004 gerade noch 1,07 Millionen Fahrzeuge von VW in Deutschland gefertigt. Gegenüber dem Jahr 1998 sei das ein Rückgang von fast 550.000 Fahrzeugen. Die Kapazität der VW-Inlandswerke liege aber auf einem Niveau von über 1,6 Millionen Fahrzeugen pro Jahr. Gut 60 Prozent der weltweiten VW-Überkapazität von 1 Million Fahrzeuge sitze daher in den westdeutschen Werken.

VW kommt laut Dudenhöffer an einem Mitarbeiterabbau in Westdeutschland nicht herum. Opel und Ford hätten diese Einschnitte bereits hinter sich. Nach seinen Analysen habe VW einen Personalüberhang von 15.000 Beschäftigten.

Trotz der Entscheidung bestätigte Pischetsrieder die bisherigen Ergebnisprognosen. Sowohl das Operative Ergebnis nach Sondereinflüssen als auch das Ergebnis vor Steuern werden für 2005 das Vorjahr
übertreffen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, Reuters, AP
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